Einstiges Weltgipfeltreffen

Beim Kulturforum Wernberg-Köblitz ließ Franz Spichtinger die Geschichte wieder lebendig werden. Bild: hfz
Vermischtes
Wernberg-Köblitz
24.10.2016
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2014 jährte sich der Beginn des Konstanzer Konzils zum 600. Mal. Zu diesem dramatischen kirchenpolitischen Thema des ausgehenden Mittelalters bot das Kulturforum Wernberg-Köblitz packende Informationen.

Referent Franz Spichtinger stellte jene historische Zeit als Ära einer hohen geistigen, kulturellen und politischen Neuentwicklung vor, die Neues in noch unbekanntem Ausmaß einleitete. "Das Konzil war ein kirchenpolitisches Großereignis, welches Konstanz in den Jahren 1414 bis 1418 auch zum Zentrum der europäischen Politik und zur Begegnungsstätte der Kulturen Europas machte".

"Das Konstanzer Konzil war das Weltgipfeltreffen des ausgehenden Mittelalters", sagte Spichtinger. Die Kirche habe sich seinerzeit in der Führung teilweise weit von der Botschaft Jesu weg entwickelt und war sehr verweltlicht. Die enge Verquickung von Kirche und Staat war zudem kontraproduktiv.

"Da taucht im europäischen Raum dieser Prager Priester Jan Hus auf, Kirchenlehrer an der dortigen Karlsuniversität, Reformator. Den einen zum Hass, den anderen zur Verehrung. Entgegen der vorherrschenden Lehre seiner Zeit betonte Hus, dass das Abendmahl in Brot und Wein auch für Laien bestimmt sei", so Spichtinger. Jan Hus wollte den Gläubigen stärkere Teilhabe durch Kelchkommunion und das Recht zu predigen ermöglichen. Er stellte sich wortgewaltig gegen die Verlotterung von Teilen des Klerus.

Mit seinen Schriften und Predigten in böhmischer Sprache erschütterte er zudem das Selbstverständnis kirchlicher Ordnung und erhob zugleich politische Forderungen nach mehr Mitsprache für die böhmische Bevölkerung.

Trotz der Zusicherung freien Geleits zum und vom Konzil wurde Hus auf dem Konzil verhaftet und gegen ihn ein Inquisitionsverfahren eröffnet. Wiederholte Aufforderungen zum Widerruf seiner Lehre lehnte Hus ab, woraufhin er verbrannt wurde. Um eine spätere Reliquienverehrung zu verhindern, wurde seine Asche in den Rhein gestreut.

In der Folge Hussitenkriege


Aus dieser Hinrichtung resultierten dann kurze Zeit später die Hussitenkriege, die auch die Oberpfalz trafen. 1419 beginnen die furchtbaren Kämpfe. Kreuzugsheere ziehen nach Böhmen, die Hussiten fallen zudem in die Nachbarterritorien ein. Es kommt zu einem Bruderkrieg in Böhmen. Die Hussitenschlacht bei Hiltersried von 1433 ist heute noch im Gedächtnis. Der hiesige Landesherr, der Wittelsbacher Pfalzgraf Johann von Neunburg und Neumarkt schlug die Hussiten dann am 21. September 1433 bei Hiltersried.

Johannes Paul II. würdigte Hus als Reformator. "Das war ein Fortschritt," urteilte Spichtinger, "ein Schritt zur Versöhnung. Es sind jedoch noch entscheidende Schritte auf dem Weg zur Einheit durch die römische Kirchenführung zu tun".
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