Auch mit Rolli zum Zug kommen

Die steilen Treppen der Unterführung zwischen den Bahnsteigen in Wiesau bremsen Rollstuhlfahrer, aber auch Mütter mit Kinderwagen aus. Am Donnerstag informierten sich Behindertenbeauftragte aus dem Landkreis vor Ort. Im Bild von links Thomas Weiß, Doris Scharnagl-Lindinger, Irmgard Hegen, Hildegard Betzl, Reinhard Schön und Thorsten Meiler. Bild: hd
Lokales
Wiesau
21.02.2015
32
0

Endstation Bahnsteigkante. Und wenn ein Rollstuhlfahrer mit dem Zug von Wiesau Richtung Norden verreisen will, dann ist schon an der Bahnsteigunterführung Schluss. Behindertenbeauftragte aus dem Landkreis diskutierten nun über Lösungsmöglichkeiten.

Von einem Bahnsteig zum anderen kommen, ist schon für Mütter mit Kinderwagen kaum zu bewältigen. Die Stufen der Unterführung am Wiesauer Bahnhof sind steil. Gehbehinderte oder Rollstuhlfahrer haben da keine Chance. Deshalb drängt die Gemeinde Wiesau schon seit längerer Zeit auf einen behindertengerechten Ausbau. Am Donnerstag informierten sich Behindertenbeauftragte aus dem Landkreis Tirschenreuth vor Ort über den aktuellen Sachstand.

Reinhard Schön meinte mit Blick auf die Treppe der Unterführung: "Die einfachste Maßnahme wäre ein Plattenlift mit Euro-Key." Kostengünstiger als ein Aufzug, so der Behindertenbeauftragte. Doch Thomas Weiß, Sachgebietsleiter im Wiesauer Rathaus, bedauerte: "Geht leider nicht. Denn ein Plattenlift würde die Treppe zu schmal machen." Für Fluchtwege sei eine Mindestbreite vorgeschrieben. Reinhard Schön und seine Begleiter Doris Scharnagl-Lindinger, Hildegard Betzl und Irmgard Hegen erfuhren von Thomas Weiß: "Es wird wohl auf einen Aufzug hinauslaufen." Die Lösungsmöglichkeiten und Details soll eine Machbarkeitsstudie liefern. Thomas Weiß erwartet die Ergebnisse im zweiten Quartal dieses Jahres. "Dann wissen wir, welche technischen Möglichkeiten es gibt und welche Kosten zur Diskussion stehen." Stichwort Finanzierung: Die Bahn fühle sich da wohl nur für die Personenbeförderung zuständig. Bei der Barrierefreiheit an Bahnhöfen sehe sie sich eher nicht in der Pflicht, meinte Weiß.

Kombilösung

Orientiere man sich an der Prioritätenliste der Bahn, so sei ein barrierefreier Ausbau der Wiesauer Bahnsteige nicht vor 2040/2050 zu erwarten. Thomas Weiß: "Deshalb springen wir ein und holen Freistaat, ÖPNV-Mittel und Landkreis mit ins Boot." Über eine solche Kombilösung könnte es funktionieren, den Bahnhof Wiesau möglichst rasch behindertenfreundlich oder gar behindertengerecht zu bekommen. Wichtig sei dabei ein höhengleicher Bahnsteig, damit Rollstuhlfahrer in die Züge kommen. "Auch das wird in der Studie geprüft und durchgerechnet."

Die Behindertenbeauftragten bekräftigten die Notwendigkeit des Ausbaus. Immerhin sei Wiesau der Verkehrsknotenpunkt im Landkreis. Zum weiteren Vorgehen informierten Thomas Weiß und Thorsten Meiler (ebenfalls Gemeindeverwaltung Wiesau): Noch in diesem Jahr soll die Finanzierung der Umbaumaßnahmen geklärt werden (wer zahlt wie viel).

Behindertentoilette

Barrierefreiheit ist aber nicht nur unmittelbar am Bahnsteig notwendig, sondern auch im Bahnhofsgebäude, das sich im Eigentum der Marktgemeinde Wiesau befindet. Wichtig sei eine Behindertentoilette. Thomas Weiß: Im März startet eine Umfrage in Wiesau - Abriss und dann Neubau eines Funktionsgebäudes oder Sanierung des historischen Bahnhofsgebäudes? Einig waren sich Vertreter der Gemeinde und Behindertenbeauftragte, dass bei einem Erhalt des Gebäudes ein Nutzungskonzept nötig sei. Sanieren und später leere Räume instand halten, das könne nicht das Ziel sein.

Thomas Weiß verwies in diesem Zusammenhang auch auf eine Studentin, die in ihrer Bachelor-Arbeit aktuell prüft und recherchiert, was sich aus dem Bahnhofsgebäude machen ließe. Immerhin stehen rund 900 Quadratmeter Nutzfläche zur Verfügung. Kostengünstiger zu bauen sei wohl ein modernes Funktionsgebäude. Laut Weiß fließe das Ergebnis der Machbarkeitsstudie zur Barrierefreiheit am Bahnsteig ins Bahnhofskonzept ein. Behindertenbeauftragter Reinhard Schön merkte an: "Es wäre gut, wenn auch wir eingebunden würden." Das sicherte Thomas Weiß gerne zu. Schon in der frühen Planungsphase sei der Rat erwünscht.
Weitere Beiträge zu den Themen: Februar 2015 (7876)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.