Spektakulärer Auftrag aus Kalifornien
Oberpfälzer Glas für Apple-Zentrale

So soll der neue Apple-Campus 2 aussehen. Bild: dpa
Wirtschaft
Weiherhammer
10.03.2016
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Spezielle Dächer sorgen für Schatten vor den Elementen. Bild: dpa

Die kalifornische Stadt Cupertino gilt nicht als glamourös. Das dürfte sich bald ändern. 2017 eröffnet dort der börsentechnisch wertvollste Konzern der Welt seine Zentrale, die bereits aus dem Weltraum zu erkennen ist. Auf einer der spektakulärsten Baustellen der Erde kommt tonnenweise Glas aus der Oberpfalz zum Einsatz.

Die neue Denkfabrik von Apple namens AC 2 erinnert an ein riesiges Ufo. Das Hauptquartier des Computerriesen ist kreisrund und umfasst einen 260 000 Quadratmeter großen Campus. Baumeister ist der britische Architekturpapst Norman Foster. Über die Kosten ist nichts bekannt. US-Medien spekulieren über einen Betrag von drei Milliarden Dollar. Nach NT-Informationen sind im Gebäude 15 Meter lange Scheiben aus dem Pilkington-Werk Weiherhammer (Kreis Neustadt a. d. Waldnaab) verbaut. Der Auftrag soll mittlerweile abgeschlossen sein. Diese Gerüchte kursieren seit langem in und um Weiherhammer. Der Konzern bestätigt nichts. "Kein Kommentar", gibt sich Werkleiter Reinhold Gietl zugeknöpft.

Erfinderische Schwaben


Die Indizien, dass der Flachglasspezialist bei AC 2 seine Finger im Spiel hat, sind eindeutig. Nicht nur, weil Google eine polnische Webseite und mehrere Twitter-Meldungen listet, die Pilkington mit Apple und Cupertino in Verbindung bringen.

In den vergangenen Monaten waren vor dem Pilkington-Werk immer wieder Spezialtransporter mit dem Schriftzug des Glasspezialisten Seele-Sedak aus Gersthofen bei Augsburg aufgefallen. Seele stellt bereits seit geraumer Zeit Scheiben für Apple-Stores in aller Welt her.

Wie die Deutsche Presse-Agentur berichtet, verbaut Sedak im AC 2, den die Amerikaner bereits frech "Doughnut" getauft haben, 872 großflächige Elemente. Dafür musste der Mittelständler ein neues Verfahren entwickeln, um gebogene Scheiben mit den Rekordabmessungen von 3 mal 15 Metern in einem glasdicht verschließbaren Druckbehälter bei 130 Grad zu backen und mit Unterdruck zu krümmen.

Diesen Stress halten die wenigsten Scheiben aus. Pilkington dürfte es aber hinbekommen haben. Vermutlich liefert das Werk Weiherhammer an Sedak dafür den Klassiker "Optiwhite", eisenoxidarmes, klares Float-Glas mit sehr hoher Lichttransmission und farbneutraler Durchsicht. "Optiwhite" gibt es in Stärken von 2 bis 19 Millimeter. Doch weder Pilkington noch Sedak wollen dazu etwas sagen. Wie das "Manager-Magazin" jüngst schrieb, gibt Apple nicht gerne seine Partner preis. Kürzlich ließ der I-Phone-Hersteller immerhin durchsickern, dass mit Seele-Sedak und dem Fassadenspezialisten Gartner aus Gundelfingen bei Ulm zwei bayerische Unternehmen in Cupertino mitwirken.

Verschwiegene Kalifornier


Ein Sprecher von Apple Deutschland räumt auf Nachfrage ein, dass der Konzern Auftragnehmer oft zu Stillschweigen verpflichtet. Bei Gartner und Sedak habe er den Schleier so weit gelüftet, um zu zeigen, dass auch deutsche Firmen ihren Anteil an dem Technologie-Wahrzeichen im Silicon Valley haben. "Weiter wollen wir die Lieferantenkette nicht runterbrechen", heißt es dazu lapidar. Ein bisschen schade für Pilkington. Aber der Oberpfälzer gilt ja auch dann noch als bescheiden, wenn er runde Sachen fabriziert, die selbst aus dem All nicht zu übersehen sind



Grüner ApfelIm neuen Apple-Campus 2 (AC 2) sollen künftig 13 000 Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz haben. Das Gebäude hat einen Umfang von 1,6 Kilometern. Es soll weitgehend erdbebensicher sein. Nie zuvor ist für einen Bau so viel Glas so extrem gebogen worden. Es ermöglicht den Blick auf einen grünen Campus mit rund 7000 Bäumen. Sie sollen Trockenheit gut aushalten. Apple gibt sich grün: Der Campus soll komplett mit Ökostrom betrieben werden. Dazu will der Konzern eine der weltweit größten Solaranlagen auf einem Firmengelände installieren. Zudem werden nach eigenen Angaben 95 Prozent des Baustoffs aus Abbruchmaterial alter Gebäude stammen. Für Freizeitaktivitäten wie Sport müssen Apple-Entwickler, Sekretärinnen und Controller den Campus kaum mehr verlassen. Er bietet Joggingstrecken und ein Wellness-Center für 70 Millionen Dollar.

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