Ein markantes Datum für die Pfarrkirche St. Anna
Erstnennung vor 500 Jahren

Hans Bäumler hat zu den Notthaffts und Ritter Georg Wisbeck weitere Forschungen betrieben. Dabei hat sich herausgestellt, dass die Erstnennung der Kirche St. Anna heute vor genau 500 Jahren, am 12. März 1516, urkundlich festgehalten ist. Bild: Huber
Kultur
Wernberg-Köblitz
12.03.2016
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Wenn zwei Geschichtsexperten ihr Wissen zusammenlegen, kommt oft Erstaunliches ans Licht: Vor exakt 500 Jahren wurde die Pfarrkirche St. Anna erstmals in einer historischen Quelle genannt.

"Es ist ratsam, sich bei der Betrachtung von urkundlichen Erstnennungen bewusst zu machen, dass sie von Überlieferungszufällen abhängen", erläutert Orts- und Kreisheimatpfleger Leo Berberich. Das sind dann "Namenstage" eines Ortes oder Gebäudes, aber keine "Geburtstage".

Die Messstiftung


Es gibt mehrere Ansatzpunkte für die Erstnennung der Pfarrkirche: Burgherr Heinrich Notthafft hat für sein Seelenheil in der Burgkapelle St. Georg Messen lesen lassen und dafür in einer 1406 gegründeten Messstiftung Kapital zur Verfügung gestellt. Georg Wisbeck von Velburg übertrug dann 1516 einen Teil auf St. Anna, um den Benefiziaten zu unterstützen. Darüber existiert eine Urkunde, die aber bisher vorrangig als Nachweis für die teilweise Übertragung der "Ewigen Messe" angesehen wurde.

Die Matrikel des Bistums Regensburg von 1997 datiert die Erbauung der Kirche St. Anna dann auf die erste Hälfte des 16. Jahrhunderts, und im Band XVIII der Reihe "Die Kunstdenkmäler von Bayern" wird die Kirche als "spätgotischer Bau des frühen 16. Jahrhunderts" eingestuft.

Bäumlers Forschungen


Damit konnte man die Erwähnung der Kirche St. Anna in Wernberg im Regensburger Visitationsprotokoll von 1526 als deren Erstnennung ansehen, erzählt Berberich. Doch nun hat Hans Bäumler aus München - Autor der 1998 erschienenen Chronik von Wernberg-Köblitz - weiter geforscht: Aufgrund der Wohnsitzverlagerungen der Notthaffte von Wernberg und ihrer finanziellen Verhältnisse in dieser Zeit ergab sich der Schluss, dass die Kirche St. Anna wohl durch Georg Wisbeck erbaut wurde - infolge seiner im Jahre 1509 dokumentierten Besitzübernahme von Burg und Ort Wernberg. Mit dieser Erkenntnis erhielt die erwähnte Urkunde von 1516, die sich im Staatsarchiv Amberg befindet, eine weitergehende Bedeutung. Zwischenzeitlich erwarb Leo Berberich vom Staatsarchiv eine Ablichtung. Er verfügt auch über eine bei einem Historiker in Regensburg in Auftrag gegebene Transkription und Übersetzung der Urkunde.

Anhand dieser Unterlagen lässt sich nun sowohl die Errichtung der Kirche St. Anna in Wernberg durch Georg Wisbeck in die Zeitspanne zwischen 1509 und 1516 einordnen als auch das Datum der Urkunde - 12. März 1516 - als Erstnennungstag zehn Jahre früher festlegen.

Ausstellung geplant


Das ist für Berberich auch ein Grund mehr, die 2011 vertagte Anregung für die farbliche Wiederherstellung des Wisbeck-Wappens auf dem Schluss-Stein des mittleren Kreuzgewölbes in der St. Anna Kirche wieder aufzugreifen. Der Tag "500 Jahre Erstnennung" sollte entsprechend gewürdigt werden.

Hans Bäumler, ein gebürtiger Wernberger, nahm Kontakt zu Pfarrer Markus Ertl auf. Das besondere Ereignis wird heuer beim Mutter-Anna-Fest gefeiert. Pfarrer Ertl und die Gremien der Pfarrei St. Anna planen in Zusammenarbeit mit dem Kulturforum entsprechende Veranstaltungen. Bereits angedacht ist eine kleine Ausstellung in der Kirche St. Anna mit einer Ablichtung der in Latein verfassten Urkunde in Originalgröße zusammen mit der zugehörigen vollständigen Transkription und Übersetzung. Weitere Archivalien zur Kirche St. Anna und die von Hans Bäumler zusammengestellten Unterlagen zu Ritter Georg Wisbeck von Velburg sollen eine Anregung zu weiteren Forschungen sein.
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