Bürgerentscheid Mehrzweckhalle
Baureife im nächsten Frühjahr

Was der Wahlausschuss am Sonntagabend im Rathaus festzustellen hatte, war reine Formsache. Der Bürgerentscheid war klar für das Projekt mit dem Arbeitstitel "große Mehrfachhalle" ausgegangen. Bilder: Baehnisch (2)
Politik
Wernberg-Köblitz
31.07.2016
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In den fünf Wahllokalen begann gleich um 18 Uhr das Auszählen. Rund 27,4 Prozent der Wahlberechtigten hatten hier ihre Stimme abgegeben, weitere 8,5 Prozent kamen als Briefwähler dazu.

Die Wernberg-Köblitzer wollen nicht kleckern, sondern klotzen. Beim Bürgerentscheid gaben sie am Sonntag ihrem Bürgermeister und Marktrat den klaren Auftrag, die Errichtung einer großen Mehrfachhalle weiterzuverfolgen. Im Frühjahr 2017 könnte der Baubeginn sein.

Nach der Schließung der Wahllokale ergab sich rasch ein Trend. Eindeutig positionierten sich die Wähler mehrheitlich für die große Halle und stärkten damit den Kommunalpolitikern den Rücken. 1298 Wähler machten ihr Kreuzchen bei "ja", nur 361 bei "nein".

Zum Bürgerentscheid war es nach einem Antrag in der Bürgerversammlung gekommen. Dort hatte sich eine große Mehrheit dafür ausgesprochen, den Beschluss für die auf mindestens 5,5 Millionen Euro veranschlagte Halle auf den Prüfstand zu stellen. Angeregt wurde eine einfachere Halle, die nur 2,0 bis 2,5 Millionen kosten würde. Der Marktrat nahm den geäußerten Bürgerwillen an und leitete einstimmig ein Ratsbegehren ein.

5,5 Millionen reichen nicht


"Es war schwierig, abzuschätzen wie es ausgeht", meinte Bürgermeister Georg Butz am Sonntagabend, nachdem er im Rathaus an der Nürnberger Straße das vorläufige Resultat verkündet hatte. Froh ist er nun darüber, dass der Bürgerentscheid eine klare Ansage darstellt. Der Marktrat kann auf dem eingeschlagenen Weg weitermachen, es geht keine Zeit verloren. Voraussichtlich in der September-Sitzung werde man sich wieder mit dem Thema befassen.

Schon im Frühjahr hatte der Marktrat angekündigt, sich heuer mit einem Nachtragshaushalt befassen zu wollen. Doch das muss nach Meinung des Bürgermeisters gar nicht unbedingt sein. Denn: "Zum Geldausgeben werden wir heuer kaum noch kommen." Es gehe zunächst darum, die Planungen zu verfeinern und zu vervollständigen, dann die Ausschreibungen auf den Weg zu bringen. Ein Baubeginn im Frühjahr 2017 wäre seines Erachtens realistisch.

Der Standort für die Halle steht ja fest. Sie kommt an die Bahnhofstraße bei der Schule, auf ein jetziges Waldgrundstück. Darüber braucht nicht mehr diskutiert zu werden. Wohl aber über die Ausstattung. In den bisher kalkulierten 5,5 Millionen Euro Baukosten sind eigentlich nur die Hülle, der Boden und Prallwände enthalten. Jetzt müsse man sich noch entscheiden, wieweit die Sporthalle auch Veranstaltungszwecken dienen und für welche Besucherzahlen sie ausgelegt werden soll. Butz geht davon aus, dass man sie auf über 200 Personen ausrichten möchte und damit auch erhöhte Brandschutzanforderungen erfüllen muss.

War der Bürgerentscheid im Nachhinein gesehen überhaupt notwendig? "Ja", zeigt sich der Bürgermeister überzeugt und fügt an: "Damit ist den Kritikern an unserer Beschlusslage der Wind aus den Segeln genommen."

Angemerkt von Claudia VölklNach A auch B sagen
Die Bürger haben entschieden. Die große Mehrzweckhalle wird gebaut. Mit Blick auf Bau- und Gewerbegebiet, den neuen Status Mittelzentrum, Geburtenzuwachs und das sportliche Engagement in der Gemeinde beschlossen sie, nicht zu "popeln", sondern "was gscheits" zu bauen.

Franz Wilhelm hatte als besorgter Bürger bei seinem Ratsbegehren die hohen Kosten und die Verschuldung der Kommune im Auge, als er vorschlug, kleinere Brötchen zu backen. Die Finanzierung ist kein Pappenstiel. Das war und ist den Markträten durchaus bewusst, die sich bereits per einstimmigen Beschluss auf die große Lösung festgelegt und sie im Finanzplan verankert hatten. Trotzdem ließen sie den Bürgerentscheid zu, übertrugen den Wernberg-Köblitzern die Entscheidung.

Dass sich dann ein Aktionsbündnis gründete, um für die große Halle zu werben: Völlig in Ordnung. Etwas unglücklich allerdings, dass sich hier neben Sportfunktionären SPD, Landlisten und FBU - inklusive Zweiten und Dritten Bürgermeister - zusammen getan hatten. Die CSU hätte wohl am gleichen Strang gezogen, wenn sie es denn gewusst hätte. Da entstand fast der Eindruck, CSU und Freie Wähler würden nicht hinter der großen Lösung stehen. Bei Info-Treff und Info-Abend machten sie ihre - haargenau gleiche - Position deutlich. Waren die Auftritte auch erste Positionierungen für die Bürgermeisterwahl? Ein Schelm, wer so was denkt.

Die Halle kommt und muss ohne einen Euro Zuschuss gebaut werden. Anders die Situation beim Jugendheim. Falls der Kauf für einen symbolischen Euro gelingt und die hohen Fördermittel aus dem EU-Topf fließen, sollte der Leerstand beseitigt und solide saniert werden. Ein Kultur- und Bürgerhaus ist sinnvoller, als die Kosten für die Mehrzweckhalle in der Ausstattung hochzutreiben, weil manche Bürger neben der sportlichen und gemeindlichen Nutzung von tollen Kultur-Events in der neuen Halle träumen. Dafür ist die Konkurrenz in Weiden zu nah.

claudia.voelkl@derneuetag.de
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