Hindu-Kulturfest in Wernberg-Köblitz
Saree trifft Lederhose

Prethi an ihrem großen Tag, eingerahmt von ihren Schulfreundinnen. Bilder: Grüner (3)
Kultur
Wernberg-Köblitz
18.08.2016
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Viele Köche verdarben diesmal nicht den Brei, sondern zauberten ein lecker exotisches Essen. Heidi Dotzler durfte als Erste probieren und befand: "Absolut köstlich!"

Praktisch in allen Kulturen haben die Menschen ein Fest, bei dem sie die Kinder an der Schwelle zum Erwachsenwerden besonders ehren. Wenn ein Mädchen biologisch zur Frau wird, feiern Hindus mit Freunden, Bekannten und Verwandten - auch in der Oberpfalz.

Dass es das auch in unserer Region gibt, ist eher außergewöhnlich. Sicher aus dem Grund, weil hier kaum Südasiaten leben. Im Markt ist seit vielen Jahren die tamilische Familie Mahendran ansässig. Die 13-jährige Tochter Prethi erlebte ihr Fest im Garten der früheren Metzgerei Dotzler.

Wie im Bollywood-Film


Etwa 30 Verwandte waren dazu angereist. Die kamen aus Kanada, der Schweiz, aus Wuppertal, Aachen, Ennepetal, Saarbrücken, Kaiserslautern, München und Weiden. Es war eine Kulisse wie aus einem Bollywoodstreifen. Die Frauen in ihren farbenprächtigen Sarees und der weitläufige Garten mit seinen Statuen, Bonsais und kleinen Steinbrunnen, dekoriert ganz im Stil von Bollywood, in grellen Farben und mit vielen kleinen Details, versetzten die einheimischen Gäste, die zahlenmäßig etwa gleich stark vertreten waren, in eine völlig fremde Welt. Da setzten die Lederhosen und Wadlstrümpfe einiger gestandener Mannsbilder unter den Gästen einen Kontrast, wie er nicht größer hätte sein können. Das Fest stand von Anfang an unter dem Motto von Hans und Heidi Dotzler: "Gästen wie Freunden begegnen". Es war ein gelungenes Beispiel für echte Integration. Der Vater von Prethi, Srithar Mahendran, kam 1998 als Asylbewerber aus Sri Lanka in die Oberpfalz. Damals war die Burg ein Asylbewerberheim und der erste Kontakt des Minderjährigen mit der Region.

Bekannter Koch


Die Familie von Waltraud Lenkeit nahm ihn kurz darauf als Pflegesohn in ihrem Haus in Weiden auf. 1998 heiratete er Shantini in Indien und brachte sie nach Weiden. Zur Familie gehört noch Sohn Prawin. Srithar lebte 10 Jahre in Weiden und ist seit 22 Jahren ein Wernberger. Bekannt ist er in der Region vor allem wegen seiner Kochkünste. So hat er schon manche große Gesellschaft als Caterer bekocht und mit srilankischen und bayerischen Schmankerln verwöhnt. Aktuell arbeitet er im "Autobahn Cafe 24".

Das eigentliche Fest begann mitten am Nachmittag. Aber die Vorbereitungen dafür liefen bereits am Vormittag. Prethi hatte zu ihrem großen Tag viele Schulfreundinnen eingeladen. Sie und die weiblichen Verwandten mussten landestypisch und kulturgemäß eingekleidet werden. Zwei große Zimmer standen dafür zur Verfügung, und Mutter, Tanten und weitere Verwandten halfen mit, dass die Damen zum Termin perfekt gestylt erschienen.

In der Zwischenzeit waren Balaruban aus Aachen (Chefkoch), Ulaganathan aus München (Chefkoch) und die Assistenten Srirangan, Mohanthas, Shanmugaretnam aus Kanada sowie die Hausherrin Heidi Dotzler damit beschäftigt, ein landestypisches Menü für die vielen Gäste zuzubereiten. Die 73-jährige Kamala Vathi Shanmugaraja aus Saarbrücken backte Plätzchen, von denen jeder Gast eine kleine Tüte voll mit nach Hause nehmen durfte.

Zeremonie zu Hause


Die eigentliche Zeremonie hatten die Mahendrans mit den engsten Verwandten bereits am Vortag zu Hause über die Bühne gebracht. Das Fest war ausschließlich zum Feiern gedacht, und natürlich bekam Prethi von jedem Gast auch ein Geschenk. Anschließend räumten die Verwandten, Freunde und Bekannten den Garten auf, spülten Geschirr und verstauten alles an Ort und Stelle. Nach wenigen Stunden erinnerte nichts mehr an das besondere Ereignis.
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