Dank der Familie Schöner sind sie putzmunter
Babybrei für Eichhörnchen

Die Eichhörnchen haben inzwischen in ihrer Voliere einen enormen Bewegungsdrang entwickelt. Doch Doris Schöner fressen sie noch aus der Hand. Allerdings nur einzeln. Hier knabbert Theodor an den Nüssen Bilder: Steinbacher (3)
Vermischtes
Wernberg-Köblitz
09.06.2016
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Emma, Paul, Klara, Mutter Doris Schöner, Pius und Vater Hubert Schöner (von links) vor der selbstgebauten Voliere: Die Familie möchte die Zeit mit dem Eichhörnchennachwuchs nicht missen.

Simon, Alvin, Theodor, Lena und Chico: Die Pflegekinder werden am Wochenende "ins Leben" entlassen. Wie Babys zog die Familie Schöner die Eichhörnchen groß, die ihnen eigentlich der Borkenkäfer bescherte.

Es war kurz vor Ostern: Hubert Schöner ging "ins Holz", da sich der Borkenkäfer in einigen Stämmen eingenistet hatte. In einem gefällten Baum entdeckte er fünf kleine, blinde Eichhörnchen: einige Zentimeter groß, 35 Gramm schwer. Der Maschinenbauingenieur legte das Quintett neben dem Baum ab, hoffte, dass die Mutter die Kleinen holt. Vergebens. Also packte er die Winzlinge in ein Körbchen. Zuhause im Weiherner Weg wärmte Doris Schöner den Nachwuchs erst mal mit einem Kirschkernkissen. Was tun? Im Internet stieß sie auf Adressen wie den Eichhörnchennotruf. Fencheltee, Honig und Salz waren demnach gefragt. Doris Schöner zog die Mischung in Zwei-Millimeter-Spritzen auf. Es klappte.

Doch ihr war schnell klar: "Mit Flüssigkeit alleine kriegen wird die Fünf nicht groß". Also nahm die Familie Kontakt zu André Hirn auf, der im Gewerbegebiet eine Futtermittelhandlung betreibt. Er wusste vom Eichhörnchenschutzbund und so kam der Name Kathrin Wiendl ins Spiel. "Sie päppelt im Jahr so 30 Notfälle auf", erzählt Doris Schöner, "und hätte uns die Fünf auch abgenommen. Aber wir wollten das selbst probieren". Ihre Kinder Paul (14), Emma (12), Pius (9) und Klara (6) waren von dem Plan hellauf begeistert.

Alle drei Stunden


Dann begann eine lange Babyphase. Alle drei Stunden - auch nachts musste Doris Schöner füttern. Eine Stunde dauerte es, bis alle satt waren. Dabei bewährte sich übrigens amerikanisches Milchpulver. Die Familie hatte eine ganz schöne Mammutaufgabe übernommen. "Doch was sollten wir tun? Entweder lässt man die Tiere sterben, oder man kümmert sich um sie", meint Hubert Schöner. Vier Wochen dauerte diese Phase. Jeden Tag wurden die Kleinen gewogen, das Futter genau berechnet.

Ein kleiner Fleck, ein Streifen: Relativ schnell gelang es, die Eichhörnchen zu unterscheiden. Bis das Auge entsprechend geschult war, wurde mit einem Edding-Stift etwas nachgeholfen. Das Zuhause war anfangs eine Fleece-Mütze im Korb von Katze Lisbeth. Als die Eichhörnchen mobiler wurden, ging es in einen Hasenstall. Dann baute Hubert Schöner eine kleine Voliere mit Ästen und frischen Zweigen. Von Tag zu Tag wurde der Bewegungsdrang der Tierchen größer. Hubert Schöner vergrößerte einen Schuppen und baute eine Voliere an. Drei mal sechs Meter, das konnte sich sehen lassen. Nach Babybrei mit Nüssen standen die Eichhörnchen inzwischen auch auf Sonnenblumenkerne, Blüten, Tannenzapfen, Blätter und Knospen.

Neue Heimat bei der Burg


Am Wochenende heißt es Abschied nehmen. Die Eichhörnchen werden im Wald bei der Burg ausgewildert. Die Kinder sind schon etwas traurig, wenn Theodor, Alvin, Lena, Simon und Chico das Haus verlassen. Sie waren sogar bei Pius' Kommunion im Schützenheim dabei. Enorm war auch der Besucherandrang in den letzten Wochen. Die Familie hat sich als Anlaufstelle gemeldet, wenn wieder Pflegeeltern gesucht werden. Erfahrung hat sie ja - und spezielle "Eichhörnchenkleidung" ebenfalls, denn das Quintett ging den Schöners ganz schön an die Wäsche.

Entweder lässt man die Tiere sterben, oder man kümmert sich um sie.Hubert Schöner
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