Felsenkeller beim "Tag der Städtebauförderung" geöffnet
Zuflucht bei Fliegerangriffen

Einer der Felsenkeller (links) befindet sich im Eigentum der Marktgemeinde. Am Samstag, 21. Mai, kann er mit Kreisheimatpfleger Leo Berberich und Wolfgang Geitner von der Bauverwaltung besichtigt werden. Bild: Hartl
Freizeit
Wernberg-Köblitz
19.05.2016
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Das Gefangenenlager war im Gasthof "Zur Post" eingerichtet. Repro: Berberich

Die Wernberger Felsenkeller boten den Bürgern im Zweiten Weltkrieg Zuflucht. Am "Tag der Städtebauförderung" ist einer davon geöffnet. Kreisheimatpfleger Leo Berberich wird aber noch ein anderes geschichtliches Kapitel aufschlagen.

Durch die Neugestaltung der Weidener Straße im Ortsteil Wernberg sind auch die Felsenkeller wieder mehr in das Blickfeld gerückt. Das Interesse an dem gebauten Geschichtszeugnis war schon bei der Premiere im Vorjahr enorm, nun gibt es am Samstag, 21. Mai, von 13.30 Uhr bis 17 Uhr eine Neuauflage. In dieser Zeit werden Kreisheimatpfleger Leo Berberich und Wolfgang Geitner von der Bauverwaltung durch den mittlerweile gut begehbaren Keller führen, der im Eigentum der Marktgemeinde steht, und Fragen beantworten. Hier kann den Mühen bei der Schaffung der Keller und dem Wandel in ihrer Nutzung vor Ort intensiv nachgespürt werden.

Bier gelagert


Entstanden sind die Keller Ende des 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts. Erste archivarisch greifbare Hinweise bieten das Urkataster und das zugehörige Ortsblatt von Wernberg im Jahre 1836. Wesentlich ist jedoch die Verbindung zu der seit 1793 bestehenden "bierbrauenden Gesellschaft" in Wernberg und dem damaligen, von Wernberger Bürgern ersteigerten "braunen Brauhaus." Der Hinweis auf die in Wernberg vor über 200 Jahren entstandene "bierbrauende Gesellschaft" lässt den früheren Hauptzweck dieser Keller erkennen, nämlich die Lagerung des gebrauten Bieres. Bis in die 1930er Jahre dienten sie, neben der Lagerung von Lebensmitteln, diesem Zweck.

Mit Notküchen


Die Bedrohung durch Fliegerangriffe, die Ungewissheit über den Ausgang der letzten Kriegstage und die Einnahme von Wernberg durch die US-Armee am 22. April 1945 führte zur Nutzung der Keller als Zufluchtsort mit Notküchen und Schlafstellen. Eine heute noch sichtbare Erinnerung an diesen Tag ist die durch einen Schuss entstandene Absplitterung an einer Säule am Leichenhaus in Wernberg.

Leo Berberich widmet sich am Samstag auch "100 Jahre Franzosengraben": Eine völlig andere Form der Förderung durch staatliche Stellen im Ersten Weltkrieg war das Projekt "Genossenschaftliche Entwässerung mit Gemeindegrundkultur zwischen Oberköblitz und Wernberg"." Sowohl die Weidener Straße als auch das Felsenkeller-Ensemble waren im dritten Jahr des Ersten Weltkrieges stumme Zeugen des Vorbeimarsches der französischen Kriegsgefangenen und ihrer Bewacher. Der Weg führte sie von dem eigens im damaligen Gasthof "Zur Post" eingerichteten Gefangenenlager zu ihrer Zwangsarbeit am Einsatzort in der Flur "Autradl".

30 Kriegsgefangene


Die damals gegründete Entwässerungsgenossenschaft unter dem Vorsitz von Pfarrer Josef Coduro hatte wegen des kriegsbedingten Mangels an Arbeitskräften um die Entsendung von 30 Kriegsgefangenen aus dem Lager Grafenwöhr nachgesucht. Nach längerem Schriftwechsel wegen der Kosten und der Verpflegung traf der Eisenbahntransport mit diesen Gefangenen in Wernberg am 31. Januar 1916 ein. Die Männer wurden im Mai 1916 nach Grafenwöhr zurückbeordert.

Die Franzosen sind zwar anonym geblieben, wurden aber so zum Namensgeber für dieses Gewässer Dritter Ordnung.
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