Seehofer rammt Conrad

Ein packendes Lastwagen-Rennen liefern sich Ministerpräsident Horst Seehofer (rechts) und Werner Conrad vor 150 Gästen beim Festakt in der neuen Logistikhalle. Bild: Gerhard Götz
Lokales
Wernberg-Köblitz
14.11.2014
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Die Halle ist so groß, dass der Reichstag locker reinpassen würde. Conrad Electronic hat 56 Millionen Euro in das neue Logistikzentrum in Wernberg-Köblitz investiert. Am Donnerstag startete Ministerpräsident Horst Seehofer offiziell den Betrieb. Er rammte beim Festakt mehrfach Werner Conrad, den Vorsitzenden des Verwaltungsrates.

Es ist einer dieser Termine, wie sie Horst Seehofer liebt: Erst gibt er den Startschuss für das neue Logistikzentrum bei Conrad Electronic, dann darf er das Kind im Manne rauslassen. Der Ministerpräsident liefert sich ein Wettrennen mit ferngesteuerten Lastern mit Werner Conrad, Mehrfach rammt Seehofer den Verwaltungsratsvorsitzenden. "Kleine Einführung in die Politik", meint der CSU-Vorsitzende schmunzelnd zu Conrad.

Das Rennen für einen guten Zweck (10 000-Euro-Spende für die Amberger Jura-Werkstätten) geht unentschieden aus, der Politiker und der Unternehmer gehen fast zeitgleich durchs Ziel. Eine Punktlandung wie der Druck aufs rote Knöpfchen für das Shuttle-Lager. Seehofer, Klaus und Werner Conrad starten gemeinsam das Fließband, der Ministerpräsident bestückt das erste Päckchen mit Waren aus dem Conrad-Sortiment, das mittlerweile mehr als 600 000 Artikel umfasst.

Lob für das "Flagschiff"

Seehofer war schon beim Spatenstich für das riesige Lager vor zweieinhalb Jahren dabei. Er singt auch am Donnerstag das hohe Lied auf den Oberpfälzer Elektronikversender. Ein "Flaggschiff unter den bayerischen Unternehmen" sitze hier in Wernberg-Köblitz, mit einer "atemberaubenden Erfolgsgeschichte". Der Bezirk habe ohnehin allen Grund für ein ausgeprägtes Selbstbewusstsein bei einer Arbeitslosenquote von nur drei Prozent. Seehofer: "Das geschieht ja nicht per Knopfdruck aus der Staatskanzlei, sondern mit mutigen und risikobereiten Unternehmern wie Conrad."

Der CSU-Politiker bedankte sich für die Standorttreue: "Sie sind in der Welt Zuhause und in der Oberpfalz daheim." Werner Conrad machte deutlich, dass dies allerdings keine Selbstverständlichkeit sei. Es habe durchaus Überlegungen gegeben, das Logistikzentrum woanders zu bauen. In Polen zum Beispiel schlage die Arbeitsstunde in der Logistik mit drei Euro zu Buche, während in Deutschland das Drei- bis Vierfache fällig werde. "Wir fühlen uns der Region verpflichtet, wir sind leidenschaftliche Oberpfälzer", gestand der Unternehmer. Immerhin wurden in Wernberg-Köblitz seit 1993 rund 150 Millionen Euro investiert.

Mahnungen an die Politik

Conrad richtete aber auch mahnende Worte an die Politik. Die Familienunternehmen fühlten sich in Deutschland nicht ausreichend gewürdigt. Verlässliche Rahmenbedingungen seien notwendig, ständige Gesetzesänderungen würden dies torpedieren. Als Beispiel nannte er die Themen Mindestlohn, Tarifeinheit und Mietpreisbremse. "Die Politik darf nicht der Flaschenhals der gesellschaftlichen Entwicklungen sein, ist sie aber", klagte er.
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