Bilder, Info-Texte und ein Modell des ehemaligen Grenzlagers Wiesau vorgestellt - Schüler ...
Erinnerungen an das Leben in Baracken

Lokales
Wiesau
23.11.2013
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"Da lebten oft zehn Familien in einer Baracke - nur durch einen Vorhang von einander getrennt", erinnert sich Helmut Effenberger im Gespräch mit unserer Zeitung. Er ist einer der Zeitzeugen, die am Donnerstag ins Rathaus kommen, als Bürgermeister Toni Dutz ein Modell des Grenzlagers Wiesau vorstellt. Nach dem Zweiten Weltkrieg trafen täglich im Flüchtlings- und Aufnahmelager Züge mit Heimatvertriebenen ein, manchmal bis zu 3600 Menschen.

Insgesamt waren es wohl fast 900 000 Menschen, die hier ankamen, etwas zu essen erhielten und medizinisch untersucht wurden, bevor Züge sie weitertransportierten. Toni Dutz unterstreicht: "Das ist ein Thema, das mit Wiesau untrennbar verbunden ist." Auch, weil viele Vertriebene hier eine neue, endgültige Heimat fanden.

Einige von ihnen nutzen den Donnerstagabend, um Erinnerungen auszutauschen. Sie haben Fotos dabei, die Szenen aus dem Lagerleben zeigen. Dazu gehörten Konzerte, Kino, Kantine und eine Theatergruppe; aber auch offene Latrinen. Helmut Effenberger hat die Bilder noch vor sich und ist froh: "Wir hatten jeden Tag zu essen." Währenddessen beschreibt eine andere Zeitzeugin Bürgermeister Toni Dutz anhand des Modells, wer wo im Lager wohnte, wo Laden, Schule oder Kindergarten untergebracht waren. Bilder und Texte auf Stellwänden liefern weitere aufschlussreiche Informationen.
Angefertigt hat das Modell Karl-Heinz Ehrenfried. Rund 300 Stunden Arbeit hat er dafür investiert, das Lager Wiesau maßstabsgetreu anhand alter Pläne, Skizzen und Aufzeichnungen nachzubauen. Dutz dankt Ehrenfried dafür mit einem Bierkrug und einer "kleinen Aufwandsentschädigung".

Historiker und Heimatforscher Adalbert Busl liefert in einem kurzen Vortrag Daten und Fakten, berichtet, dass 1945 in Wiesau 2500 Einheimische, 2500 Flüchtlinge und 1000 Ausländer (hauptsächlich Kriegsgefangene) lebten. Ab Februar 1946 wurde das Grenzdurchgangslager gebaut, das bald Grenzlager hieß. Es stand gegenüber des Bahnhofs. Meist kam pro Tag ein Zug mit 40 Güterwaggons mit je 30 Menschen an, hat Busl in Erfahrung gebracht. "Im Lager standen 30 Baracken für bis zu 1300 Bewohner." 1952/53 erfolgte die Auflösung des Lagers Wiesau.

Bürgermeister Toni Dutz ermuntert die Zeitzeugen am Donnerstag, sich zu melden, auch um die Wiesauer Chronik beim Fortschreiben ergänzen zu können. So weiß Johann Gleißner noch viel aus der Zeit, als er als Junglehrer Kinder im Lager Wiesau unterrichtete. Auf ihn und weitere Zeitzeugen kommen demnächst wahrscheinlich Schüler des Stiftland-Gymnasiums zu, um in einem Projekt noch mehr über das Grenzlager herauszufinden und zu dokumentieren. Schulleiter Georg Hecht denkt an 10 bis 15 junge Leute, die hier aktiv werden. Toni Dutz steht voll dahinter: "Wir müssen diesen Teil unserer Geschichte weitergeben."
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