Keine Geschenke, aber viel Gesundheit

100 Jahre alt wird heute Barbara Weig. Noch ein bisschen erschöpft von ihrer eben überstandenen Krankheit erzählt sie aus ihrem Leben. Schwiegertochter Rita hilft ein bisschen bei den Erinnerungen. Bild: wro
Lokales
Wiesau
07.11.2015
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Sonntagskinder, so wird behauptet, haben die Fähigkeiten, anderen Menschen Glück zu spenden und selber glücklich zu sein. Barbara Weig ist ein solch ein Sonntagskind. Und das seit 100 Jahren bereits.

Zufrieden blickt sie auf viele ereignisreiche, aber auch auf manch schwere Momente in ihrem Leben zurück. Sie lebt noch immer in ihrem Heimatort, im Haus "Steinwaldblick", wo sie heute ihren 100. Geburtstag feiert.

Glücklich und zufrieden

Barbara Weig, ist die älteste Einwohnerin der Marktgemeinde. Am 7. November 1915 erblickte sie in Wiesau das Licht der Welt. 100 Jahre alt zu werden sei schon etwas ganz besonderes. Die greise Jubilarin ist, trotz der oft harten Zeiten, die sie hinter sich gelassen hat, zufrieden. Sie wirkt glücklich, nur das Erzählen fällt ihr ein wenig schwer.

"Gesund alt zu werden ist keine Selbstverständlichkeit", bemerkt Schwiegertochter Rita Weig. Sie greift helfend ein und erzählt ein wenig mit. Seit gut acht Monaten wohnt die Jubilarin hier im Haus "Steinwaldblick". Erst vor wenigen Tagen ist sie aus dem Krankenhaus entlassen worden. "Den Aufenthalt hat sie erstaunlich gut überstanden." Rita Weig schaut sichtlich erleichtert hinüber zur Jubilarin und drückt ihre Hand ganz fest.

Alles andere als glücklich aber war die Zeit, in die Barbara Weig hineingeboren wurde. Draußen tobte seit gut einem Jahr der 1. Weltkrieg. Dann kamen wieder unruhige und sehr harte Zeiten. Später wurden die Lebensmittel von einem Tag auf den anderen ständig teurer: Ein Laib Brot kostete an einem Tag eine Milliarde Mark, am anderen Tag schon eine Billion.

Von den friedlosen Jahren aber hat Barbara Zeitler, wie sie mit ihrem Mädchennamen hieß, noch nicht allzu viel mitbekommen. "Am Gstaudach haben wir gewohnt, das Haus in Wiesau steht noch", erinnert sie sich. Dass sie ihren 100. Geburtstag daheim feiern darf, mache sie froh. Auch Rita Weig freut sich. "Oma geht's wieder gut, auch sonst sind wir zufrieden." Von ein paar Tabletten abgesehen, müsse sie nahezu keine weiteren Medikamente einnehmen, erklärt die fürsorgliche Schwiegertochter.

Barbara Weig erzählt von ihrer Zeit in Plauen: "Ich habe in verschiedenen Haushalten gearbeitet." Dann sei sie nach Wiesau zurückgekehrt und habe ihren späteren Ehemann kennengelernt. "Georg stammte aus Plößberg." 1935 wurde geheiratet, das genaue Hochzeitsdatum fällt ihr spontan nicht mehr ein. Das Gedächtnis, nach so vielen Jahren, lasse halt doch langsam nach.

In der Pelzerei gearbeitet

Dann kam schon wieder ein schrecklicher Krieg, die Erziehung ihrer 8 Kinder wurde ihr besonderer Lebensinhalt. 15 Jahre lang, bis zur Rente habe sie dann bei der Bekleidungsfabrik Kärner gearbeitet. Sie erinnert sich noch gut daran. "In den 1970er Jahren fand ich in der ,Pelzerei' Arbeit, so nannte man die Kürschnerei bei Kärner".

20-fache Uroma

Vor 17 Jahren ist dann Ehemann Georg verstorben. Auch der jüngste Sohn lebt nicht mehr. Die Greisin rechnet ein wenig nach: "Oma von 16 Enkeln und 20-fache Uroma bin ich geworden." Zum Geburtstag wünscht sie sich eigentlich keinen großartigen Tag, auch keine Geschenke. "Aber halt noch viel Gesundheit."
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