Konzert im Fürstensaal
Breites Spektrum neuer Klänge

Susanne Gutfleisch (Violoncello) und Susanne Holm (Akkordeon) trugen im Fürstensaal musikalische Beispiele zum Thema "Originale + Antworten: Komponisten reflektieren über Komponisten" vor. Bild: tie
Kultur
Wernberg-Köblitz
17.05.2016
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Ein Programm der besonderen Art erwartete die Besucher des letzten Konzerts des Kulturforums in der Saison 2015/16: Äußerst selten gespielte Werke erklangen dabei, in denen Komponisten ausgewählte Werke von Kollegen in ihre Tonsprache übertragen haben. Darunter war auch eine Uraufführung.

Im Fürstensaal der Burg wurden musikalische Beispiele zum Thema "Originale + Antworten: Komponisten reflektieren über Komponisten" vorgetragen. Etliche gespielte Werke waren nicht original als Duos für Violoncello und Akkordeon geschaffen. Jedoch schafften es Susanne Gutfleisch (Violoncello) und Susanne Holm (Akkordeon) mühelos und tadelsfrei, den jeweiligen Stücken eine überzeugende Tonsprache zu geben und diese den immer mehr interessierten Zuhörern zu vermitteln.

So hat Ignaz Moscheles "Melodisch -kontrapunktische Studien nach Präludien von Johann Sebastian Bach" für Cello und Klavier verfasst. Die vier ausgewählten in C-Dur, Es-Dur, G-Dur und h-moll vermittelten dem Cello herrliche Melodien und dem Akkordeon überzeugende Begleitakkorde. Die Klangfülle im gekonnten Zusammenspiel war Romantik pur, schmälerte aber Bachs Ideen nicht. Eine glänzende Idee, die vier nicht nacheinander, sondern über den Abend verteilt zu spielen. So kam man immer wieder zu Bachs Tonsprache zurück.

Ebenso klangvoll, aber in gänzlich andersgearteten Klangkombinationen waren die Stücke aus den "Thirteen Harmonies", die John Cage als Bearbeitungen von Chorstücken des amerikanischen Tondichters William Billings veröffentlicht hatte. Die Stücke zeichneten sich im Vortrag durch akkurate intensive Tongestaltung aus. Eine Uraufführung fand in diesem Konzert ebenfalls statt. Von Helmut Burkhardt erklangen die "Five Episodes of (Paul) Hindemith in the New World". Der Komponist schaffte es, selbst Cluster, also Verknüpfungen von nahe beieinander liegenden Tönen, zum Klingen zu bringen.

Durch spezielle Anweisungen hinsichtlich Balgtechnik entlockte er dem Akkordeon neue Klänge. Dass auch schwer zu bewältigende Partien dabei waren, wurde von der musikalischen Aussage gefordert, sollte nicht virtuose Spielerei befördern. Es war eher so, dass die langen Klänge infolge Balgtechnik auf dem Akkordeon erwiesen, wie vielseitig sich das Instrument geben kann. Und die Kombination mit dem Cello erwies sich immer hörenswerter. Vor allem, weil Burkhardts Reflexionen über die Komponisten Paul Hindemith, Steve Reich, Alfred Schnittke, Joseph Schwantner und Manuel de Falla eine breite musikalische Variationsbreite zur Folge hatten. Beim Abschluss des Programms blieb man in Spanien, es erklangen die "Canciones Espagnoles" von Manuel de Falla, also Volkslied-Bearbeitungen mit mitreißenden folkloristischen Elementen. Der Melodienreichtum spanischer Musik wurde mitreißend dargeboten. Insgesamt war dieser Konzertabend ein absoluter Gewinn: Man hörte zwei Musikerinnen zu, die meisterhaft ihr Instrument spielten und man lernte Klänge schätzen, die nur selten so intensiv in dieser Kombination erklingen.
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