Zu Besuch im Garten der Familie Lehmer
Mit Bauchgefühl zum Traumgarten

Die Seerosen blühen und in den Sumpfzonen wächst das Seegras heran.
Freizeit
Wenzenbach
19.07.2016
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"Ich habe den Garten gesucht und wir haben uns beide gefunden!", sagt Monika Lehmer. An heißen Tagen findet sie den Schatten unterm Nußbaum wunderbar.

"Mein Garten ist sehr privat", sagt Monika Lehmer - und in einer Talmulde gelegen auch fast uneinsehbar. Vor vier Wochen jedoch spazierten 1500 Leute über den Rasen und durch die Blumenrabatten. Für die Hausherrin war es "ein Fest".

In der Oberpfalz-Broschüre zum "Tag der offenen Gartentür" stand der Garten auf der letzten Seite. Doch was Monika und Hatto Lehmer hinter hohen Bäumen der Öffentlichkeit präsentierten, war allererste Sahne. Das Gästebuch war schon mittags voll mit Lobeshymnen. "Ich habe einen Tag voller freundlicher, lachender Gesichter erlebt, die mir schöne Dinge gesagt haben. Es war ein absolutes Fest", schwärmt die Hobbygärtnerin noch heute. Sie würde bei dieser Aktion sofort wieder mitmachen: "Nur ein Mohn wurde abgebrochen und der zertretene Rasen sah nach einem Regentag wieder frisch aus!"

"Es war sehr öde"


Der Betriebswirt und die Einrichtungsberaterin - beide mittlerweile über 70 und im Ruhestand - haben das Anwesen in Wenzenbach-Thanhausen im Jahr 1985 gekauft und umgestaltet. "Es gab nur Fichten, Kiefern, Berberitzen und stachelige Zwergmispeln. Nichts hat geblüht, es war sehr öde", erinnert sich Monika Lehmer. Die großen Fichten kamen gleich raus, kleinere jeweils zu Weihnachten. "Ich fing mit einem Bauchgefühl an und wusste nicht, wie es mal ausschauen wird. Klar war nur, dass ich Wohlfühl-Ecken möchte", erzählt die quirlige Dame und ergänzt: "Ich habe den Garten gesucht und wir haben uns beide gefunden!"

Hatto Lehmer half beim praktischen Part. Zuerst wurde die extreme Hanglage modelliert und zig Lkw-Ladungen mit Erde in das Tonabbaugebiet mit seinem Lehmboden angekarrt. Nicht umsonst gibt es hier eine Ziegelstraße. Sofort wurde auch ein großer Kompostplatz angelegt, der noch heute den Boden verbessert.

Nach und nach hat die Einrichtungsberaterin auch ihren Garten eingerichtet. Den Anfang machte der kleine Teich vor der Terrasse. Bei Kanalarbeiten Anfang der 90er Jahre hob der Bagger dann einen großen Teich am unteren Ende aus, der heute ein Biotop mit wunderschönen Seerosen geworden ist. "Das Wasser wurde nie abgelassen. Aber wir steigen im Sommer im Badeanzug in die Sumpfzonen und holen zur Abmagerung etwas Seegras raus", erzählt die Hausherrin. Schonend eingreifen, das gilt für den gesamten Garten. "Schneiden, dass man es nicht sieht", lautet das Motto. Und ein weiteres: "Nicht so perfekt, sondern mit leichter Hand, damit es wie hingeworfen ausschaut." Fast entschuldigend fügt Monika Lehmer an: "Ich kann nicht so ordentlich pflanzen." Alles im Garten hat seine Geschichte. "Viele Menschen, die mir Pflanzen geschenkt oder hier gearbeitet haben, sind dadurch präsent geblieben. Mit "Mitbringsel-Steinen" hat sie einen ganzen Weg gepflastert, darunter sind drei Basaltsteine, die sie im Abendkleid in Verona entdeckt hat. Der Gemüsegarten wurde mit einer Granitsteinmauer begradigt; unten steht ein Gartenhäuschen mit Tisch für die Ernte. Hier kann man ungestört sitzen, wenn man seine Ruhe haben möchte.

Farbe wichtig


Überhaupt ist der Garten sehr privat. Es gibt viele Rückzugsorte und viele Lieblingsplätze, je nach Stimmung, Licht und Tageszeit. Lieblingspflanzen gibt es keine. Monika Lehmer mag Funkien genauso wie Rosen und Stauden und auch vermeintliche Unkräuter findet sie manchmal schön. Wichtig ist ihr die Farbe. Es gibt wenig Gelb, dafür viel Blau, Weiß, Rose und Lila. Mit der Zeit hat der Garten sein eigenes Leben entwickelt und zu einer Art Meditationsraum. Die Gärtnerin ist "immer in Fluss" und möchte noch bessere Plätze für die Pflanzen suchen. Stauden werden versetzt und die Optik im Hinblick auf die Blattstruktur im Auge behalten. "Man bekommt erst nach und nach den Blick dafür. Es gibt gute Ecken und andere, die noch zu verbessern sind!" Die Gäste am Tag der offenen Gartentür waren hier anderer Meinung.

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Weitere Bilder im Internet:

www.onetz.de/bildergalerie

Ich kann nicht so ordentlich pflanzen.Monika Lehmer
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