Andrea Wittke betreut die Kalvarienbergkapelle
"Gotteshaus, keine Putzstelle"

Andrea Wittke kümmert sich um die Gebetsstätte mit dem Heiligen Grab. Sehr zur Freude von Pfarrer Markus Ertl, der froh ist, in der Pfarreiengemeinschaft auf engagierte Ehrenamtliche setzen zu können. Bild: Steinbacher
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Wernberg-Köblitz
26.03.2016
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Unterm Jahr jeden Sonntag und nun über die Ostertage noch von Samstag bis Montag geöffnet: Die Kalvarienkapelle im Wernberger Friedhof.

Andrea Wittke ist gerne in der Kalvarienberg-Kapelle, macht sauber, pflegt und schmückt sie, damit die Türen jeden Sonntag geöffnet werden können. Die Nähe zu diesem religiösen Ort gibt ihr viel. "Ich gehe durch die Tür und komme zur Ruhe".

Das Heilige Grab, es ist an Ostern in zahlreichen Kirchen aufgebaut. Doch in der Kapelle im Wernberger Friedhof ist das Thema räumlich fest verankert, begleiten Heiliges Grab und Ölberg die Gläubigen durch das ganze Jahr. "Das ist in der Oberpfalz eine Rarität", bestätigt auch Kreisheimatpfleger Leo Berberich. Jeden Sonntag steigt Sigi Franzke die von Kreuzwegstationen gesäumten Stufen hinauf zur Kapelle und schließt sie für die Gläubigen auf. Das Kirchlein braucht Pflege. Andrea Wittke hat vor zwei Jahren diese Aufgabe übernommen. Nicht, dass die 54-jährige Mutter von zwei erwachsenen Kindern mit ihrer beruflichen Bürotätigkeit, der ehrenamtlichen Arbeit in der Bücherei, Frauenbund und Schützenverein nicht genug ausgelastet wäre.

Ganz ökumenisch


Doch die Kapellen-Betreuung, das ist etwas anderes. Der Frauenbund hält schon seit vielen Jahren seine Hand über die Gebetsstätte im Wernberger Friedhof, unterstützt finanziell die Renovierungen. Andrea Wittke ging seit 1995 schon ihren beiden Vorgängerinnen Maria Harant und Anni Götz zur Hand. Doch wenn man auf die 80 zugeht, steigt man nicht mehr auf Leitern, um Heiligenfiguren zu säubern. Als Anni Götz ihre Aufgabe vor zwei Jahren in jüngere Hände legen wollte, sagte Andrea Wittke zu. "Ich hab mit meinen Mann gesprochen, der mir auch bisher half, wenn beispielsweise der Altar im Freien aufgebaut werden musste. Er unterstützt mich auch weiterhin", erzählt die 54-Jährige. Ihr Mann Manfred ist übrigens evangelisch und in seiner Kirchengemeinde als Lektor tätig. Pfarrer Markus Ertl freut sich "über so gelebte Ökumene". Er ist froh, dass "die Kapelle in guten Händen ist". In der Pfarreiengemeinschaft hat er sieben Kirchen zu betreuen. Er schätzt die eigenständige Arbeit seiner Ehrenamtlichen.

Andrea Wittke putzt, macht die Spinnweben weg, sorgt für frische Altartücher, säubert die Bilder und Figuren, wechselt die Kerzen aus. Stets ist für frischen Blumenschmuck gesorgt. Zu Mutter-Anna und an Ostern natürlich besonders festlich. Andrea Wittke favorisiert Osterglocken und Hortensien. Hermi Egl macht zusätzlich ein passendes Gesteck. Am Gründonnerstag wurden auch noch Fackeln zur Kapelle und zum Ölberg gesteckt. Die stimmungsvolle Lichterprozession hat Tradition, ebenso der Kreuzweg am Karfreitag. "Angehängt" fühlt sich die 54-Jährige mit ihrer Tätigkeit nicht. Es gibt befreundete Frauen, die auch mal einspringen. Dieses Netz muss man haben, so Andrea Wittke. "Ich kann ja auch mal ausfallen."

Aus Kerzenspenden


Wie sehr die Wernberg-Köblitzer ihre Kapelle schätzen, zeigen die Kerzenspenden und die vielen Lichter, die entzündet werden: Für 50 Cent das Stück. So kommt inklusive einiger Spenden genügend Geld zusammen, um den Blumenschmuck, Kerzen und den Unterhalt zu bestreiten.

Die Kalvarienbergkapelle hat noch eine Besonderheit: Das Bild vom Ölberg hat ein früherer Nachbar von Pfarrer Ertl, Lothar Wiesent, nach einem Foto gemalt, dass der Wernberger Geistliche auf dem Ölberg mit Blick auf Jerusalem gemacht hat. Der Maler ist inzwischen verstorben, sein Vermächtnis bleibt.

Gerade an den Ostertagen kommen die Menschen zur Kapelle, bleiben stehen, halten inne. "Es ist schön hier", das bekommt Andrea Wittke oft zu hören. Für sie Dank genug. Es freut sie, wenn Menschen hier Ruhe und Besinnung finden, sie mit ihrer Tätigkeit dazu beitragen kann. Sie liebt "diesen besonderen Ort". Für Andrea Wittke ist es "Gotteshaus und keine Putzstelle".

KalvarienbergkapelleDie schon vor 1700 auf dem "Monte Calvario" erbaute Kapelle wurde 1897 umgebaut und erweitert. Im Jahre 2000 erfuhr sie eine umfangreiche Außen-und Innenrenovierung, die auch die Ölberg-Darstellungen umfasste. Dabei erhielt auch das Glockentürmchen eine neuen Glocke.

Die Kalvarienbergkapelle ist jeden Sonntag ab 8 Uhr geöffnet, ebenso an allen Osterfeiertagen.
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