Markträtin und CSU-Ortsvorsitzende Elisabeth Weidner zieht einen Schlussstrich
Rückzug von beiden Ämtern

Trat als Markträtin und CSU-Ortsvorsitzende zurück: Elisabeth Weidner. Bild: Völkl
Politik
Wernberg-Köblitz
09.01.2016
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13 Jahre Markträtin, 10 Jahre CSU-Ortsvorsitzende: Elisabeth Weidner zieht einen dicken Schussstrich und tritt von beiden Ämtern zurück. Auslöser sind eine mögliche Grenzüberbauung und "Aktionen, die ins Persönliche gehen."

Der Antrag auf Ausscheiden aus dem Marktrat ist gestellt. Elisabeth Weidner sieht keine weitere Basis für eine "zukunftsorientierte gemeinsame Arbeit". Der Rücktritt wird am 19. Januar behandelt. Bereits niedergelegt hat Weidner Ende letzten Jahres den Vorsitz des 100 Mitglieder starken CSU-Ortsverbandes Wernberg-Köblitz.

Nicht zu überbrücken


Den Mitgliedern teilte Weidner ihren Schritt in einem Schreiben - datiert vom 28. Dezember - mit. Als Grund nennt sie "unüberbrückbare gegensätzliche Ansichten und Aktionen, die ins Persönliche hineinreichen".

Stein des Anstoßes sind NT-Informationen zufolge Grenzsteine: Als im Juni die Lehrer-Lang-Straße vermessen wurde - Elisabeth Weidner ist Anliegerin - mussten die Grenzpunkte festgeschrieben werden. Georg Schlögl, Dritter Bürgermeister und zugleich Feldgeschworener, befand, dass eine Überbauung stattgefunden haben könnte.

Grundstücksangelegenheiten werden nichtöffentlich behandelt. Hier spitzten sich die Diskussionen aber zu. Elisabeth Weidner hält sich mit Blick auf die "Nichtöffentliche" auf NT-Nachfrage bedeckt. Nur soviel: "Die Diskussionen gingen ins Persönliche und mündeten in privaten Rechtsstreitigkeiten". Das schlug Wellen. Dem Vernehmen nach auch in der eigenen Partei.

"Es besteht die Möglichkeit einer Überbauung", so Weidner. "Doch das ist bis dato noch nicht geklärt". Dazu wären ein Grenzwiederherstellungsverfahren und eine erneute Vermessung erforderlich. Es geht übrigens um einen 3,5 bis sieben Zentimeter breiten Streifen, insgesamt etwa ein Quadratmeter Grünfläche. Hätten die Weidners den Streifen nicht einfach kaufen können? Es gebe wohl hunderte von Fällen in der Marktgemeinde und etliche pragmatische Lösungen, meint Weidner. "Die 100 Euro hätten wir gerne bezahlt, nicht aber die für eine Neuvermessung geforderten Vermessungskosten, die den Grundstückspreis um das 14-fache übersteigen". Elisabeth Weidner möchte die persönlichen Angriffe nicht auf sich sitzen lassen und die Angelegenheit geklärt haben. Da sie damit Gefahr läuft, ihr Marktratsmandat zu beschädigen, zieht die Fraktionsvorsitzende einen Schlussstrich unter die Marktratsarbeit.

"Habe es gerne gemacht"


Und warum zugleich der Rückzug aus dem Vorstand des Ortsverbandes? Im Schreiben Weidners an die Mitglieder heißt es, dass sie "den kommenden Ereignissen nicht im Wege stehen möchte". Sie halte es "aufgrund der gegebenen Umstände für sinnvoller, wenn jemand anderes, der zukünftig näher am Geschehen sein wird, als ich, die Führung im CSU-Ortsverband übernimmt. Bis zu den nächsten Wahlen hat dann die neue Führungsspitze ausreichend Zeit, ihren Kurs zu finden".

Welche Rolle spielt die Bürgermeisterwahl 2017 in den Querelen? Elisabeth Weidner hatte aus ihrem Interesse an einer Kandidatur keinen Hehl gemacht. Nun hört man auch andere Namen. "Ich werde nicht antreten", betont Weidner. Das habe sie dem Vorstand bereits Anfang November mitgeteilt. Es sei nicht abzusehen, wie sich die Grundstücksangelegenheit entwickle. Sie wollte "keine mit einer Privatgeschichte belastete Kandidatur in den Ring werfen". Nach 13 Jahren Marktratspolitik schwingt durchaus Wehmut mit: "Ich hab's wirklich gerne gemacht", betont die 50-Jährige. Doch es sei "nicht die erste Aktion, die ins Private geht", spielt sie auf die Ortskernsanierung und ihre persönliche Betroffenheit bei der Gestaltung an.

Auf Kreisebene weiter aktiv


Auf Kreisebene engagiert sich Elisabeth Weidner weiter als zweite Kreisvorsitzende und zweite Vorsitzende der Kommunalpolitischen Vereinigung der CSU. In der Marktgemeinde bleibt sie zweite Vorsitzende der Frauen-Union.

Ortsverband und Marktratsfraktion stellen die WeichenDer Vorstand des CSU-Ortsverbandes und die Marktratsfraktion der CSU "bedauern zutiefst diesen Schritt", heißt es in einem Statement des stellvertretenden Ortsvorsitzenden Dieter Rosenberg. Die von Elisabeth Weidner angeführten Beweggründe für ihren Rücktritt seien nachvollziehbar, "haben aber mit der Zusammenarbeit in der Fraktion und dem CSU-Vorstand nichts zu tun. Wir danken Elisabeth Weidner für ihre jahrelange Arbeit als Markträtin und Vorsitzende, und sind uns sicher, dass sie auch weiterhin mit ihrer Erfahrung unterstützend für uns da sein wird".

In einer Vorstandssitzung am 4. Januar 2016 wurden die erforderlichen personellen Veränderungen diskutiert und beschlossen. Der Vorstand legte dabei fest, dass der Ortsverband bis zur Jahreshauptversammlung 2016 durch den bisherigen zweiten Ortsvorsitzenden Dieter Rosenberg kommissarisch geführt wird. Als Stellvertreter wird weiterhin Josef Wiesent fungieren. Während der Jahreshauptversammlung am 8. April werden die Mitglieder einen neuen Vorsitzenden oder eine neue Vorsitzende wählen. Er oder sie wird dann bis zur turnusmäßigen Vorstandswahl 2017 im Amt sein. Die Aufgaben des Fraktionssprechers der CSU-Fraktion übernimmt Konrad Kiener, sein Stellvertreter wird Josef Wiesent. Als Nachrückerin wird dem Bürgermeister und dem Marktratsgremium Maria Schöner vorgeschlagen.

Mit der Bürgermeisterwahl 2017 habe Elisabeth Weidners Rücktritt nichts zu tun, betont Rosenberg auf NT-Nachfrage. Als sie in der Vorstandssitzung Anfang November gesehen habe, dass ein anderer Kandidat bevorzugt würde, habe sie es nicht auf eine Abstimmung ankommen lassen, sondern verzichtet. Es gebe derzeit "zwei, drei Vorschläge" für die beschließende Mitgliederversammlung. Im Gespräch sind demnach Konrad Kiener (42) und Dieter Rosenberg (60).

CSU-Ortsverband und CSU-Fraktion "sind personell bestens aufgestellt. Wir werden auch zukünftig intensiv und zukunftsorientiert für unsere Marktgemeinde arbeiten", heißt es im Statement. (cv)
Die Diskussionen gingen ins Persönliche und mündeten in privaten Rechtsstreitigkeiten.Elisabeth Weidner
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