62 Jahre Schulgeschichte enden

Gespannt warteten die Kinder und Lehrer im Pausenhof auf die Einweihung ihrer neuen Schule.
Vermischtes
Wernberg-Köblitz
20.07.2016
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Erzbischof Buchberger weihte die neuen Schulräume. Daneben Bürgermeister Dr. Hermann Stangier mit zwei Kreuzen.

Generationen von Wernbergern verbrachten in dem Gebäude im Ortszentrum ihre Schulzeit. Es hat ausgedient und wird abgerissen. Bevor die Schule ganz vom Erdboden verschwindet, soll an ihre glanzvolle Einweihung vor 62 Jahren erinnert werden.

Am 1. August 1954 war Erzbischof Michael Buchberger aus Regensburg angereist, um die neue Volksschule Wernberg auf der ehemaligen Burkhardwiese einzuweihen. Der Oberhirte wurde um 8.45 Uhr im Pfarrhof abgeholt und mit Fahnenabordnungen der Ortsvereine und Musik der Gauschützenkapelle Fritz Strehl zur 1950 erweiterten St.-Anna-Kirche eskortiert. Dort zelebrierte der hohe Gast eine Pontifikalmesse.

Mit dem Erzbischof


Schier endlos war nachher die Prozession zur neuen Schule. Im Mittelpunkt standen die 120 Schulkinder der Jahrgangsstufen eins bis acht, die von ihren Lehrkräften Michael Lang, Anna Großmann und Ludwig Spindler begleitet wurden. Unter den Ehrengästen befanden sich Architekt Edwin Gräf, Künstler Alois Wegerer, Baumeister Johann Kick, Geistliche, Abgeordnete, Landrat Jakob Plößl, Bürgermeister und Markträte.

Nach dem "Festgesang" von Gluck und einem Prolog aus Kindermund übergab der Architekt den Schlüssel an Bürgermeister Dr. Hermann Stangier. Er wiederum reichte ihn an Schulleiter Michael Lang weiter. Umrahmt von Liedern der Schulkinder und des Kirchenchores folgten diverse Grußworte. Der feierliche Akt der Einweihung wurde untermalt von Choralmusik der Gauschützenkapelle. Erzbischof Buchberger betrat dabei - Weihwasser sprengend - die neuen Räume. Nach ihm durfte auch die Bevölkerung die vier Klassenzimmer, die beiden Gruppenräume, den Werkbereich, die Schulküche und das Lehrmittelzimmer bestaunen. Damit nicht genug: Von 12 bis 13 Uhr lud die Festkapelle zu einem Standkonzert auf dem Marktplatz ein. Dort befand sich das alte Schulhaus, das zeitgemäßen Anforderungen nicht mehr entsprochen hatte. Den neuen Komplex ergänzte ein Lehrerwohnhaus.

Erweiterungspläne


Weil sich die Schülerzahl kontinuierlich erhöhte (1961:161; 1967:183), plante der Marktrat Wernberg bereits 1968 eine Erweiterung. Abhilfe versprach man sich von einer Aufstockung des eingeschossigen Gebäudes. Wiederum nach Plänen von Architekt Gräf sollten oben zwei Klassenzimmer, ein Handarbeits- und Physikraum sowie weitere Toiletten geschaffen werden. Das Vorhaben war auf 500 000 D-Mark veranschlagt, wovon die Kommune lediglich ein Zehntel aufzubringen hatte. Obwohl das Landratsamt Nabburg Unterstützung bekundete, legte die Regierung der Oberpfalz ein Veto ein. Erst nach der Landschulreform könne sie gegebenenfalls eine Genehmigung erteilen. Bis dahin stelle sie die gewünschte Vergrößerung zurück.

1969 verordnete der bayerische Landtag das Ende jahrgangsgemischter Klassen und erhöhte die Schulpflicht um ein Jahr. Die siebte bis neunte Jahrgangsstufe erhielt die benachbarte Volksschule Oberköblitz, während Wernberg zur Grund- und Teilhauptschule I mit den Klassen eins bis sechs zurückgestuft wurde. Ludwig Hanner, Ludwig Spindler, Anna Großmann, Maria Schinner und Olga Hanner unterrichteten 203 Schulkinder in fünf Klassen. Weil die erwähnte Aufstockung nun Makulatur geworden war, nützte man leere Räume in der 1961 angebauten Landwirtschaftlichen Berufsschule. Sie war vom Landkreis schon 1965 aufgelöst und wie die Außenstellen in Pfreimd, Guteneck und Stulln in Nabburg untergebracht worden.

Ende und Neubeginn


2005 schloss die Volksschule Wernberg ihre Pforte und ging in der zentralen Volksschule Wernberg-Köblitz auf. Letzter Rektor war Franz Spichtinger. Er folgte auf Michael Lang (bis 1966), Ludwig Hanner (bis 1978) und Josef Eimer (bis 1986).

Das 1954 feierlich eingeweihte - mittlerweile aber nur wenig genutzte und desolate - Schulgebäude und die ehemalige Landwirtschaftliche Berufsschule werden derzeit abgerissen. An ihre Stelle tritt der dritte Kindergarten der Marktgemeinde, diesmal unter kommunaler Trägerschaft geführt. Ursprünglich waren auf dem zentralen, dennoch ruhigen Areal ein Seniorenzentrum mit "betreuten" Wohnungen und eine Sozialstation samt Tagespflege geplant. Vom Abbruch unberührt bleibt das frühere Lehrerwohnhaus, in dem Gemeindearchiv und Kleiderkammer untergebracht sind.
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