Noch nicht alle an Bord
Geplantes Güterverkehrszentrum wirft Fragen auf

Wirtschaft
Weiherhammer
30.05.2016
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In Weiden löst das geplante Güterverkehrszentrum in Weiherhammer Euphorie aus. In den Umlandgemeinden wissen dagegen viele noch nicht, was sie davon halten sollen.

Am deutlichsten hat sich die Etzenrichter SPD positioniert. Auf ihrer Homepage fordert sie Widerstand. "Das Güterverkehrszentrum bedeutet für die Gemeinden Kohlberg, Weiherhammer, Etzenricht, Mantel und Luhe-Wildenau eine dramatische Erhöhung des Schienen- bzw. des Straßenverkehrsaufkommens. Zusätzlich wird sich die Lärm- und die Feinstaubbelastung überdimensional erhöhen. Die Gesundheit unserer Bürger ist bedroht."

Auf Nachfrage hört sich das allerdings etwas anders an. Gemeinderat Willy Koegst war bei der Vorstellung des Projekts im "Lohbachwinkel" dabei. Er sei zwar "eher dagegen", habe sich aber noch keine abschließende Meinung gebildet. Koegst erhofft sich Klarheit nach einem Termin zum Thema am 16. Juni. Der richtet sich speziell an Kommunalpolitiker aus Etzenricht, Weiherhammer und Kohlberg.

Auch Etzenrichts Bürgermeister Martin Schregelmann (CSU) hat noch Informationsbedarf. "Ich muss mich erst schlau machen: Auf der einen Seite sehe ich die Arbeitsplätze, und ein Industriegebiet ist schließlich dazu da, dass sich Industrie ansiedelt. Ich möchte aber nicht, dass wir nur den Lärm haben und andere die Arbeitsplätze." Ähnlich sieht es sein Stellvertreter Hans Beutner (UPW).

Nur ein Zug mehr


Während Gegner des Projekts mehr Bahnlärm im Kohlberger Ortsteil Röthenbach befürchten, teilt der Bürgermeister der Gemeinde dieses Stimmungsbild nicht: "Ich habe über das GVZ noch nichts Negatives oder Positives gehört", sagt Rudolf Götz (CSU). Sicherlich werde aber der Güterverkehr auf der Staatsstraße Hirschau Weiden etwas zunehmen.

s Rathauschef Ludwig Biller (CSU) ist Protest auch noch nicht zu Ohren gekommen. "Es geht doch nur um einen Zug mehr am Tag. Jetzt kommt die Planfeststellung, und dabei müssen die Lärmwerte eingehalten werden." Die Befürchtungen der Anwohner im Etzenrichter Ortsteil Radschin müsse man allerdings ernst nehmen. Schließlich gehe es bei dem zusätzlichen Zug um ein 400 bis 500 Meter langes Gefährt.

Auch wenn Pilkington mit dem Container-Terminal Waren auf die Schiene verlagern will, glaubt Biller, dass das Projekt eine Chance für das halbe Dutzend Spediteure in seiner Gemeinde ist. Die Fuhrunternehmer sind eng mit dem Flachglaswerk verbunden. "Die können sich ja als Träger oder bei der Betreibergesellschaft beteiligen."

Spediteure grübeln


Zwar spekuliert Pilkington bei der Schiene auf günstigere Transportpreise, die Weiherhammerer Speditionen glauben aber, dass für sie weiter genug vom Kuchen übrig bleibt. "Ich stehe der Sache grundsätzlich positiv gegenüber", sagt Martina Schneider, Chefin der Spedition Grünbauer. Bei Florian Stahl von der gleichnamigen Firma klingt es trotziger. "Das Verkehrszentrum betrifft vor allem Ausgangsfrachten, weniger die Rohstoffe. Da die Bahn oft unzuverlässig ist, wird sich das auf die Dauer nicht rechnen."

Robert Betz vom Fuhrunternehmen Pfab ist etwas skeptischer. Sein Unternehmen sei außen vor, da es für Pilkington nur Glasgestelle fahre. Die Rohstofftransporteure in der Nachbarschaft müssten sich aber auf eine neue Situation einstellen.
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Stefan Kreuzeck aus Pfreimd | 31.05.2016 | 16:41  
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