Das Krippenkind lädt ein, sich Anderen auszusetzen
Gottes riskante Geburt

Pfarrer Georg Hartlehnert. Bild: hfz
Lokales
Wernberg-Köblitz
24.12.2014
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Manchmal überlege ich mir, was wohl geworden wäre, hätte Josef eine brennende Kerze umgeschmissen und den ganzen Stall abgebrannt samt dem Jesuskind darin. Oder hätten sich die Sterndeuter wegen eines wolkenverhangenen Himmels verlaufen und die Häscher des Herodes wären nur ein wenig schlauer und schneller gewesen und hätten das Kind um die Ecke gebracht. Hätte dann die ganze göttliche Rettungsaktion abgeblasen werden müssen?

Keine Jüngerberufungen, keine Gleichniserzählungen, keine Wundergeschichten - hätte so der christliche Glaube seinen Lauf nehmen können? Ein wenig naiv scheint er ja schon zu sein, der da oben (oder wo auch immer er sich versteckt hat), wenn er beschließt, ausgerechnet in einem Kind zur Welt zu kommen.

Aber seien wir ehrlich: Gescheitert ist er auch so! Verschärften Verhörmethoden unterzogen, vom Machthaber - um nur kein Risiko einzugehen - aus dem Verkehr gezogen, einem Fehlurteil zum Opfer gefallen, in höchster Not alleine gelassen. Der in diesen Tagen veröffentlichte CIA-Bericht lässt grüßen. Es gibt nichts Neues unter der Sonne.

Und doch ist Gott ausgerechnet in einem Kind zur Welt gekommen. Wenn ich mir diesen Gedanken auf der Zunge zergehen lasse, dann nötigt mir Gott eine gehörige Portion Respekt ab. Es ist fast schon eine Art Russisch-Roulett-Spiel, das Gott hier betreibt. Er setzt sich den Unwägbarkeiten dieser Welt aus, begibt sich in die Hände anderer, macht sich angreifbar und verletzlich. Es ist überhaupt nicht ausgemacht, dass dieses Leben des Krippenkindes gelingen wird.

Den Platz finden

Aber das ist es ja bei unserem eigenen Leben auch nicht. Schon mancher Tag hat abends anders geendet als er morgens erträumt wurde. Und doch träumt Gott von einer Welt, in der wir Menschen uns so begegnen, als träten wir einem Gott gegenüber.

Warum scheuen wir so gerne vor diesem Risiko zurück, wenn wir anderen Menschen begegnen, die für uns fremd, anders, unbekannt, anstrengend sind? Das Krippenkind lädt uns ein, dass wir uns Anderen aussetzen und zumuten, weil nur so etwas aus dem Menschsein entstehen kann.

Ausgerechnet in einem Kind ist Gott zur Welt gekommen. Ja, vielleicht reicht dieser eine Gedanke tatsächlich aus, um etwas von Gott zu verstehen. Denn ein Kind braucht Liebe, Zuwendung, Aufmerksamkeit, das Gefühl, dass immer jemand zur Stelle ist. So kann es ver-ortet werden auf dieser Welt.

Auch wir erwachsen gewordenen Gotteskinder brauchen das, dass wir ver-ortet werden auf dieser Welt, dass wir hier unseren Platz finden. Dass wir da sein dürfen - eben weil wir da sind. Nicht immer sind wir von dieser Selbstgewissheit "durchtränkt". Dann ist es gut, wenn es uns zugesagt wird.

Manchmal überlege ich mir, ob das nicht völlig ausreicht für unseren Glauben: Einmal geboren, darf ich da sein ohne jede Gegenleistung. Was auch immer geschieht - Gott weiß um mich.
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