Kinder/Jugendliche unternehmen nicht mehr so viel wie früher, jetzt bewegen sie sich kaum noch ...
Kinder sitzen in ihrem Alltag die meiste Zeit nur noch

Schulamtsdirektor Wolfgang Krauß, Professor Dr. Stefan Voll, Andrea Zink, Schulleiterin Andrea Schiml, Claudia Strobl-Dietrich und Fachoberlehrerin Elisabeth Kinle von der Mittelschule beim Vortrag in Wiesau. Bild: wro
Kultur
Wiesau
30.09.2015
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Vorträge sind meist eine trockene Angelegenheit. Und so mancher Workshop gehört eher zur lästigen Pflichtaufgabe. Professor Dr. Stefan Voll und Andrea Zink zeigen aber: "Es geht auch anders."

"Auswirkungen von Bewegung auf die Gesundheit, kognitive Leistungsfähigkeit und schulischen Leistungen", war der Nachmittag überschrieben. Dem Leiter des Universitätssportzentrums Bamberg und seiner Mitarbeiterin Andrea Zink gelang eine bemerkenswert kurzweilige Symbiose aus Vortrag, Workshop und angewandten Beispielen.

Die Lehrerkonferenz

Eine stattliche Anzahl von Lehrkräften aus dem gesamten Landkreis war der Einladung nach Wiesau gefolgt, der Vortragssaal glich einer übergroßen Lehrerkonferenz. Bewegung tut not! Das mussten die Zuhörer auch gleich während der kurzen Unterbrechungen erfahren. Andrea Zink hatte nämlich - statt der üblichen Zigarettenpausen - einige praktische Aufgaben mitgebracht.

"Wir leben in einer Zeit der Verhäuslichung. Unser Nachwuchs erklettert nicht mehr die Bäume, Jugendliche sind keine Straßenkinder mehr. Stattdessen suchen sie sich ihre Freunde via Internet." In seiner sympathisch lockeren, niemals schulmeisterlichen Art weckte Dr. Voll immer wieder aufs Neue den Wissensdurst seiner zahlreichen Zuhörer. Dabei verblüffte er mit erstaunlichen Zahlen: "Wussten Sie, dass der durchschnittliche Bewegungsradius eines Kindes heute nur noch 60 bis 80 Meter beträgt?" Der Rest werde wohl nur noch mobil zurückgelegt. Diese verblüffende Erkenntnis sorgte selbst bei den erfahrensten Pädagogen für erstaunte Gesichter.

"Mehr als neun Stunden Schulunterricht machen aus einer Schulung eine Stuhlung", scherzte der Dozent und warnte vor den Folgen für Muskulatur und Bandscheiben. Das Resümee des Uni-Professors; "Der Bewegungsmangel lässt sich im Sportunterricht kaum mehr ausgleichen."

Prof. Dr. Voll, der bis 1996 selbst als "normaler" Lehrer tätig war, überraschte mit weiteren Daten. Mehr als sieben Stunden täglich verbringt ein Neuntklässler heute vor dem Computer, mit dem Smartphone oder ähnlichen Geräten." Der Referent sorgte für ein wenig Heiterkeit mit der Feststellung, dass man in Fachkreisen bereits von einer "Head down Generation", einer "Kopf nach unten Generation" spreche.

Der Übergang vom "Spielkind" aus dem Kindergarten zum Sitzkind in der Schule" habe das sogenannte "Bewegungstagebuch" drastisch verändert. Der Sportwissenschaftler, der für den Ex-Biathleten Christoph Stephan als Motivationstrainer gearbeitet hat, plädierte daher für mehr Bewegung unter den Schülern. Seine Mahnung richtete sich aber auch an die Lehrkräfte, die er noch vor dem nach Hause gehen in "Bewegung" hielt und darum bat, deren "Kreativitätsparameter mit etwas Bewegung - scherzhaft "Brainwalking" - zu stärken. Schulleiterin Andrea Schiml und Fachoberlehrerin Elisabeth Kinle, die diesen Vortragsnachmittag organisiert hatte, bedankten sich mit Schulamtsdirektor Wolfgang Krauß bei den beiden Referenten.
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