Tag der Städtebauförderung
Franzosen geben Graben ihren Namen

Der zweite Teil von Leo Berberichs Ausstellung am Tag der Städtebauförderung (wir berichteten) befasste sich mit dem Franzosengraben, der heuer 100 Jahre alt wird. Die damals gegründete Entwässerungsgenossenschaft unter Vorsitz von Pfarrer Josef Coduro hatte wegen des kriegsbedingten Mangels an Arbeitskräften um die Entsendung von 30 Kriegsgefangenen aus dem Lager Grafenwöhr gebeten.

Sie sollten bei der Anlage des Entwässerungsgrabens, der von Oberköblitz nach Wernberg führt und bei der Naabbrücke an der B 14 in die Naab mündet, mithelfen. Nach einem längeren Schriftwechsel und Klärung der Kostenübernahme durch die Gemeinde kamen am 31. Januar 1916 30 Franzosen zum Arbeitsdienst nach Wernberg. Untergebracht wurden sie im großen Saal des Gasthauses "Zur Post" mitten auf dem heutigen Marktplatz. Auch die Wachmannschaft bezog dort Quartier. Mit Schaufel und Spitzharke bauten die 30 Kriegsgefangenen fünf Monate lang am Entwässerungsgraben.

Dokumenten aus dem Staatsarchiv ist zu entnehmen, dass es große Probleme mit der Ernährung und Bewachung der Kriegsgefangenen gab. Der Winter 1916/1917 ging als Steckrüben-Winter in die Geschichte ein und bezeichnet damit auch die schlechte Versorgungslage. Im Mai 1916 wurden die französischen Kriegsgefangenen zurück ins Lager beordert.

Ihre Namen sind nicht bekannt, aber sie wurden zum Namensgeber für den Franzosengraben. Die wirtschaftliche Leistung dieser Kriegsgefangenen war enorm: Die Gesamtkosten für das Projekt wurden mit 3500 Mark beziffert, das entsprach in etwa dem damaligen Jahreshaushalt der Kommune, wie Leo Berberich ausführte. Interessant auch die angesetzte Verpflegung der Kriegsgefangenen: 1200 Gramm Kartoffeln, 51 Gramm Fleisch und 51 Gramm Wurst oder Pressack.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.