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Lokales
Wiesau
23.10.2014
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Es gibt eine staatliche Förderung. Trotzdem verzichtet der Landkreis auf die Einrichtung von Familienstützpunkten - zumindest vorerst. Ausschlaggebend für die Ablehnung ist nicht allein die geforderte Eigenbeteiligung.

Zuletzt hatte sich der Jugendhilfeausschuss mit dem Thema beschäftigt und die Stützpunkte mit großer Mehrheit abgelehnt (wir berichteten). Landrat Wolfgang Lippert verwies in der Sitzung des Kreisausschusses im Wiesauer Rathaus auf die "sehr ausführliche Diskussion" mit dem Tenor: "Wir haben im Landkreis viele Einrichtungen, die ähnlich fundiert sind wie ein Familienstützpunkt." Für die Zielgruppe, in erster Linie überforderte junge Erwachsene, bestehe bereits ein adäquates Beratungsangebot in Fragen der Erziehung und Lebensbewältigung. "Die machen sehr viel mit Hingabe und Herzblut", nannte der Landrat das "Netzwerk frühe Kindheit" und die Familienbeauftragten in den Kommunen als Beispiele.

Problem Personalkosten

"Klar ist auch, dass sich viele Eltern, die es nötig hätten, nicht beraten lassen wollen", fasste der Landrat das Ergebnis der Diskussion zusammen. Doch daran werde wohl auch ein neuer Stützpunkt nichts ändern. Hinzu komme die finanzielle Seite, denn der Landkreis müsse seinen Haushalt konsolidieren. "Da wäre es kontraproduktiv, weiteres Personal einzustellen", sagte Lippert. Und an Personal gebunden ist das Förderangebot. Denn ohne Koordinierungsstelle werden keine Stützpunkte genehmigt.

Für die Sach- und Personalkosten vor Ort würde der Freistaat dem Landkreis im ersten Jahr einen Festbetrag von 40 Euro pro geborenem Kind zuschießen, danach 30 Euro. Diese 20 800 beziehungsweise 15 600 Euro bei 520 Geburten im maßgeblichen Jahr 2012 müsste jedoch auch der Landkreis als Kofinanzierung aufbringen, etwa in Form von 10 Wochenstunden einer sozialpädagogischen Kraft im koordinierenden Jugendamt.

Der nächste Schritt wäre dann die Betreuung der Familienstützpunkte in den Gemeinden. Auf die kämen dann noch entsprechende Eigenanteile zu. Interesse bekundet hatten im Vorfeld Tirschenreuth, Mitterteich, Kemnath und Neusorg. "Wir lehnen die Stützpunkte derzeit ab, die Tür ist nicht zu", machte der Landrat auf das zeitlich nicht befristete Angebot des Freistaats aufmerksam.

Einhellige Ablehnung

Mit dieser Entscheidung konnten alle Fraktionen gut leben. Der Einsatz von Fachkräften in den Familien sei der richtige Weg, verwies Mitterteichs Bürgermeister Roland Grillmeier etwa auf die Arbeit im Mehrgenerationenhaus. Die sei nun durch eine verlängerte Förderung für weitere zwei Jahre gesichert.

Mit der vorläufigen Ablehnung der Stützpunkte einverstanden war auch sein Tirschenreuther Kollege Franz Stahl. Man müsse die Lage aber aufmerksam beobachten: "Es wird die Zeit kommen, wo sich auch kleinere Kommunen mit dem Thema qualifizierte Familienbetreuung befassen müssen."
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