Zugverspätung nach Fahrplanumstellung
Schüler kommen zu spät zum Unterricht

Am Weiherhammerer Bahnhof geht es nicht immer so ruhig zu. Vor allem morgens maulen oft Schüler, weil ihr Zug nach Weiden in jüngster Zeit ständig unpünktlich ist. Bild: baw
Wirtschaft
Weiherhammer
23.12.2015
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Bürgermeister Ludwig Biller hat den Protest im Rathaus sitzen. Seine Mitarbeiterin Daniela Bauer gehört zu den vielen Eltern, die ihn auffordern, doch etwas zu tun, damit ihre Schulkinder pünktlich nach Weiden kommen. Doch dem Gemeindeoberhaupt sind die Hände gebunden.

Hintergrund ist die Fahrplanumstellung der Bahn am 13. Dezember. Seitdem fährt der Regionalzug aus Nürnberg nicht mehr um 7.16 Uhr ab, sondern erst um 7.28 Uhr. Das müsste auch noch reichen, damit alle Weiherhammerer Fahrschüler kurz nach acht in ihren Klassenzimmern an weiterführenden Schulen in Weiden sitzen. Doch das klappt nicht, klagt Biller: "Ich kann die Eltern gut verstehen: Mal hat der Zug drei Minuten Verspätung, mal zehn Minuten. Und wir und der Landkreis dürfen keinen Bus einsetzen, weil die Bahn auf dieser Strecke das Monopol hat."

Was es damit rechtlich auf sich hat, konnten bis Redaktionsschluss am Dienstag weder Bahn noch Landratsamt erläutern. Biller steht in engem Kontakt mit Karl Wittmann, der beim Landkreis für den ÖPNV zuständig ist und die Bahn bekniet, den Zustand so bald wie möglich abzustellen. "Dem steht es auch schon bis oben hin", sagt Biller.

Daniela Bauer schätzt die Zahl der Betroffenen auf 50 bis 60 Kinder. Ihre beiden Töchter haben es noch verhältnismäßig gut. Sie besuchen die Sophie-Scholl-Realschule und das Elly-Heuss-Gymnasium. Beide liegen realtiv nah am Weidener Bahnhof. "Wenn sie rennen, schaffen sie es." Kinder, die aufs Kepler- oder Augustinus-Gymnasium oder die Wirtschaftsschule gehen, platzen dagegen in den laufenden Unterricht.

Einige Eltern bilden bereits Fahrgemeinschaften, müssen sich aber mächtig sputen, da sie selbst in die Arbeit müssen. "Wir sind alles andere als begeistert, und bei der Bahn erreichen wir nur die Servicestelle. Da heißt es, wir sollen einen Beschwerdebrief schreiben", stöhnt Bauer.

"Langsamfahrstelle"


Laut Biller gehen die Verspätungen bereits in Vilseck und Freihung los. Ein Sprecher der Bahn in München nennt dafür zwei Gründe. Zum einen gehe es auf einer Baustelle in Großalbersdorf nahe Neukirchen bei Sulzbach-Rosenberg nicht so vorwärts, wie sich die Bahn das vorgestellt habe. Also gibt es dort das, was die Schienenexperten "Langsamfahrstelle" nennen .

"Wir können uns dafür nur entschuldigen. Bis die Schulferien zu Ende sind, ist das beseitigt", verspricht der Öffentlichkeitsarbeiter. Zum anderen hat die Bahn Probleme mit dem dort eingesetzten Fahrzeugtyp der Baureihe 612, einem Neigetechnikzug, der schneller durch die Kurven kommt.

Diese Technik musste am Samstag abgeschaltet werden, weil ein Zug irgendwo im Bundesgebiet von der Neige nicht mehr in die Ausgangsposition zurückkam. Rund 50 "612er" sind in Oberfranken und der Oberpfalz unterwegs. "Wir arbeiten mit Hochdruck dran, aber die Züge müssen alle überprüft werden", heißt es dazu aus München.

Ähnliche Probleme in SchwarzenbachTechnische Schwierigkeiten hat auch der private Anbieter "Agilis", der die Strecke zwischen Bayreuth und Weiden abdeckt. Dort entwickelte sich Schwarzenbach zum Brennpunkt. Dies gipfelte am vergangenen Freitag sogar in einem Polizeieinsatz, wie Werner Stopfer von der PI Eschenbach bestätigte.

In den vergangenen Wochen war der Zug Richtung Weiden bereits in Schwarzenbach so voll, dass die Schüler keinen Platz mehr hatten. "Agilis" setzte deshalb einen Ersatzbus ein. Nun aber reklamierten Eltern bei der Polizei, dass ihre Kinder verbotenerweise im Bus stehen müssten. Tatsächlich handelte es sich um einen herkömmlichen Reisebus mit Sitzreihen. In dem sind im Vergleich zu einem normalen Linienbus keine Stehplätze zugelassen.

Folglich holten die Beamten die stehenden Schüler raus. "Agilis" musste sie mit Taxis weitertransportieren. Die Lage hat sich inzwischen beruhigt. Das Unternehmen setzt einen zweiten Bus ein. Hintergrund sind auch hier Probleme, die vor etwa sechs Wochen aufgetreten sind. An Triebwagen stimmt etwas mit Schweißstellen nicht. Daher kann die Eisenbahngesellschaft derzeit auf vielen Strecken nur einen statt zwei Triebwagen einsetzen. (phs)
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