Mit einem Aufzug zum Zug

"Wir müssen jetzt in die Gänge kommen", appellierte Bürgermeister Toni Dutz, denn der Wiesauer Bahnhof (Bild) verfällt immer mehr. Am 8. Mai ist ein erstes Abstimmungsgespräch mit der Regierung (Städtebauförderung) angesetzt. Bild: hd
Lokales
Wiesau
02.05.2015
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"Einfach toll, fantastisch", freute sich nicht nur Bürgermeister Toni Dutz über die vielfältigen Anregungen der Bürger. 445 Wiesauer hatten sich an der Umfrage zur Zukunft des Bahnhofsgebäudes beteiligt.

Die Gemeinderäte beschäftigten sich am Mittwochabend mit der ersten Auswertung der Umfrage. Wie bereits berichtet, hatten sich 135 Bürger für den Erhalt des Gebäudes und 302 für einen Abriss und den nachfolgenden Bau eines modernen Funktionsgebäudes ausgesprochen.

Ein klares Ergebnis. Nicht weniger bedeutend waren Bürgermeister Toni Dutz und Geschäftsleiter Thomas Weiß aber die Anmerkungen, Wünsche und Empfehlungen. Da zeigt sich: Egal, ob Abriss oder Erhalt, die Bürger wünschen sich im Bahnhof einen Wartebereich, einen Kiosk, öffentliche Toiletten, einen Imbiss, einen Laden für Reisebedarf und ausreichend Parkplätze.

Falls Wiesau das Bahnhofsgebäude saniere, empfahlen mehrere Bürger eine kulturelle Nutzung. Auch im Hinblick auf die historische Bedeutung sollte Platz sein für ein Museum oder eine Gedenkstätte (Flüchtlingslager Wiesau). Zudem könnte ein Raum für Jugendliche geschaffen werden.

Fotomontagen

Thomas Weiß: "Viele Bürger, die bei der Umfrage mitgemacht haben, haben sich große Mühe gemacht und sogar Fotomontagen gefertigt, wie der Bahnhof nach einem Umbau aussehen könnte", berichtete Weiß und zeigte einige der Entwürfe. Ein Vorschlag daraus: Die seitlichen Gebäudeteile abbrechen und durch eine moderne Glas-/Stahlkonstruktion ersetzen. Eine weitere Idee: Ebenfalls Abbruch der später ans Hauptgebäude angebauten Räume, um Platz zu schaffen für einen Aufzug. Der würde einen barrierefreien Zugang zum Bahnhofsgebäude und mit einer Überführung auch zum mittleren Bahnsteig ermöglichen. Eine Lösung, die vielen Markträten auf Anhieb gefiel.

Allerdings rieten Thomas Weiß und Bürgermeister Toni Dutz, zunächst die Machbarkeitsstudie der Bahn zum barrierefreien Ausbau abzuwarten. Dann könnte man die letztgenannte Variante in die weiteren Planungen einbringen. Dutz dankte allen Bürgern, die sich an der Umfrage beteiligten, und ging kurz auf das weitere Vorgehen ein: Ein Städteplaner soll Abriss und Neugestaltung, aber auch Erhalt des Gebäudes und Sanierung (wenn wirtschaftlich tragbar) prüfen. Der Gemeinderat werde in alle Schritte eingebunden. Der Bürgermeister bat um vorurteilsfreies Herangehen. "Aber natürlich müssen die Kosten auf den Tisch." Bei den Planungen sei auch der Busbahnhof zu berücksichtigen. Zudem habe Wiesau schon im August 2013 eine Kaufanfrage fürs gesamte Bahn-Areal bis zur Brücke über die Bahnlinie gestellt. "Auch brauchen wir Privatinvestoren, die in den Bahnhof reingehen und beispielsweise den gastronomischen Bereich übernehmen." Toni Dutz war klar: "Wir haben da ein großes Projekt zu schultern." Franz Dürrschmidt (Freie Wähler) hakte zum Thema Vermietung nach: "Wenn wir Einnahmen haben, riskieren wir da nicht einen Teil der Förderung?" Ja, das sei so, wusste Thomas Weiß. Nur der öffentliche Bereich würde gefördert. In diesem Zusammenhang verwies Bürgermeister Dutz auf weitere Fördertöpfe. Da Wiesau Verkehrsknotenpunkt sei, müssten Mittel für den öffentlichen Personennahverkehr eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein. Auch müsse der Landkreis sagen, was von ihm an Zuschüssen zu erwarten sei, so Dutz. Fördermittel gebe es wohl zudem, wenn Räume für die Jugend oder ein Generationentreff geschaffen würden. Ein erstes Abstimmungsgespräch mit der Städtebauförderung finde am 8. Mai statt.

Kostenbewusst

Widerspruchslos stellte Toni Dutz fest: "Der Bau - egal welche Variante - ist nicht das Thema. Die Folgekosten sind es. Die dürfen uns nicht über den Kopf wachsen." Georg Wurzer (SPD) beharrte: "Wir müssen schon konkrete Vorstellungen haben, bevor wir das einem Planer übergeben. Wir müssen sagen, was wir wollen." Sonst drohten Baukosten, die Wiesau nicht stemmen könne. Thomas Weiß beruhigte: "Deshalb schalten wir ja einen Städteplaner ein." Toni Dutz ergänzte: "Wir wenden uns an einen kostenbewussten Planer."
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