Franz Spichtinger liest aus seinem Buch
Aus Leben gegriffen

Vermischtes
Wernberg-Köblitz
25.04.2016
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Als Kind aus der Heimat Plöss in Böhmen vertrieben, dann in Wernberg-Köblitz lebend, war Franz Spichtinger dort als Lehrer und Schulleiter tätig, widmete sich ebenso lange dem Schreiben und veröffentlichte im Alter von 40 Jahren sein erstes Buch. Seitdem sind es mehr geworden.

Auszüge aus dem Sammelband "Der böhmische Herr Ferdinand", in dem er etliche Geschichten aus dem Zeitraum zwischen der zu Ende gehenden österreichisch-ungarischen Monarchie und dem Beginn der ersten tschechischen Republik niedergeschrieben hatte, stellte er in seiner Lesung unter dem Titel "Mitten im Leben" nun im Fürstensaal von Burg Wernberg einem interessierten Publikum vor.

Die musikalische Umrahmung der tiefgründigen Geschichten übernahm Helmut Burkhardt, der passende hintergründige Klavierstücke vortrug. Er eröffnete den Abend mit "Salady" aus den "Impressions" op 41 von Zdenek Fibich, einer nachdenklich konzipierten Melodie. Dann las Spichtinger einen Text über den böhmischen Ort Nebahovy, eine dörfliche Idylle mit Holzhäusern und einfachen Menschen. Einfach im Sinne von unverfälscht, niemals verschlagen, auf friedliche dörfliche Koexistenz bedacht. Eine glaubhafte Idylle! "Celadenski", der zweite der "3 Mährischen Tänze" von Leos Janacek zeigte in Burkhardts Spielweise steten Vorwärtsdrang und ungebrochenen Optimismus.

In der nächsten Geschichte geht es lebhaft zu wie in der Musik, versprach Franz Spichtinger, und las eine Charakteristik zweier Damen, die in einem Zwiegespräch sich gegenseitig anvertrauen, wie sie die Quintessenz ihres Lebens beabsichtigen. Das Ganze in österreichischem Tonfall - es war voll zum Schmunzeln!

Ähnlich hintersinnig das folgende berühmte "Poeme" op 39/6 von Zdenek Fibich, das Helmut Burkhardt mit akkurater pianistischer Finesse folgen ließ. In der bischöflichen Residenz fand ein Gespräch zwischen Domvikar und Bischof statt, in dem beide einige Erkenntnisse über Personen erörterten, die eher unter der Rubrik "nicht für die Öffentlichkeit bestimmt" aufgelistet sind.

Nach der Pause nochmals Klaviermusik von Leos Janacek. "Pilky", der "3. Mährische Tanz" erwies sich als heroischer Marsch, der lautstark ausklang. Eine kurze Geschichte über Rekruten, die im 1.Weltkrieg kämpfen sollen, folgte. Sie zeigte, wie die Haltung einfacher Leute gegenüber den Schlachten des Krieges ausfiel: "Am kleinen Mann geht's immer aus" - wenn das nicht in anderen Bereichen auch heute noch aktuell ist! Von Antonin Dvorak erklang aus den "Stimmungsbildern" op 85 das dritte: "Auf der alten Burg", eine melancholische Melodie.

Eine persönlich Note zeigte die nächste Geschichte: Der Tod spricht über die Kämpfe in der Ukraine im 1. Weltkrieg, bei denen auch ein Verwandter des Verfassers ums Leben kam. Sehr beeindruckend diese Stellungnahme dessen, der sich eigentlich darüber freuen sollte, wie viele Menschen durch den Krieg zu ihm kommen müssen.

Das folgende Klavierstück, die Nr.6 der "Stimmungsbilder", führte "Klagende Gedanken" vor, die stimmungsmäßig zu der literarischen Aussage passten. Die Situation nach dem Friedensschluss von 1918 schilderte die letzte Lesung. Über die neue tschechische Republik unterhalten sich nicht Adelige, sondern einfache Leute. Auch in diesem Auszug vermochte es Spichtinger, aus einer sonst kaum beachteten Perspektive heraus ein beeindruckendes Bild dieser Umbruchszeit zu vermitteln.
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