Klassische Musik mit viel Spaß

Die Musikerinnen des Streichquartetts "Amabile" begeisterten die Zuhörer im Fürstensaal mit ihren Impressionen aus Italien. Bild: tie
Lokales
Wernberg-Köblitz
28.10.2014
16
0

Launige "Italienische Impressionen" gibt es zu hören, wenn das Streichquartett "Amabile" auftritt. Auch im Fürstensaal der Burg begeisterten die vier Musikerinnen ihr Publikum mit Können und einer gehörigen Portion Witz.

Wie schnell es geht, eine gelöste Atmosphäre zu schaffen, bewies das Streichquartett "Amabile" im gut besuchten Fürstensaal der Burg Wernberg. Es dauerte wenige Takte und man war in der richtigen Stimmung, die "Italienischen Impressionen" zu genießen. Das lag wohl auch daran, dass es nicht allzu viele Quartette gibt, in denen ausschließlich Frauen den Ton angeben. Nicht dass nunmehr eine total neue Spielweise zum Ausdruck käme, aber - wie der Name schon sagt - streben die Damen einen besonders lieblichen Klang an, den sie durch emotional geprägtes Zusammenspiel erreichen wollen.

Und dieses Vorhaben gelang ihnen gut: Milada Schwarz (1. Violine), Sophie Döbig (2. Violine), Kirsten Reuter-Bosch (Viola) und Heike Wundling (Violoncello) spielten jedenfalls so harmonisch zusammen, dass man ihnen den Quartett-Namen problemlos glaubte. Bis auf einen Komponisten waren alle, von denen Werke gespielt wurden, in Italien zu Hause, und der eine Salzburger hat das gespielte Werk von ihm in Mailand komponiert. Dem Anfangssatz des 10. Streichquartetts g-moll von Gaetano Donizetti folgte der Beginn der 1. Streichersonate G-Dur von Gioacchino Rossini und die Eröffnung des Quartettino e-moll von Luigi Boccherini. Engagiert und gleichzeitig auf schöne Klangwirkung achtend wurden die Sätze dargestellt, den Anweisungen der Komponisten folgend sehr schnell, moderat oder brillant und jeweils tadellos. Aus den "Vier Jahreszeiten" von Antonio Vivaldi erklangen der Beginn des "Frühlings" und des "Winters". Eine gelungene Bearbeitung für Streichquartett des ersten Satzes aus dem Konzert für zwei Trompeten vom gleichen Tondichter beendete den ersten Teil des Konzerts.

Gute Stimmung

Unbedingt zu erwähnen sind bei Vivaldi die spaßigen Zwischenbemerkungen zu Venedig, womit alle vier Musikerinnen ihre Zuhörer zum Lachen brachten und die durch ihre Interpretation gute Stimmung noch weiter vertieften. Dass die übliche Ernsthaftigkeit in einem Konzert mit klassischer Musik diesmal nicht gewahrt wurde, störte überhaupt nicht - im Gegenteil, man hatte das Gefühl eines besonders intensiven Erlebens. Offenbar eine Nische im Kunstbetrieb, welche die Vier hervorragend besetzt hielten.

Nach der Pause zunächst der einzige Ausreißer: Wolfgang Amadeus Mozart war kein Italiener, schrieb aber während seines Aufenthalts in Mailand etliche Streichquartette. So das in G-Dur KV 156, dessen drei Sätze nun gemäß der jeweiligen Stimmung in frischer Manier erklangen. Einen Kontrast dazu bildete die sehr verhaltene Melodie der "Crisantemi" von Giacomo Puccini, die vom Streichquartett in meisterhafter Empfindung wiedergegeben wurde. Um die Stimmung wieder aufzuhellen, erklang danach die Suite "Antiche dance" von Ottorino Respighi. Ihre lieblichen Tonfolgen milderten die von Puccini hervorgerufene Melancholie. Alle Musikerinnen trugen dazu bei, den Melodienreichtum des Werks von Respighi den Zuhörern überzeugend nahe zu bringen.

Nicht ohne Zugabe

Frisch und forsch wurde dann das Schlussstück vorgetragen, der 4. Satz aus dem Streichquartett g-moll op 33/5 von Luigi Boccherini. Eine längere Solokadenz hatte sich die erste Geigerin vorgenommen - für die Mitspielerinnen Gelegenheit, einen kurzen Blick in die italienische Tageszeitung zu werfen. Diese unerwartete Einlage befeuerte den Beifall des Publikums natürlich noch zusätzlich. Deshalb gab es als Zugabe das berühmte Menuett aus op 13/5 von Boccherini in einer liebenswerten Darbietung. Die Nische, die dieses Quartett so erfolgreich besetzt hält, erweist, dass klassische Musik auch mit spaßigen Einlagen ihre Wirkung nicht verfehlt
Weitere Beiträge zu den Themen: Oktober 2014 (9311)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.