Heiße Diskussion um geplanten Neubau
Gegen zu große „Schuldenhalle“

Überraschende Abstimmung in der Bürgerversammlung: Der Marktrat muss sich mit einem Ratsbegehren und der Fragestellung "Möchten sie anstelle der geplanten Dreifach-Mehrzweckhalle eine Einfach-Mehrzweckhalle realisiert haben?" beschäftigen. Bilder: Völkl (3)
Vermischtes
Wernberg-Köblitz
25.04.2016
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Franz Wilhelm plädierte aus Kostengründen für eine Einfach-Mehrzweckhalle.

Das gab es noch nie bei der Bürgerversammlung: Der Bau einer Dreifach-Mehrzweckhalle stößt beileibe nicht nur auf Befürworter. Franz Wilhelms Antrag, dass sich der Marktrat mit einem Ratsbegehren beschäftigen soll, ging mit großer Mehrheit durch.

Bei der Bürgerversammlung im Gasthof Burkhard skizzierte Bürgermeister Georg Butz den Ist-Stand zur geplanten neuen Mehrzweckhalle. Die TSV-Halle kann bekanntlich nur noch bis Jahresende genutzt werden, läuft doch der Pachtvertrag mit Pilkington aus. Über eine Verlängerung bis zum Abschluss des Hallenneubaus wird derzeit verhandelt, doch das Thema Brandschutz ist eine harte Nuss. Das Konzept der neuen Halle orientiert sich größenmäßig an Tischtennis und Judo, ebenso an Fußballturnieren. Ob die Halle konventionell oder in Systembauweise hochgezogen wird, entscheidet sich in der nächsten Marktratssitzung. Die Kosten liegen - ohne Ausstattung - zwischen 4 und 5,5 Millionen Euro.

"Mitentscheiden lassen"


Franz Wilhelm hatte schriftlich eine Anfrage eingereicht, in der er Sinn und Notwendigkeit der Halle bezweifelte. Fragen zum Unterhalt und zur Auslastung konnte ihm Bürgermeister Butz noch nicht beantworten: Die Halle sei ja noch nicht geplant oder gebaut. Franz Wilhelm präzisierte seinen Antrag dann nochmals vor Publikum. Für ihn zeigt sich das Bild, dass die Halle sportlich vor allem für Tischtennis und Judo erforderlich sei. An Veranstaltungen wären derzeit lediglich die Gewerbeschau und die Bürgerversammlung fest eingeplant. Kulturelle Angebote könnten später auch im Jugendheim, das für den europäischen Fördertopf EFRE angemeldet sei, geboten werden. Die für die Mehrfachhalle angepeilten Kosten würden für den Markt eine enorme Erhöhung der Pro-Kopf-Verschuldung und hohe Unterhaltskosten bedeuten. Dem stünden eine relativ niedrige Auslastung und die finanzielle Situation des Marktes gegenüber, der wohl dann andere Infrastrukturprojekte verschieben müsse. Hinzu komme die rückläufige Bevölkerungsentwicklung. Wilhelm plädierte für eine Einfachturnhalle für zwei Millionen Euro mit reduzierten Unterhaltskosten. "Alle Bürger sollten mitentscheiden können", begründete er seinen Antrag auf ein Ratsbegehren, "über das die Markträte unabhängig, frei und ohne Rücksichtnahme auf Fraktionszwänge und Listenverbindungen abstimmen sollten. "Wir brauchen eine vernünftige Lösung und keine überdimensionierte Schuldenhalle".

Dass die Bevölkerung rückläufig wäre, "ist einfach falsch" entgegnete Butz mit Blick auf die zugenommene Einwohnerzahl. Die Notwendigkeit einer neuen Halle ergebe sich aus dem Wegfall der TSV-Halle. Man dürfe das Ganze nicht auf Tischtennis und Judo reduzieren. "Der Markt hat keine Veranstaltungshalle mehr." Für den Hallenbau spreche die niedrige Zinssituation. Und für die von Wilhelm angeführte Nutzung des Jugendheims, das zudem noch der Kirche gehöre, gebe es lediglich eine "Förderinaussichtstellung" - und nicht mehr. "Wie es hier weitergeht, kann ich derzeit nicht sagen". Der Hallenneubau habe natürlich wie jede Entscheidung zwei Gesichter, man könne dafür oder dagegen sein. Andere Vereine hätten ihre Unterkünfte selbst geschultert, führte Butz ein Argument von Kritikern an. Dem TSV Detag wäre unter dem damaligen Flachglas-Direktor von Hohenstein eine eventuelle Lösung nahegebracht worden. Man habe sie aber ausgeschlagen.

30 dafür, 17 dagegen


Verwaltungsleiter Stefan Falter formulierte dann den Antrag Franz Wilhelms: "Sind sie dafür, dass sich der Marktgemeinderat mit einem Bürgerentscheid gemäß Artikel 18a Absatz 2 Gemeindeordnung (Ratsbegehren) mit der Fragestellung 'Möchten sie anstelle der geplanten Dreifach-Mehrzweckhalle eine Einfach-Mehrzweckhalle realisiert haben' beschäftigt?" Für den Antrag stimmten 30, dagegen 17 Anwesende. Die Empfehlung wird im Juni auf die Tagesordnung kommen.

Erwin Piehler interessierten die Mitgliederzahlen der Sparten, die die Halle nutzen. Und man sollte vorher klären, was dort stattfinden soll. "Auch wenn die Zinsen günstig sind, irgendwann muss man es bezahlen." Karl Eckerts Kritik richtete sich an den TSV: Andere Vereine hätten für ihre Unterkünfte gesorgt. Der TSV habe das Geld aber "in den fetten Jahren" lieber "tschechischen Spielern gegeben."
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