Hans Günther Lauth stellt sein neues Buch vor
Flachwurzel-Oberpfälzers "Selbstlaut(h)e"

Mit seinen "Grenzlaut(h)en gelang Hans Günther Lauth 2014 ein erfolgreiches Debüt. Nun gibt es mit "Selbstlaut(h)e" Nachschub aus der Feder des rührigen Autoren. Bild: ske
Kultur
Wiesau
05.08.2016
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Hans Günther Lauth liebt den Oberpfälzer Dialekt, identifiziert sich - zumindest ein Stück weit - mit der Region, ihren Menschen, der Sprache. Vor kurzem erschien sein zweites Buch "Selbstlaut(h)e - Wie ich die Dinge sehe".

In Falkenstein im Landkreis Cham kam er zur Welt und besuchte die weiterführenden Schulen in Roding und Regensburg. Lauth studierte in München und war als Junglehrer in Fürth und in Aschaffenburg tätig. Seit 1981 lebt er in Wiesau (Kreis Tirschenreuth). Sich selbst bezeichnet er als "Flachwurzel-Oberpfälzer". Der pensionierte Lehrer schildert im Interview seine Sicht der Sprache.

Wie bereits in Ihrem Buch "Grenzlaut(h)e" betonen Sie auch in Ihrem neuen Buch "Selbstlaut(h)e", dass es keinen einheitlichen bayerischen Dialekt gebe. Wie definiert sich ein Dialekt?

Hans Günther Lauth: Dialekt ist die Sprache, die ich in meiner Heimat von Anfang an gelernt habe oder die ich mir im Laufe meines Lebens an anderen Orten angeeignet habe. Diese Mundart kann von Ort zu Ort verschieden sein, zum Beispiel unterscheidet sich der Dialekt in Weiden bestimmt zur Sprache in Orten wie Kirchenthumbach. Aber selbst in einer Stadt kann es unterschiedliche Ausprägungen geben, wie das Beispiel Waldsassen zeigt, wo es zwei Mundarten gibt.

Worin liegen die unterschiedlichen Ausprägungen?

Zum Beispiel in unterschiedlichen Begriffen. Für eine Papiertüte sagt man in Bayern mancherorts "Guggan", "Rogl" oder gar "Stranitzl". Man sollte nicht glauben, wie viele Dialektunterschiede es allein in unserem Freistaat gibt.

Immer wieder wird die Forderung laut, an Schulen den Dialekt als Kommunikationsmittel zuzulassen und zu pflegen. Macht dies Sinn, wenn in jedem Ort ein bisschen anders gesprochen wird?

Grundlegend muss gewährleistet sein, dass die Schüler den Lehrer auch verstehen. Das heißt aber nicht, dass dieser krampfhaft die hochdeutsche Sprache sprechen muss, was unter Umständen lächerlich wirken kann. Bei meinen Lehrproben als Studienreferendar wurde immer die "mundartlich gefärbte Sprache" kritisiert. Ich habe damit leben können, weil ich mir klar machte, dass es dann keine schwerwiegenderen Fehler in meinem Unterricht gegeben hatte. Nach über 30 Jahren im Schuldienst, in denen ich meine Sprache bewusst nicht verändert hatte, kann ich feststellen, dass mich meine Schüler immer gut verstanden haben, was auch in den Prüfungsresultaten ersichtlich war. Ich wende mich auch gegen die Tatsache, dass man heute oftmals jede Kleinigkeit zu reglementieren versucht. Etwas mehr Gelassenheit und Großzügigkeit wäre auch im Schulbereich sehr förderlich.

Sie betonen, Ihren ganz individuellen Dialekt zu pflegen. Wie muss man sich diesen vorstellen?

Jeder Ort und jeder Dialekt hat in meiner Sprache bestimmte Spuren hinterlassen, so dass es überflüssig ist, große sprachwissenschaftliche Studien durchzuführen. Außerdem bin ich der Auffassung, dass ich so schreibe und rede, wie mir "der Schnabel gewachsen ist". Davon gehe ich auch nicht ab.

Kann man Dialekt lernen?

Wenn man einen bestimmten Dialekt sprechen möchte und eventuell eine gute Sprachbegabung hat, jederzeit. Als Beispiel dient mir hier der Münchner Kult-Taxifahrer Isaak Cisse, der vor einigen Jahren aus dem Senegal kam und mittlerweile auf keiner Meisterfeier des FC Bayern fehlt, wo er in gepflegtestem Münchner Dialekt seine Meinung kundtut.

Sollen Menschen, die im Berufsleben stehen, ihren Dialekt ablegen?

Nein, nicht unbedingt. Nehmen Sie zum Beispiel den baden-württembergischen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann. Nach zwei gesprochenen Sätzen von ihm weiß man bereits, in welchem Bundesland er beheimatet ist. Ähnliche Beispiele lieferten auch Strauß, Kohl, Schmidt und selbst bei Adenauer war der rheinische Dialekt gut erkennbar. Warum soll man also seine Herkunft verleugnen? Ich glaube, auch im Berufsleben kann jeder wissen, wo ich meine Wurzeln habe.

In ihrem neuen Buch mischen Sie kleine Geschichten in Hochdeutsch mit Gedichten in "Ihrem" Dialekt. Hinzu kommen hochdeutsche Gedichte. Warum die Trennung, die unterschiedliche sprachliche Gestaltung?

Generell würde ich Kurzgeschichten immer in Hochdeutsch schreiben, weil es dann für den Leser einfacher ist, diese zu verstehen. Bei Gedichten habe ich keine Vorgaben. Hier entscheide ich spontan und ohne jeden Hintergedanken, wie ich mich ausdrücken möchte.

Eignen sich nicht alle Themen für eine Gestaltung in Dialekt?

Bei wissenschaftlichen Texten oder bei journalistischen Ausführungen würde ich die Schriftsprache bevorzugen, weil damit eine größere Leserschicht erreicht werden kann. Abschließend möchte ich noch feststellen, dass die Vielfalt von Dialekten und mundartliches Sprachverhalten auch die Vielfalt in unserer Gesellschaft widerspiegeln. Das ist eine positive Tatsache. Das gilt übrigens nicht nur für die bairische Mundart. Persönlich bin ich schon seit Jahre Fan von Wolfgang Niedecken und BAP. Ich muss zugegeben, dass ich viele seiner Texte erst verstehe, wenn ich das Booklet seiner CD lese, aber ich finde es wunderbar, dass er zu seiner Herkunft und Kölner Heimat steht. Schlimm ist es, wenn irgendwelche Bürokraten eine Vereinheitlichung in allen Lebensbereichen anstreben und nach der Krümmung der Gurken auch noch das Sprachverhalten reglementieren möchten.

Hans Günther Lauth: "Selbstlaut(h)e - Wie ich die Dinge sehe". 9,90 Euro, Bodner-Verlag Pressath.
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