Landrat Wolfgang Lippert sagte den vielen freiwilligen Helfern ein Dankeschön für Einsatz und ...
Gutes Beispiel für gelebte Kultur

Das T-Shirt ist Programm: "Danke" sagt Landrat den Helfern. Bild: wro
Lokales
Wiesau
19.11.2015
4
0
Der dunkle Dienstanzug sowie die festliche Krawatte hatten an diesem späten Sonntagnachmittag dienstfrei. Leger und gut gelaunt stand Landrat Wolfgang Lippert am Rednerpult, der Aufdruck auf seinem auffälligen T-Shirt war Programm. "Danke" stand drauf und Lipperts launige Eingangsfrage sorgte dann auch gleich für Erheiterung: "Was kann man an solch einem verregneten Tag anders machen, als zum Helferfest zu gehen?"

Das dachten sich sicher auch die vielen Gäste. In der Wiesauer Tourismusschule wimmelte es nur so Menschen. Alle hatten eines gemeinsam: Sie tun gerne und sehr oft Gutes, vorbildlich im Dienst am Nächsten. Dabei spielt es keine Rolle, ob dieser Nächste aus Wiesau, Fuchsmühl, Friedenfels, oder vielleicht von weiter her wie z. B. aus Syrien kommt. Sie alle waren der Einladung gefolgt, um sich für ein paar Stunden verwöhnen zu lassen.

Seit Wochen herrscht in der Wiesauer Dreifachturnhalle reger Betrieb. Hilfesuchende Menschen kommen und gehen, Helfer geben sich die Türklinke in die Hand, arbeiten rund um die Uhr im Schichtbetrieb. Sie umsorgen die Flüchtlinge, verteilen das Essen, helfen, wo Hilfe nötig ist. Die Logistik scheint dank moderner Smartphones fast wie von selbst zu funktionieren. Die Gemeinde Wiesau ist eng zusammengerückt, hat in ihrer Turnhalle Platz gemacht.

Der große Faschingsball des HCL findet jedenfalls nicht wie gewohnt statt, auch die Spielvereinigung trainiert im Freien, alle anderen Veranstaltungen wurden abgesagt oder verlegt. Dafür arbeiten hier in der Halle die Hilfsorganisationen der Region, sie opfern ihre Freizeit um Menschen beizustehen. Hilfsorganisationen, nicht nur aus Wiesau, sondern auch beispielsweise aus Fuchsmühl, Friedenfels, Mitterteich, Waldsassen sind dabei.

Lippert ließ sich nicht nehmen, jeden persönlich zu begrüßen, und zog eine kleine Bilanz. Leider aber musste er auch mit leisen Hoffnungen auf räumen: "Eigentlich wollte ich hier verkünden, dass wir ab Dezember die Notunterkunft Wiesau schließen können." Leider, so Lippert, habe man sich von diesem Versprechen wieder verabschieden müssen. Der Landkreis sei nicht untätig gewesen, erklärte der Landkreischef, Wiesau sollte ja kein Dauerzustand bleiben. Alternativen seien geprüft worden, auch den Bau einer Notunterkunft habe man in Erwägung gezogen. Zum Schluss aber blieb nur eine Option übrig: "Notunterkunft Wiesau". Damit werde man wohl auch noch eine geraume Zeit lang leben müssen. Aber es sei an der Zeit, ein Zeichen der Dankbarkeit zu setzen: "Ich sage heute Danke für Euer Verständnis und für Euren unermüdlichen Einsatz. Danke auch an die Schulleitung, an die Gemeinde und Danke den Wiesauer Bürgern und für das Verständnis ihrer Vereine."

Große Anerkennung auch von Bürgermeister Toni Dutz,: "Man kann über das System streiten. Aber wir haben die Pflicht, die Menschen hier human zu empfangen." Dazu brauche man helfende Hände. "Dann wird unsere Heimat zu ihrer Heimat und nicht zur Fremde. Stolz kann ich sagen: Wir geben ein gutes Beispiel für gelebte Kultur."
Weitere Beiträge zu den Themen: November 2015 (9608)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.