Nicht wie "in einen Stall sperren"

Im früheren Gasthof "Zum Bären" sollen voraussichtlich ab April bis zu 54 Flüchtlinge untergebracht werden. Die Marktgemeinde möchte der Regierung der Oberpfalz geeignetere Alternativstandorte unterbreiten. Bild: Völkl
Lokales
Wernberg-Köblitz
22.10.2014
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Jeder weiß um die Not der Flüchtlinge. Wernberg-Köblitz wird die Menschen auch aufnehmen. Eine Unterkunft für 54 Personen im verkehrsreichen Zentrum ohne einen Quadratmeter Garten hält die Marktratsmehrheit allerdings für menschenunwürdig. Es gäbe bessere Alternativen.

Asylbewerberunterkünfte für über 50 Personen fallen in den Zuständigkeitsbereich der Regierung der Oberpfalz, bei kleineren dezentralen Lösungen ist das Landratsamt federführend. Die Behörde in Regensburg möchte mit dem Eigentümer des leerstehenden Gasthauses "Schwarzer Bär" einen Mietvertrag schließen und hier bis zu 54 Flüchtlinge unterbringen.

Signal setzen

Die Kommune hat darauf keinen Einfluss. Dem Marktrat lag in seiner Sitzung lediglich die Bauvoranfrage des Eigentümers auf Nutzungsänderung vor. Wenn alle Auflagen eingehalten werden, gibt es keinen Grund zur Ablehnung. "Wir können unser Einverständnis geben oder es verweigern", betonte Bürgermeister Georg Butz, wobei letzteres nicht viel nützen werde. Wenn alle Auflagen erfüllt sind, könnte das Landratsamt das fehlende Einvernehmen ersetzen. Die Markträte wollten trotzdem ein Signal setzen: Mit zwei Gegenstimmen (Vitus Bauer, Andreas Kreis) wurde die Voranfrage 17:2 abgelehnt.

Quer durch die Fraktionen ließen die Markträte keinen Zweifel daran, dass sie bereit sind, den 54 weiteren Flüchtlingen zu helfen. Das von der Regierung der Oberpfalz vorgesehene Objekt stieß jedoch auf erhebliche Ablehnung. Es gebe konkrete, bessere Alternativen im Ort, die geprüft werden sollten. "Die Menschen aus Kriegsgebieten sind arm dran, da muss geholfen werden", schickte Markträtin Maria Schlögl voraus. Doch 54 Personen, darunter viele Kinder, in einem Haus unterzubringen, das keinen Quadratmeter Garten habe, das sei, "wie 54 Menschen in einen Stall sperren". Die Kinder würden auf die viel befahrene Straße laufen. "Wir haben doch auch eine Fürsorgepflicht".

Die Menschen seien ja gezwungen, sich überwiegend am Marktplatz aufzuhalten, das nähre schnell Vorurteile, so Zweiter Bürgermeister Alexander Werner. Seine Fraktionskollegin Christa Mösbauer sah in der geplanten Form der Unterbringung die Menschenwürde nicht gewahrt. "Statt eine vernünftige Lösung zu suchen, muss es schnell, schnell gehen", kritisierte Christian Liebl die Vorgehensweise in der Asylfrage. Liebl vermisst, "dass die Bürger ins Boot genommen werden".

Elisabeth Weidner ließ Zahlen sprechen. Sieben Quadratmeter hätte jeder Asylbewerber für sich. In Behindertenwohnheimen seien es 12, in Seniorenheimen 23 Quadratmeter. Den Gemeinschaftsraum empfindet sie als viel zu klein. Es gehe um traumatisierte Menschen aus einem fremden Kulturkreis, oft ohne Sprachkenntnisse. Da brauche man einen Raum, um sich zu treffen. Es gebe keinen Garten, keinen Hof, keinen Balkon. Die Kinder würden an einer Straßenkreuzung "mit unheimlich viel Verkehr" spielen.

Bedenken bei Brandschutz

Wie Josef Wiesent hatte Weidner enorme Bedenken hinsichtlich des Brandschutzes, auch wenn für die Prüfung übergeordnete Behörden zuständig seien. Sie appellierte daran, nochmals mit der Regierung der Oberpfalz Kontakt aufzunehmen. Eine Unterbringungsvariante aus kleineren Wohneinheiten dürfte für einen eingesetzten Sozialbetreuer auch kein Problem darstellen. Anton Kummert richtete den Blick auf das Wohnhaus im Weiherner Weg, das vom Landratsamt ab 1. Dezember mit 17 Flüchtlingen belegt wird. Hier gebe es zumindest einen Spielplatz.

"Wir können jetzt viele Szenarien heraufbeschwören", meinte Vitus Bauer. Auch ihm sei klar, dass das keine optimale Lösung sei. Doch all das sei besser, als die Unterbringung in Zelten. Die Situation im Land spitze sich immer weiter zu. Es sei wichtig, dass die Menschen "ein Dach über dem Kopf haben".

Markträtin Maria Schlögl brachte als denkbare Alternativen die alte Schule oder das Jugendheim ins Spiel. Bürgermeister Georg Butz hat konkrete Vorgespräche mit Hauseigentümern geführt. Bei zwei Objekten mit einem entsprechenden großzügigen Umgriff wären die Besitzer wohl zur Vermietung oder zum Verkauf bereit.

Er habe der Regierung der Oberpfalz auch ein Projekt vorgeschlagen, doch man hatte schon den "Bärenwirt" favorisiert. Butz ließ keinen Zweifel daran, dass es in Wernberg-Köblitz für die 54 Asylbewerber eine andere Unterbringungsmöglichkeit gebe. Wenn nicht in einem, dann in unterschiedlichen Gebäuden. Die Unterbringung an der Hauptverkehrsachse und ohne Umgriff sei jedenfalls ungeeignet.

Dem Bürgermeister bereitet die Informationspolitik Sorge. Die Schule wisse eher als die Marktgemeinde, wie viele Kinder kommen. Hier und im Kindergarten, überall tauchen Fragen auf. "Wir werden nicht zuwarten" betonte Butz. Anfang Dezember werden Verwaltung, Schule, Kindergärten und Hilfsorganisationen die Möglichkeiten abklopfen, wie sich die Marktgemeinde vorbereiten kann. Butz berichtete von einem Telefongespräch mit dem zuständigen Beamten bei der Regierung der Oberpfalz. "Hier wird der fehlende Umgriff ebenfalls kritisch gesehen", so Butz. Doch zugleich werde auf den immensen Druck verwiesen. Der Bürgermeister wird nun erneut Kontakt aufnehmen und die Alternativen vorschlagen.
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