Bahnhof: Mehrheit will Abriss

Ein gewohntes Bild, das möglicherweise in absehbarer Zeit Vergangenheit ist. Denn bei einer Umfrage sprachen sich 67,87 Prozent für einen Abriss des maroden Wiesauer Bahnhofsgebäudes aus. Stattdessen soll ein modernes, funktionales Gebäude mit Kiosk, Toiletten und Warteraum entstehen. Bild: hd
Lokales
Wiesau
01.04.2015
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Es war eine Umfrage, kein Bürgerentscheid. Aber immerhin 445 Wiesauer melden sich zu Wort. Und die Mehrheit spricht sich für einen Abriss des Bahnhofsgebäudes aus.

Um das weitere Vergammeln zu stoppen, hat die Gemeinde Wiesau das Bahnhofsgebäude 2012 gekauft. In einer ersten Kostenschätzung war bei einer Sanierung ein Eigenanteil für die Gemeinde Wiesau von 1,4 bis 1,7 Millionen Euro errechnet worden. Bei Gesamtkosten von mindestens 2,5 Millionen Euro mussten Bürgermeister Toni Dutz und Markträte erst einmal kräftig durchschnaufen. Ein Betrag, der eine deutliche Verschuldung der Gemeinde nach sich ziehen würde.

Deshalb fragten Toni Dutz und die Gemeinderäte die Bürger: Sanierung des Gebäudes oder aber Abriss und später Neubau eines Funktionsgebäudes? Einen Monat lang hatten die Wiesauer Zeit Position zu beziehen. Und sie taten dies interessiert "und machten sich wirklich Gedanken", freuten sich Bürgermeister Toni Dutz und Geschäftsleiter Thomas Weiß in der Marktratssitzung am Dienstagabend. Sie informierten über die erste Auswertung. Details folgen in der April-Sitzung der Markträte.

In den 445 Rückmeldungen sprachen sich 135 Wiesauer (30,34 Prozent) für den Erhalt des Bahnhofsgebäudes aus. 61 von ihnen versahen ihr "Votum" mit Anregungen. 302 Bürger (67,87 Prozent) sind für einen Abriss und späteren Neubau. Auch bei diesen Rückmeldungen gab es 81 Anmerkungen oder Vorschläge. Acht Antworten enthielten nur Bemerkungen.

Toilette und Kiosk

"Auffällig in allen Rücksendungen - egal ob nun Sanierung oder Neubau - waren drei Hauptkriterien", berichtete Thomas Weiß: öffentlicher Wartebereich, Toilettenanlage und Kiosk. "Natürlich gab es auch Bemerkungen unter der Gürtellinie." Hervorstachen aber Anmerkungen, in denen interessierte Bürger konkrete Vorschläge machten und teilweise sogar Fotomontagen beifügten.

"Das Ergebnis ist klar", kommentierte Bürgermeister Toni Dutz die erste Übersicht zur Umfrage. Er verwies auch auf eine Aussage von Landrat Wolfgang Lippert, der bei einem Abbruch des Bahnhofsgebäudes einen Zuschuss des Landkreises in Aussicht gestellt hatte. Der Bürgermeister sprach allen Bürgern, die konstruktiv bei der Umfrage mitwirkten, ein "großes Kompliment" aus - "besonders für die Gedanken, die sie sich gemacht haben". Dutz meinte an die Markträte gewandt: "Wir müssen jetzt in die Gänge kommen." Dabei bezog er sich nicht nur auf Abriss/Sanierung des Bahnhofsgebäudes, sondern den gesamten Geländeumgriff bis vor zur Brücke über die Bahnlinie. Die Gemeinde habe der Bahn für den Bereich bereits 2013 ein Kaufangebot unterbreitet, aber noch immer keine Antwort erhalten.

Mehrere Fördertöpfe

SPD-Marktrat Georg Wurzer wollte wissen, ob die Gemeinde für die Bauarbeiten am Bahnhof EU-Fördermittel erhalten könne. Hier wusste Thomas Weiß: "Da zapfen wir nicht nur einen, sondern mehrere Fördertöpfe an." Die Entscheidung treffe letztendlich der Marktrat - sicher auch abhängig vom Eigenanteil, den die Gemeinde stemmen müsse.
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