Iraker reisen auf Ladefläche ein

Weil die Iraker meist nur notdürftig bekleidet waren, kümmerten sich die Damen der Kleiderkammer Wernberg-Köblitz um zusätzliche Textilien, auch um Schuhe. Verteilt wurden die Sachen gestern in der TSV-Turnhalle. Bilder: Dobler
Lokales
Wernberg-Köblitz
09.09.2015
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Zum zweiten Mal in diesem Jahr wurden in Wernberg-Köblitz Flüchtlinge aufgegriffen. Ihr Schleuser musste gestern vor den Haftrichter, die 51 Köpfe zählende Gruppe nach Regensburg zur Erstaufnahmestelle.

Es war eine Zivilstreife der Nabburger Polizei, die Dienstagnacht gegen 21.35 Uhr die Flüchtlinge bemerkte. Die überwiegend jungen Männer irrten im Bereich des Bahnhofs von Wernberg-Köblitz herum. Wegen ihnen entwickelte sich eine spontan geplante, aber effektive Aktion, in die neben den Ordnungshütern auch das Rote Kreuz des Ortes, die Feuerwehr und die Rathausverwaltung eingebunden war. Am nächsten Vormittag eilten noch die Damen der Kleiderkammer zu Hilfe - denn manche aus der Gruppe waren nur notdürftig bekleidet oder ohne Schuhe unterwegs.

Wie Franz Völkl als regionaler Sprecher der Bundespolizei erläuterte, bestand die Flüchtlingsgruppe aus 46 meist jungen Männern, zwei Frauen und drei Kindern. "Das sind alles Iraker", präzisierte er. Nach Wernberg-Köblitz kamen die Menschen auf der Ladefläche eines 7,5-Tonners. Gegenüber den Ermittlern der Bundespolizei haben sie ausgesagt, dass sie den Lastwagen schon in Serbien bestiegen hätten. Sie waren nach eigenen Angaben 18 Stunden unterwegs. "Sie wurden dann in Wernberg-Köblitz ausgeladen und haben sich dort ein wenig verteilt und es dauerte ein bisschen, bis wir alle aufgegriffen hatten", informierte Völkl. "Es waren auch noch andere Iraker mit Autos da - vermutlich Angehörige, die sie abholen wollten."

Lastwagen sichergestellt

Der Lastwagen wurde von der Polizei auf einem Parkplatz zwischen Wernberg-Köblitz und dem sieben Kilometer entfernten Woppenhof entdeckt und sichergestellt. Der festgenommene Schleuser wurde gestern dem Haftrichter in Weiden vorgeführt. Die Nationalität des Fahrers wollte der Weidener Staatsanwalt nicht nennen.

Zunächst wurden die 51 Menschen im Feuerwehrhaus untergebracht. Bürgermeister Georg Butz eilte an den Ort des Geschehens und es entschied sich, die Gruppe in die alte TSV-Turnhalle an der Bahnhofstraße zu bringen. Hier kam das örtliche Rote Kreuz ins Spiel, für die Johannes Brenner berichtete, dass über die "SEG Betreuung" Feldbetten aus Schwandorf gebracht wurden. Fünf Rotkreuzler blieben die ganze Nacht in der Turnhalle bei den Flüchtlingen und versorgten sie mit Getränken, die die Feuerwehr spendierte, und mit etwas zu essen, das vom benachbarten "Autobahncafe 24" beigesteuert wurde.

Asylverfahren läuft an

Die Iraker wurden in einem Nebenzimmer der Turnhalle von der Bundespolizei registriert und erkennungsdienstlich behandelt und gestern dann zur Erstaufnahmestelle in Regensburg gebracht. Dort läuft das offizielle Asylverfahren an.
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