NachPräsentation vor Gemeinderäten
Skepsis gegenüber Container-Terminal bleibt

Am Flachglaswerk Pilkington wollen Weiden und Weiherhammer ein Container-Terminal bauen. Die Pläne kommen in den Nachbargemeinden nicht überall gleich gut an. Bild: Götz
Wirtschaft
Weiherhammer
17.06.2016
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Sie wissen jetzt mehr, aber noch nicht alles. Am Donnerstagabend stellte ein Planer den Gemeinderäten aus drei Orten Einzelheiten zum Güterverkehrszentrum in Weiherhammer vor. Vor allem in Etzenricht bleiben Zweifel.

Dr. Joachim Kochs Vortrag hat die Politiker aller Couleur offensichtlich beeindruckt. "Gut gemacht", "interessant", "detailliert" hieß es hinterher durch die Bank in der Schulaula. Koch arbeitet für die Firma Realistics und ist der von den Kommunen Weiden und Weiherhammer beauftragte Projektsteuerer.

Jenseits vieler technischer Aspekte gab die Präsentation über zwei wesentliche Punkte Auskunft. Erstens: Der zusätzliche Zug soll nur zwischen 6 und 20 Uhr fahren und so niemandem die Nachtruhe rauben. Zweitens: Auf der Staatsstraße Weiden-Hirschau werden täglich 60 oder 70 Lastwagen mehr verkehren. Kein Pappenstiel. Denn dort sind nach einer aktuellen Zählung täglich 8000 Fahrzeuge unterwegs.

Lärmgutachten


Die bekommen vor allem Etzenrichter im Ortsteil Radschin ab. Deshalb fordert Bürgermeister Martin Schregelmann (CSU) ein Lärmgutachten, das auch berücksichtigt, wie laut es beim Umladen vom Zug auf Lkw im Container-Terminal wird. "Immissionsschutzrichtlinien sind natürlich einzuhalten", sagt Weiherhammers Rathauschef Ludwig Biller dazu. Sein Kollege Schregelmann sorgt sich außerdem um sein Baugebiet. "Eventuell soll es in 15, 20 Jahren mal erweitert werden. Ich will aber einem meiner Nachfolger keine Steine in den Weg legen." Soll heißen: Wo mehr Laster fahren, will keiner mehr wohnen.

Schregelmann verhehlt seine Zweifel nicht, warnt aber Mitstreiter vor zu hohen Erwartungen. "Ich kann nicht einfach Argumente finden, die rechtlich nicht haltbar sind." Das Industriegebiet Weiherhammer existiert schließlich seit Jahrzehnten. Und dort kann Etzenricht nicht vorschreiben, wer sich ansiedeln darf.

Schregelmann und seine Gemeinderäte sind erst gefragt, wenn es ans Planfeststellungsverfahren geht. Dann wird auch das Lärmschutzgutachten fällig. "Das ist zu spät", sagt zweiter Bürgermeister Hans Beutner. "Ich bleibe skeptisch, so lange mich niemand einlädt, mal so ein Container-Terminal zu besichtigen, damit ich mal weiß, wie laut es dort wirklich ist."

Doch auch stellvertretende SPD-Chefin Elke Waldeck glaubt nicht, dass Etzenrichter großen Einfluss nehmen können: "Vielleicht noch bei den Liefer- und Ladezeiten." Ihre Partei habe ihre Linie aber noch nicht festgelegt. Auffallend: Der Widerstand, den der SPD-Ortsverein Etzenricht vor Wochen auf seiner Homepage angekündigt hat, ist im Web verschwunden. Jetzt heißt es "Bürgerbeteiligung."

Speditionen verschont


Nach Lage der Dinge könnte das Güterverkehrszentrum (GVZ) 2020/21 in Betrieb gehen. Zunächst stehen erst einmal langwierige Antragsverfahren an. Ludwig Biller freut sich schon darauf. "Eine totale Aufwertung der Region." So ähnlich habe er das auch von den Kohlberger Nachbarn gehört.

ist im Ort weniger durch Lkw- sondern eher vom Zugverkehr betroffen. Weil das GVZ aber nur zwei zusätzliche Züge pro Tag mit sich bringe, höre er keine negativen Stimmen, sagt Biller. Für den Etzenrichter Hans Beutner ist es nicht ausgemacht, dass nicht doch mehr Waggons vorbeirauschen. "Eine GVZ-Betreibergesellschaft will doch Geld verdienen. Die haben Interesse daran, dass viel umgeschlagen wird."

Weniger Konkurrenz als befürchtet droht offenbar ortsansässigen Speditionen, wenn der Gleisanschluss im Industriegebiet Weiherhammer reaktiviert wird. Das Flachglaswerk Pilkington wird wohl vor allem Rohstofflieferungen aus Osteuropa von der Straße auf die Schiene verlagern. Diese Fuhren fallen als Lärm- und Abgasquelle dann schon mal weg.
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