Stricken für Kinder in Afrika

Die Kinder lieben Auguste Blotzki (Mitte), schreiben immer noch Briefe aus Maren Kehlers (links vorne) Waisenhaus. Auf ihrer Abschiedsreise begleitete MdB Marianne Schieder (Vierte von rechts) die Seniorin. Bild: hfz
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Wernberg-Köblitz
04.01.2016
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Wehmut und Hoffnung liegen eng beieinander: 21 Mal flog Auguste Blotzki nach Kenia, half Kindern. Nun machte die 82-Jährige ihre Abschiedstour. Die Strapazen sind zu groß. Doch die Hilfe geht auch im neuen Jahr weiter.

Die Seniorin ist auf eine Gehhilfe angewiesen, doch ihre Augen leuchten, wenn sie von ihren Erlebnissen in Afrika, von "ihren Kindern" erzählt. Sie blättert in Fotoalben. Auf dem Tisch stehen fein säuberlich aufgereiht Hüttenschuhe, daneben stapeln sich Socken: Auguste Blotzki strickt leidenschaftlich gerne. Das, was sie dafür bezahlt bekommt, ist für die Kinder in Kenia.

Wie das Leben so spielt: Auguste Blotzi litt an Rheuma, bestand nur noch aus Schmerzen. Der Hausarzt riet zu einem Klimawechsel. "20 Tage später war ich schon in der Luft", erzählt sie von ihrem ersten Flug nach Kenia. "Drei Tage später war ich schmerzfrei". Auguste Blotzki hatte schon viele Kuren hinter sich, ohne Erfolg. Nur die regelmäßigen Reisen halfen.

Ausbildung finanziert


In Kenia knüpfte die Wernberg-Köblitzerin Kontakt zu Diakon Lothar Wilczek, dem "Touristenpfarrer". Auguste Blotzki beschloss in Ukunda zu helfen, "um dem Land etwas zurückzugeben". Nahezu jedes Jahr flog sie nach Kenia, mal mit sieben Koffern Kleidung für ein Lepra-Dorf, mal mit medizinischem Material für eine Krankenstation. Vor Ort wurde Reis, Maismehl, Fett und Öl gekauft. Kontakt hält Auguste Blotzki auch noch zu etlichen Jugendlichen - beispielsweise zu dem 24-jährigen Kenneth - denen die Ausbildung finanziert wurde.

Wie kommt das Geld zusammen? Einige Male im Jahr ist "Gusti" Blotzkis Flohmarkt in der alten Schule geöffnet. Wer etwas kauft, steckt ihr auch mal einen Schein für ihre Hilfsprojekte zu. Daheim im Weiherner Weg wird verwertet, was der Garten hergibt: Aus Früchten entstehen Marmeladen, aus Kräutern Liköre. Die kontaktfreudige Seniorin steht dann beim Weihnachtsmarkt neben den selbst gestrickten Socken. Jedes Jahr kommen so doch etliche Euros zusammen.

Stets zur Seite stand ihr bisher Diakon Lothar Wilczek. Er war Blotzkis Gewährsmann vor Ort, der dafür sorgte, dass alles an die richtige Stelle und nicht in korrupte Hände gelangte. Doch der Diakon ist nun im Ruhestand und aus gesundheitlichen Gründen wieder in Deutschland. Auch Gusti Blotzki fällt das Gehen nach einer Operation schwer. Sie zog einen Schlussstrich: In Begleitung der Bundestagsabgeordneten Marianne Schieder ging sie im letzten März drei Wochen auf Abschiedstour - und schuf neue Perspektiven.

Sie sind mit dem Namen Maren Kehler verbunden. Die Frau aus Heppenheim hat ein Waisenhaus gebaut, ein Projekt mit Zukunft. Es gibt eine Schule mit guten Lehrern "und ich habe dem Waisenhaus die erste Kuh spendiert", lacht die Seniorin. Inzwischen gibt es einen kleinen Viehbestand, wird Landwirtschaft betrieben und Energie aus der Biogasanlage gewonnen. Das Waisenhaus ist nahezu autonom, das Konzept durchdacht. Die Wernbergerin beschloss, ihre Spenden künftig an Maren Kehler zu überweisen. Mit einem guten Gefühl flog Gusti Blotzki nach Deutschland zurück - und mit 20 Metern landestypisch bedruckten Stoffen, aus denen sie gleich wieder Taschen für den Weihnachtsmarkt nähte.

"Bin die Beschenkte"


"Diese Aufgabe macht Sinn und zufrieden", stellt die 82-Jährige beim Blättern in den Alben fest. "Nicht ich beschenke, sondern ich bin die Beschenkte", umschreibt Gusti Blotzki das Gefühl der Zufriedenheit darüber, "dass ich was machen und erreichen konnte".
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