Prozess vor dem Schwurgericht in Amberg - Anklage: Mord
Familiendrama unter dem Dach

Der Angeklagte (rechts) mochte keine Fragen beantworten. Aber er ließ über seinen Verteidiger Michael Schüll (Mitte) eine Erklärung verlesen, die sich über eine Stunde lang mit seiner Ehe und den Geschehnissen heuer im März befasste. Das Schwurgericht in Amberg hat nun zu klären: War es Mord oder Totschlag? Bild: Steinbacher
Vermischtes
Wernberg-Köblitz
01.12.2016
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Der Mann lässt über seinen Anwalt wissen, er habe weder verletzen noch töten wollen. Genau das aber hat er getan: Weil seine 31-jährige Ehefrau ihn offenbar samt zweier Kinder verlassen wollte, stach der Arbeiter aus Wernberg-Köblitz sechs Mal mit einem Küchenmesser zu. Wegen Mordes angeklagt, sitzt er nun vor dem Schwurgericht.

Amberg/Wernberg-Köblitz. Als der Prozess am Donnerstag begann, kam ein Drama zum Vorschein, das schlimmer wohl nicht hätte sein können: zwei ältere Leute, die nicht nur ihre Schwiegertochter verloren, sondern dazu nun auch den eigenen Sohn auf der Anklagebank sitzen sehen müssen. Zwei Kinder, die um ihre Mutter trauern und ein Angeklagter, dem Oberstaatsanwalt Dr. Thomas Strohmeier vorhält, zum Mörder geworden zu sein. Doch ist es tatsächlich ein Mordverbrechen gewesen, das sich am Abend des 20. März dieses Jahres in einem Siedlungshaus in Wernberg-Köblitz zutrug? "Es könnte auch als Totschlag eingeordnet werden", gab Roswitha Stöber, die Vorsitzende des Schwurgerichts, zu Prozessbeginn einen sogenannten rechtlichen Hinweis.

Wie immer es auch ausgehen mag an den nun noch bevorstehenden fünf Verhandlungstagen: Der Angeklagte hat durch eine Gewaltattacke seine Familie zerstört. Er selbst machte am ersten Tag des Verfahrens nur zu seinem Lebenslauf Angaben. Alles andere ließ der Mann in einem fast einstündigen Vortrag über seinen Verteidiger Michael Schüll (Amberg) schildern. Dabei wurde weit zurückgeblendet.

Forderungen aus Thailand


1999 reiste der Arbeiter aus Wernberg-Köblitz erstmals nach Thailand. Zusammen mit Freunden und ab dann regelmäßig. Dabei traf er in einem deutschen Lokal auf eine einheimische Bedienung, heiratete sie 2006. Die Frau zog zu ihm in die Oberpfalz. Erst eine glückliche Ehe, bald schon mit Forderungen versehen. Die Angehörigen der Asiatin wollten offenbar Geld haben. Für ihre Gummibaum-Plantage, später für eine neue Wasserpumpe und täglichen Bedarf. 51 000 Euro sollen nach Thailand überwiesen worden sein.

Der Arbeiter war offenbar strebsam. Er schaffte im Mehrschichtbetrieb Bares heim, gewährte die erwünschten Summen. Dann, so ließ sein Anwalt verlauten, seien Drohungen laut geworden. Die Thailänderin wollte offenbar heim. Zwei Kinder kamen zur Welt, geboren 2009 und 2015. Sohn und Tochter, benutzt nach Darstellung des Verteidigers als eine Art Druckmittel. Immer habe es Ankündigungen gegeben, mit beiden Nachkommen nach Asien zu gehen.

War das eine Art Ausnahmezustand, in dem sich der 48-Jährige am 20. März dieses Jahres befand? Wieder Streit an diesem Sonntagabend. abermals die geäußerte Absicht, jetzt endgültig einen Schlussstrich unter die Ehe zu ziehen. In einer Kammer im Dachraum, nur wenige Quadratmeter groß, vollzog sich Unfassbares. Koffer lagerten dort. Die Frau wollte sie offenbar für ihren Auszug holen. Ein Wort gab das andere. Dann verstrickte sich das Ehepaar in ein Handgemenge, fiel zu Boden. In diesen Augenblicken stach der Angeklagte mit einem Messer zu. Sechs Mal und so heftig, dass seine Frau noch am Tatort verblutete. Sein Vater (83) hatte das beobachtet, weil ihn Geräusche aus dem Dachgeschoss aufschreckten. Abwenden konnte der betagte Mann das Unheil nicht mehr.

Der Prozess wird am Montag fortgesetzt. (Seite 3)
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