Mit Ex-Nazi jetzt gut befreundet

Mo Asumang (Dritte von links) überzeugte bei ihrem Besuch als liebenswürdige Kämpferin gegen rechte Gedanken. Mit dabei waren (von links) Pfarrer Martin Schlenk, Oberstudienrat Uwe Heider, Arno Speiser vom Bayerischen Jugendring, Bürgermeister Toni Dutz und Kreisrätin Hannelore Bienlein-Holl. Bilder: jr (2)
Lokales
Wiesau
14.10.2014
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Groß, blond, blauäugig - an diesem Nazi-Klischee von der angeblich "reinen" Arier-Rasse ist nichts dran. Die Arier sind eigentlich im Orient zu Hause. Das belegt die filmische Spurensuche von Mo Asumang.

Die Filmemacherin, die auch als Fernsehmoderatorin und Schauspielerin bekannt ist, stellte am Staatlichen Beruflichen Schulzentrum Wiesau ihren beeindruckenden Dokumentarfilm "Die Arier" vor. Und die Schüler zeigten großes Interesse. Oberstudienrat Uwe Heider hieß die Regisseurin willkommen. Mit dieser Veranstaltung solle ein Zeichen gegen Rechts gesetzt werden: "Unsere Schule tut etwas gegen Radikalismus und arbeitet für Toleranz."

Geboren in Kassel, lebt die 51-jährige Mo Asumang jetzt in Berlin. Freimütig erzählte sie, dass ihre Mutter Deutsche war und ihr Vater aus Ghana kam. Aufgezogen wurde sie von ihrer Großmutter mütterlicherseits. Nach deren Tod erfuhr sie, dass die Oma während der Zeit des Nationalsozialismus als Schreibkraft bei der SS gearbeitet hatte. "Ich wollte wissen, wer die Arier wirklich sind. Deshalb habe ich diesen Dokumentarfilm gedreht", sagte Asumang. "Schnell wurde mir bei den Recherchen klar, dass die Arier mit groß, blond und blauäugig rein gar nichts zu tun haben, wie uns dies die Nazis weismachen wollten." Vielleicht trage der 45-minütige Film dazu bei, diese Unwahrheit zu entlarven.

Ihre Spurensuche führte die Filmemacherin in den Iran. Sie fragte bei Kunsthistorikern nach, die feststellten: Die Arier sind im Orient zu Hause. "Die Deutschen haben damit rein gar nichts zu tun." Im Film besucht Mo Asumang das zentralasiatische Hirtenvolk im früheren Persien, die als Arier gelten, aber mit den Nazi-Vorurteilen nichts zu tun haben. "Ich habe die Menschen im Iran als äußerst freundlich kennengelernt", sagte Mo Asumang.

Für den Film hat sie auch den berüchtigten Ku-Klux-Klan in Amerika besucht, der die totale Unterdrückung der schwarzen Menschen anstrebt. "Als ich einen vermummten Mann fragte, was er eigentlich gegen Schwarze hat, murmelte der, eigentlich nichts. Diese Leute haben kein Selbstbewusstsein. Vielleicht sind sie in der Gruppe stark, aber im Gespräch unter vier Augen wirken sie schwach." Höhepunkt des Films war der endgültige Ausstieg eines ehemaligen Nazis aus seiner Gesinnung. Mittlerweile ist er mit Mo Asumang sogar befreundet: "Wir telefonieren alle zwei bis drei Wochen."

Im Gespräch mit den Schülern verriet die Regisseurin, dass ihr einige Szenen doch zusetzten. "Besonders, als Rechtsradikale in Wismar auf die Straße gingen und wir filmten." Beim Interview mit Ku-Klux-Anhängern habe sie plötzlich gemerkt, dass in deren Auto Maschinengewehre lagen. "Da wurde mir schon mulmig." Asumang wurde nur von Kamerafrauen begleitet. "Mit Männern hätte der Film nicht funktioniert."
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