Barrierefrei zum Zug kommen

Tief hinabsteigen müssen Bahnreisende, wenn sie in Wiesau von einem Bahnsteig zum anderen kommen wollen. Bürgermeister Toni Dutz (Vierter von links) und Vertreter der Marktgemeinde sowie Abgeordneter Reiner Meier (Sechster von links) informierten Sebastian Röhrig (Dritter von links) vom Innenministerium bei einem Ortstermin. Die nicht mehr zeitgemäße dunkle Unterführung soll einer barrierefreien Umgestaltung weichen. Bild: hd
Lokales
Wiesau
30.09.2014
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Öffentliche Gebäude in Bayern müssen barrierefrei zugänglich sein. Doch am Bahnhof Wiesau steht das Signal dafür noch immer auf Rot. Bürgermister Toni Dutz diskutierte am Montag mit einem Vertreter des Innenministeriums Lösungsmöglichkeiten.

"Ich werde langsam ungeduldig", ärgerte sich CSU-Bundestagsabgeordneter Reiner Meier. Nachdrücklich forderte er die Unterstützung Bayerns ein, als er am Montag Sebastian Röhrig am Bahnhof in Wiesau empfing. Barrierefreiheit müsse auch im ländlichen Raum Standard sein.

Röhrig, Verkehrsreferent im Bayerischen Innenministerium, hörte sich aufmerksam die Forderungen von Bürgermeister Toni Dutz und Reiner Meier an. Mit dabei auch Wiesauer Markträte, Seniorenbeauftragte Irmgard Hegen sowie Sachbearbeiter Thomas Weiß und Geschäftsleiter Albert Mois aus dem Rathaus. Sebastian Röhrig bestätigte: "Langfristiges Ziel ist Barrierefreiheit in ganz Bayern." Den Nachholbedarf bezifferte er mit rund einer Milliarde Euro. "Wir müssen deshalb kreative Lösungen finden." Wiesau sei der zentrale Bahnhof im Landkreis Tirschenreuth, unterstrich Toni Dutz. Für Behinderte, Senioren und Mütter mit Kinderwagen sei die Unterführung zwischen den Bahnsteigen untragbar. Die komfortabelste Lösung: zwei Aufzüge bauen. "Doch wer zahlt?", wollte Dutz wissen. Die Gemeinde könne das nicht schultern. Immerhin sei mit Kosten über 800 000 Euro zu rechnen. "Wir erwarten da die Unterstützung des Staates." Gefordert seien Land und Bund.

Gespräch mit Dobrindt

Nach den jahrelangen Bemühungen um einen barrierefreien Ausbau des Wiesauer Bahnhofs müssten nun endlich Weichen gestellt werden, eine Zielvereinbarung unterschrieben werden, verlangte Reiner Meier. Der Abgeordnete will in dieser Sache in den nächsten Tagen auch mit Bayerns Innenminister Joachim Herrmann und Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt sprechen. Die Verkehrsanbindungen in den Ballungszentren seien schon fast komplett barrierefrei. Meier: "Nun ist der ländliche Raum dran."

Hier hakte Toni Dutz ein: "Wer den ländlichen Raum stärken will, muss was tun." Wenn die Bahn besser benutzbar und attraktiver wird, so Dutz, "steigen auch die Fahrgastzahlen". Die demografische Entwicklung im Landkreis zwinge förmlich zu einem barrierefreien Ausbau des Bahnhofs.

Kosten vergleichen

Schnell entspann sich am Montag eine Diskussion zur Umgestaltung: Zwei Aufzüge oder zwei Rampen oder aber eine Rampe und ein Aufzug. Was ist technisch möglich? Was verursacht die niedrigsten Kosten? Toni Dutz machte klar: "Wir wollen eine rasche, kostengünstige Variante." Sebastian Röhrig will die Investitionen mal durchrechnen lassen. Marktrat Georg Wurzer fügte hinzu: "Und dann muss man die Bahn mal anschreiben, damit die eine Lösung unterbreitet."
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