Maria von Liel in München verstorben
Ära in der Burggeschichte endet

Der Name der Familie von Schall-Riaucour ist eng mit der Burg Wernberg verbunden. Archivbild: Götz
Vermischtes
Wernberg-Köblitz
21.06.2016
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Im Alter von 93 Jahren verstorben: Maria von Liel.

Sie hielt zeitlebens die Verbindung mit Wernberg aufrecht. Viele ältere Mitbürger werden sich noch lebhaft an Maria von Liel erinnern, die am 1. Juni in München verstarb. Sie war das letzte der "Grafenkinder" der Familie von Schall-Riaucour, die lange Jahre (1919 bis 1992) auf Burg Wernberg lebte.

Ihre letzte Ruhestätte fand die Gräfin vor einigen Tagen im Münchner Waldfriedhof. Hans Bäumler, Verfasser der Markt-Chronik, blickt auf das Leben und Wirken der Familie von Schall-Riaucour zurück: Graf Andreas Schall kaufte die Burg Wernberg am 18. Mai 1918 für 175 000 Mark. 1920 heiratete er Gräfin Josefine von Lobkowitz. Mit der gräflichen Familie zogen eine Reihe von Burgangestellten ein. Dazu gehörten Erzieher für die vier Kinder, Butler, Privatlehrer Chauffeur, Köchin und Gärtner. Einer der aus Böhmen gekommenen war der Gärtner Egl. Seine Nachfahren betreiben heute noch in Wernberg eine Gärtnerei.

Der Graf wurde den Wernbergern als passionierter Jäger und langjähriges Marktratsmitglied bekannt. Schon Anfang der 1920er Jahre sorgte er mit dem damaligen Bürgermeister Sir dafür, dass in Wernberg ein eigenes Elektrizitätswerk, die Pfreimdtalwerke gegründet wurden, um die regionale Stromversorgung zu verbessern. Das Haus der Familie Bäumler in der Nürnberger Straße mit dem heutigen Lokal B14 wurde von der damaligen Gesellschaft gebaut. Im Hintergrund wirkte Graf Schall wesentlich mit an der Errichtung der ersten Wernberger Wasserversorgung und des Wernberger Friedhofes, der die Voraussetzung zur Verselbständigung der Pfarrei St. Anna wurde.

Nicht verfallen lassen


In die ziemlich heruntergekommene Burg musste er enorm investieren um mit viel Aufwand die Wohnlichkeit wiederherzustellen. Zusätzlich baute er am Ostflügel der Burg neu. Graf Schall und Baron von Brencken waren letztlich die beiden, die dafür sorgten, dass die Burg nicht zu einer Ruine verfiel. Ohne die beiden wäre die glanzvolle Renovierung zum heutigen Sterne-Hotel und zum Wahrzeichen von Wernberg-Köblitz nicht denkbar gewesen.

Am 21. Januar 1942 brannten der Westflügel und Teile des Südflügels der Burg ab. Strenger Frost machte die Löscharbeiten äußerst schwierig. Bei der Brandbekämpfung halfen viele einheimische und französische Kriegsgefangene, die im Kommunbrauhaus am Schlossberg wohnten.

Als nach dem Zweiten Weltkrieg viele Flüchtlinge evangelischen Glaubens in der Umgebung einquartiert wurden, stellte die Familie von 1945 bis1953 unentgeltlich die Burgkapelle zur Verfügung. Sie war somit eine der Wurzeln für die heutige evangelische Gemeinde in Wernberg-Köblitz. In der Burg waren ab 1952 Räumlichkeiten an Dr. Fritz Loew vermietet, der in der Burg eine Schroth-Kuranstalt einrichtete. Von 1963 bis 1980 wohnten körperlich und geistig behinderte Kinder und anschließend Asylbewerber in der Burg, bis sie dann 1993 an den Markt Wernberg-Köblitz verkauft wurde. Graf Andreas von Schall-Riaucour ist 1958 im Alter von 73 Jahren in Wernberg verstorben und wurde auf dem Wernberger Friedhof beigesetzt. Die Gräfin Schall stammte aus dem Geschlecht derer von Lobkowitz. Vier Kinder wurden dem Grafenehepaar zwischen 1921 und 1929 geboren, die jedoch nicht die öffentliche Volksschule besuchten. Auf Antrag des Vaters erhielten sie Privatunterricht.

Auf Glocken verewigt


Die Namen der Kinder waren Antonius, Maria, Adam und Franziska. Antonius und Adam waren die ältesten Söhne. Sie fielen in Russland. Ihre Namen sind auf der größten der 1948 für die St. Anna-Kirche beschafften Glocken sowie am Grabkreuz und Kriegerdenkmal verewigt. Gräfin Schall war langjährige Vorsitzende des Frauenbundes und sorgte dafür, dass ein neuer Kindergarten gebaut wurde und sich Niederbronner Schwestern mit einer ersten Krankenpflegestation niederließen. Während des Krieges wurden in diesem Kinderheim "ausgebombte" Hamburger Kinder untergebracht - die Schwestern fanden auf der Burg Zuflucht und Unterkunft.

Am 5. März 1972 verstarb die Gräfin in Regensburg. Sie wurde wie ihr Ehemann im Wernberger Familiengrab beerdigt, das mittlerweile aufgelassen wurde. Erhalten geblieben ist jedoch das schmiedeeiserne Kreuz. Mit dem Tod von Maria von Liel ist das letzte der Grafenkinder von Burg Wernberg gestorben. Eine knapp 100-jährige Ära ist zu Ende gegangen.
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