Wirte in misslicher Lage

Freundlich sein und aufmerksam und mit ungewöhnlichen Arbeitszeiten umgehen können - die Anforderungen an das Service- und Küchenpersonal sind in der Gastronomie und Hotelerie hoch. Derzeit klagen die Wirte im Landkreis, dass sie kaum Nachwuchs finden. Archivbild: Götz
Lokales
Wernberg-Köblitz
20.10.2015
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Wenn die Wirte und Hoteliers des Landkreises daran denken, wie schwer sie Lehrlinge finden, vergeht ihnen der Appetit. Den konnte auch Ulrich J. Korb nicht wieder anregen - obwohl der Geschäftsführer der Wirtevereinigung sonst für jede Situation einen Spruch auf Lager hat.

Das Problem kennen alle - seien sie Sterneköche oder "normale" Gaststättenbesitzer. Jeder von ihnen braucht Servicekräfte, Köche, Küchenpersonal. Das gleiche gilt für die Übernachtungsbetriebe im Landkreis. Aber woher nehmen und nicht stehlen?

Es ist ja nicht nur so, dass sich die Gastronomen schwer tun, Nachwuchs zu finden. Bei den fertig ausgebildeten jungen Leuten setzt mit der Beendigung der Lehrzeit auch ein "brutaler Abfluss" ein. So bezeichnete es Bezirksgeschäftsführer Ulrich J. Korb bei der Kreisversammlung des Hotel- und Gaststättenverbandes, der im Landgasthof Burkhard stattfand. "Die wollen alle raus aus der Gastronomie", hat Korb festgestellt.

Nicht nur er wunderte sich, dass es in dieser misslichen Lage zu keinen solidarischen Anstrengungen der Wirte kommt. Um der "sehr dramatischen Entwicklung" etwas entgegen zu setzen, hat sich der Bezirksvorstand zwar ein gemeinsames Ausbildungsprojekt aller über 150 organisierten Ausbildungsbetriebe ausgedacht. "Aber nur 21 signalisierten Interesse daran", zeigte sich Korb ernüchtert. Der Geschäftsführer warnte in diesem Zusammenhang vor Illusionen in Bezug auf Flüchtlinge. Nicht nur aus sprachlichen Gründen werde es wohl "Jahre dauern, bis die in die Küche und den Service gehen können". Überdies würden sich ja auch andere Branchen um diese Arbeitskräfte bemühen.

Problem Arbeitszeit

Ein wichtiger Punkt spricht für viele junge Leute gegen die Arbeit in der Gastronomie - das sind die Arbeitszeiten. Und nicht wenige würden Planungssicherheit vermissen, weil Dienstpläne zu spät erstellt würden. Man müsste sich neue Arbeitszeitmodelle vorstellen, empfahl Korb, der auch für flexiblere Arbeitszeiten plädierte. Ob das alles etwas helfen wird? Kreisvorsitzender Josef Auerbach (Hotel Wolfringmühle) zum Beispiel sah das Problem wo anders: "Das ist die fehlende gesellschaftliche Anerkennung dieser Berufe." In ein ähnliches Horn stieß Hubert Obendorfer vom Landhotel Birkenhof. Er forderte, "wir müssen unsere Branche besser verkaufen."

Dabei, so war zu hören, gibt es sogar eine gegenläufige Bewegung. "Junge Leute, die unbedingt Koch werden wollen - Fernsehkoch, Starkoch, Sternekoch." Das sind in der Regel Abiturienten. Aber die passen, so sieht es Korb, "leider nicht in das bestehende Ausbildungssystem".
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