Wirtshaus als Theaterbühne

Hermann Zenger und Stephanie Most warteten auf den Zug und stolperten über die Tücken des Dialekts. Das "Wirtshaustheater" des Theatervereins war ein Publikumsmagnet. Bilder: tie (2)
Lokales
Wernberg-Köblitz
23.11.2014
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Das "Wirtshaustheater 2014" des Theatervereins kam gut an: Beim "Zehentbartl" gab es keinen freien Platz mehr. Zum Abendessen präsentierten die Darsteller ein passendes Menü.

An der seitlichen Eingangstür des Gasthauses "Zehentbartl" klebte ein Blatt, auf dem "ausverkauft" stand. Wenn man dann durch den Haupteingang in den großen Saal hineinging, war nur noch ein Presseplatz unbesetzt - und die Stimmung der vielen Besucher steigerte sich sicht- und hörbar immer mehr in freudige Erwartung.

Der Vorsitzende des Theatervereins Wernberg-Köblitz, Helmut Rubenbauer, begrüßte die vielen Gäste. Nachdem die Bühne im Jugendheim geschlossen wurde, musste ein neuer Spielort gefunden werden. Warum nicht im Wirtshaus Theater spielen, schließlich war das in früheren Zeiten schon üblich? Deshalb hat der Theaterverein zusammen mit dem Kulturforum beschlossen, im "Zehentbartl" ein "Wirtshaustheater" zu starten, in dem kurze unterschiedliche Stücke einen kurzweiligen Abend zusätzlich zur gastfreundlichen Bewirtung garantieren.

Und dann ging plötzlich das Licht aus, schließlich heißt die erste Szene "Stromlos". Josef Götz und Stephanie Most stellten absolut glaubhaft dar, was man alles bei einer Reparatur falsch machen kann, wenn man einfach nicht draufkommt, dass der Stecker nicht in der Steckdose steckt. Hermann Meiller zeigte in "Zauberei" korrektes Geldscheinfalten. Ob sich Geld dabei vermehrt, blieb dennoch unklar. Es folgte die "Bank", auf der Hermann Zenger und Stephanie Most redegewaltig auf den Zug warteten. Er redete oberpfälzisch, sie verstand - nix. Als Lehre ergibt sich daraus: Sie, die Hochdeutsche, versteht kaum etwas, was er sagt, er, der Oberpfälzer, versteht alles, was sie von sich gibt. Wer muss also dazulernen?

Deftiger Humor

Überhaupt: Der deftige oberpfälzische Humor in bodenständigem Sprachgebrauch kennzeichnete alle Szenen. Der vierte Titel verunsicherte etwas: Alle Darsteller wirkten in "Jagdvergab/Hl. Notburga" mit, wobei die Unsicherheiten mit oftmaligem "woast scho" überspielt werden sollten, bis klar wurde, dass der Jagdpächter nicht im Spital, sondern im Wirtshaus ist. Dass dabei sogar eine Heilige angerufen wurde, gab dem Vorgang noch eine spezielle Prägung.

Nach der Pause wurde zunächst eine Ballade von Johann Wolfgang von Goethe szenisch dargestellt. Hermann Meiller, der von Josef, Anna und Florian Götz in seine Schranken gewiesen wurde, sie alle spielten den "Zauberlehrling" mit unglaublicher Intensität und Darstellungskraft. Das gilt auch für Helmut Rubenbauers "Lesung" in oberpfälzischem Deutsch. Den Ausbrüchen von Lachsalven nach war der Inhalt für die meisten Besucher klar verständlich. Dann die "Chorprobe", in der Hermann Meiller dem Bewerber Markus Kick richtige Mundstellung beim Singen von Vokalen klarmacht. Schließlich muss man "Kyrie" und "Kühe" unterschiedlich sängerisch darstellen.

Beim "Rendezvous" treffen sich Helmut Rubenbauer und Stephanie Most, indem sie beide eine rote Rose dabei haben, sonst aber feststellen, dass sie kaum gemeinsame Interessen aufweisen. Er ist bereit, das Essen zu zahlen, weil "wenn ma knickert is, des kommt net o bei de Weiba, sogt mei Mama", jedoch ist schließlich auch das ein Punkt, zu dem keine Einigung gefunden wird.

Neuauflage im Frühjahr

Der rauschende Schlussbeifall zeigte deutlich, wie ausgesprochen gut der Theaterabend beim Publikum angekommen war. Deswegen, meinten die Verantwortlichen, soll dieses Programm im nächsten Frühjahr ein erneutes Mal stattfinden.
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