Nach Mord an Ehefrau in Wernberg
Staatsanwalt erhebt Mordanklage

Symbolbild (Foto: dpa)
Vermischtes
Wernberg-Köblitz
14.09.2016
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Die Anklage lautet auf Mord. Oberstaatsanwalt Dr. Thomas Strohmeier hat sie vor wenigen Tagen dem Amberger Schwurgericht zugeleitet und in dem Schriftsatz geschildert, wie eine 31 Jahre alte Frau aus Thailand in Wernberg-Köblitz gewaltsam zu Tode kam. "Niedere Beweggründe sind gegeben", ist der Chef-Ermittler überzeugt.

Amberg/Wernberg-Köblitz. Das Familiendrama nahm am 20. März dieses Jahres kurz nach 18 Uhr seinen Lauf (wir berichteten). Ein Ehepaar aus Wernberg-Köblitz hatte an diesem Sonntag zunächst Freunde besucht und war dann in sein Haus, in dem auch die Eltern des jetzt als mutmaßlicher Täter geltenden Mannes leben, zurückgekehrt. Nach Auffassung der Staatsanwaltschaft gab es dort Streit um ein Thema, das offenbar schon länger zwischen der aus Thailand stammenden Frau und ihrem 48 Jahre alten Ehemann heftig diskutiert wurde. Die 31-Jährige wollte allem Anschein nach zusammen mit den beiden aus der Verbindung stammenden Kindern in ihre asiatische Heimat zurückkehren. Doch das wollte der 48-Jährige vehement verhindern.

Messer als Tatwaffe


Die Auseinandersetzung, zum wiederholten Mal geführt, spielte sich nach dem Ermittlungsergebnis der Staatsanwaltschaft zunächst in den Wohnräumen ab. Dann, so steht es in der Anklage, sei die 31-Jährige hinauf ins Dachgeschoss gegangen, um dort eingelagerte Koffer zu holen. Sie wollte wohl noch an diesem Abend fort. Der Mann nahm daraufhin nach Überzeugung der Ermittlungsbehörde aus der Wohnung ein Küchenmesser an sich und folgte seiner Frau hinauf in die eher enge Dachkammer. Dort kam es offenbar erneut zu einer verbalen Auseinandersetzung. Dann stach der 48-Jährige mit der einem japanischen Keramikmesser ähnelnden Waffe mehrfach zu.

Als Rettungskräfte an dem Haus eintrafen, lag die Thailänderin im Sterben. Das, so meint die Ermittlungsbehörde, habe zumindest eines ihrer Kinder beobachtet. Der Notarzt leitete zwar noch Reanimationsmaßnahmen ein. Doch die 31-Jährige verblutete am Tatort. Sie hatte - auch das ermittelte die Staatsanwaltschaft - schon längere Zeit davor versucht, zumindest für eines ihrer beiden Kinder die thailändische Staatsbürgerschaft zu erhalten. Sie selbst und auch das zweite Kind besaßen die Staatszugehörigkeit zu dem asiatischen Land.

Wo ordnet die Anklagebehörde die für eine Mordanschuldigung notwendigen niederen Beweggründe ein? "Die Frau hatte auf der nur wenige Quadratmeter großen Fläche keine Möglichkeit zur Flucht", sagte Oberstaatsanwalt Strohmeier auf Anfrage der NT-Redaktion. Sie habe sich dort wie in einer Falle befunden, keine Chance zum Entkommen gehabt. Außerdem unterstellt die Staatsanwaltschaft dem mutmaßlichen Täter ein heimtückisches Vorgehen.

Noch kein Prozess-Termin


Im Verlauf der umfangreichen Nachforschungen gab es eine sogenannte Tatort-Rekonstruktion. Sie wurde von der Kripo veranlasst. Neben Behördenvertretern nahm auch der Anwalt des in U-Haft sitzenden Beschuldigten, Michael Schüll aus Amberg, daran teil.

Die Anklageschrift ist unterdessen beim Landgericht eingetroffen. Sie habe aber, so ließ die Schwurgerichtsvorsitzende Roswitha Stöber auf Nachfrage wissen, das sogenannte Hauptverfahren noch nicht eröffnet. Erst wenn dies geschehen sei, könne ein Verhandlungstermin festgesetzt werden.
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