Kirche mit langer Geschichte

Die Kirche St. Leonhard im Wernberg-Köblitzer Ortsteil Deindorf feiert am 6. November Patrozinium. Leonhard gilt als der Patron der Gefangenen. Bild: Götz
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Wernberg-Köblitz
05.11.2016
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Das Patrozinium der Kirche St. Leonhard in Deindorf wird am 6. November gefeiert. Das Gotteshaus steht seit 300 Jahren. Nach den Diözesanmatrikeln ist der Bau ins Jahr 1715 zu setzen, nach den Schrift-Zeichen über dem Kircheneingang ins Jahr 1717.

Der heilige Leonhard lebte im 5./6. Jahrhundert und kümmerte sich um Gefangene, Kranke und Hilfsbedürftige. Auch lehnte er die Bischofswürde ab und gründete in Frankreich ein Kloster. Die Verehrung des Heiligen ist im Oberpfälzer Raum seit dem 11. Jahrhundert bekannt. Er gilt als einer der 14 Nothelfer.

Leonhard ist der Patron der Gefangenen. Gerade in Deindorf kannte man früher den Ausdruck "Eisenherr". Ein Spruch lautete: "Leonhard gibt sein Eisen niemand, es stehle ihm denn ein Dieb!" Diese Eisengaben riefen fast immer seine Hilfe herbei. Und auch in Deindorf kannte man den Brauch, Ketten gefallener Pferde um das Gotteshaus zu winden, weil man glaubte, dass die Gemeinde dadurch stärker an die Kirche gebunden würde und vor allem Unheil bewahrt würde.

"Zoll" an den Patron


Leonhard war auch der Patron über das Vieh. Fuhrleute gaben ihren "Pflasterzoll" an St. Leonhard in Deindorf. Viele Bauern hatten früher nicht vergessen, beim Viehverkauf auch dem St. Leonhard seinen "Obulus" zu geben. Bekannt war auch die Geschichte, dass einer Bäuerin, die den Festtag nicht genügend würdigte, die Hände im Brotteig stecken geblieben sein sollen. Noch 1926 war die Hilfe von St. Leonhard Zeitungsmeldungen des Dankes wert, als die Gegend um Deindorf, Woppenhof und Wittschau von einer weit grassierenden Viehseuche verschont wurde. Noch 1961 berichtet eine Zeitungsnotiz von fünf Priestern, die sich beim Kirchenfest um die Wallfahrer kümmerten. Dies zeigt die damals lebendige, hohe Verehrung.

Das Altarbild in der Kirche greift die verschiedenen Patronate auf. Der Heilige ist mit Ketten dargestellt, er zeigt auf das Vieh, Engel halten die Bischofsmütze. Die Gefangenen werden durch eine Person hinter vergittertem Fenster rechts unten angedeutet.

Der Ort Deindorf geht in die Zeit des 11. Jahrhunderts zurück. Aus dem Verkauf der Burg Wernberg 1280 wird Deindorf, damals als "Tewerndorf" als leuchtenbergischer Besitz erkennbar, das bereits fünf Lehen hatte. Deindorf lag an der Verkehrsstraße nach Böhmen. Kirchlich gehörte der Ort von alters her zur Pfarrei Michldorf und wurde Mitte des 16. Jahrhunderts der neuerrichteten Pfarrei Glaubendorf zugeordnet. Im Dreißigjährigen Krieg war Deindorf an der Hauptverbindungsstraße nach Böhmen schwer in Mitleidenschaft gezogen.

Anwartschaft verloren


Ab Anfang des 18. Jahrhunderts kam die Barockisierung in Deindorf an. Es war die Zeit am Ende des Spanischen Erbfolgekrieges, als Herzog Max Emmanuel nach mehreren Schlachten Bayern und seine Anwartschaft auf die Landgrafschaft Leuchtenberg verloren hatte. Die Landgrafschaft Leuchtenberg war an die österreichischen Herren von Lamberg gegangen, die damit in den Reichsfürstenstand aufstiegen. In der Zeit des Deindorfer Kirchbaus kam es dann aber zum Ausgleich zwischen dem Kaiser und Herzog Max Emanuel von Bayern. Auch das leuchtenbergische Gebiet - damit auch Deindorf - ging wieder und nun endgültig an die Wittelsbacher zurück.

Möglicherweise ist die Kartusche am oberen Altarausgang des rechten Seitenaltars ein Hinweis auf die Fürsten von Lamberg, die den Titel der Landgrafen von Leuchtenberg noch jahrelang weiterführten. Die alte Erzählung in Deindorf, dass die Kirche von Deindorf von damaligen Fuhrleuten als Dank für erlangte Hilfe erbaut wurde, kommt wohl eher für den Unterhalt derselben infrage. Hier bieten sich noch Ansatzpunkte für weitergehende Forschungen.

Heute läuft die Autobahn an Deindorf vorbei. So ist auch das Kirchlein fast in Vergessenheit geraten.

Der AutorHans Bäumler aus München, der diesen Text geschrieben hat, ist den Wernberg-Köblitzern kein Unbekannter: Er ist auch der Verfasser der Chronik des Marktes.
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