Anastasia Belan beim Kulturforum
Kostbarkeiten der Klaviermusik

Kultur
Wernberg-Köblitz
26.10.2016
31
0

Von Reinhold Tietz

Wernberg-Köblitz. Wann hört man schon einen halben Abend lang Klaviermusik von Peter Tschaikowsky? Die Pianistin Anastasia Belen riskiert durchaus einen Mangel an Interesse, wenn sie mit nur wenig bekannten Stücken ihr Programm gestaltet. Andererseits ist verdienstvoll, dass sie sich mit selten gespielter Musik befasst. Und wie sich herausstellt, ist es ein exquisites Programm, das an diesem Abend im Fürstensaal von Burg Wernberg vorgestellt wird.

Spritziges "Allegro giusto"


Bis zur Pause erklingen zwei Werke des russischen Komponisten. Aus dem Zyklus "Die Jahreszeiten op 37a" ertönen fünf der zwölf "Charakterstücke", die jeweils den spezifischen Gehalt eines Monats musikalisch darstellen. So findet im Februar der "Karneval" statt, was ein spritziges "Allegro giusto" bedeutet. Die "Troika" des November ist ebenfalls stets bewegt angelegt. Der Dezember preist die "Weihnachtszeit" im "Tempo di Valse", also sehr beschwingt und optimistisch. All diese verschiedenen Sichtweisen kann Belen auf ihrem Instrument in überzeugender Interpretation vorführen.

Eine Klavierfassung der "Nussknacker-Suite op 71a" schließt sich an. Michail Pletnev hat die virtuose Bearbeitung verfasst. Auch hier vermag es die Pianistin, den Gehalt der einzelnen Sätze glaubhaft zu vermitteln, ob sie jetzt vorwärtsdrängend akkordisch oder melodiös verweilend angelegt sind. Dass diese Musik eigentlich gar nicht für das Klavier geschrieben wurde, spielt keine Rolle mehr. Man ist einfach gefesselt von ihrer Kunstfertigkeit. Nach der Pause geht es mit Klaviermusik von Maurice Ravel weiter. Die drei "Poèmes pour piano d'après Aloysius Bertrand" unter dem Titel "Gaspard de la nuit" erklingen als Musterbeispiele des musikalischen Impressionismus. Die Wassernixe "Ondine" prägt ihre Tonfolgen inmitten von Tonwellen, die das ganze Stück umgeben. Erschreckende Tonvorstellungen zeigt der Galgen "Le gibet". Erst der listige Kobold "Scarbo" versöhnt wieder mit dem Leben, durch seine hurtigen Riesensprünge - in diesem Fall auf dem Klavier.

Der letzte Programmpunkt ist damit erreicht. Der im Fürstensaal anwesende Oberpfälzer Komponist Helmut Burkhardt hat den Zyklus "Sternbilder - Meditation über Orion, Zwillinge, Jungfrau und Adler" verfasst. Nun wird der vielseitige Zyklus zum grandiosen Abschluss, jetzt mit einem zeitgenössischen Flair. Es geht um das Weltall. Es musikalisch zu erfassen bedeutet auf jeden Fall, das gesamte Tonvolumen des Instruments einzusetzen, um dem Hörer einen Eindruck von der Unendlichkeit des darzustellenden Raumes zu vermitteln.

"Säulen der Schöpfung"


So werden bereits im "Urknall" Tasten ganz tief und in höchster Höhe benötigt, eine Vorstellung von diesem Ereignis zu vermitteln. Weiter geht es mit allen möglichen Ereignissen, die in Klängen charakterisiert werden, sei es eine "Supernova", die im "schwarzen Loch verschwindet", oder ein "Meteorit", der "seine Reise beginnt" oder ein "Komet", der "zerfällt". "Sternschnuppen" rasen in Zweiunddreißigsteln dahin. Jedoch heißt das Schluss-Stück "Säulen der Schöpfung" und hier wird gezeigt, dass die Akkorde des Beginns Symbole der Ewigkeit in stetem Wandel sind und bleiben.

Rauschender Beifall nach diesem phänomenalen Werk. Als Zugabe spielt die Musikerin das "Nocturno Fis - Dur op 15/2" und den "Walzer Des - Dur op 64/1" von Frederic Chopin in eleganter und verklärender Spielweise. Ein Abend mit gelungenen musikalischen Entdeckungen in begeisternder Interpretation.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.