Sechs Schatten, sechs Schicksale

Eine Ausstellung, die niemand kalt lässt, ist in den kommenden zwei Wochen in der Berufsschule zu sehen. Unser Bild zeigt von links, den Sicherheitsbeauftragten des beruflichen Schulzentrums, Andreas Büttner, Polizeioberrat Michael Danninger, Herbert Behlert, Vorsitzender ADAC Nordbayern, Landrat Wolfgang Lippert, Bürgermeister Toni Dutz und Schulleiter Dr. Wolfgang Eckstein. Bild: Grüner
Lokales
Wiesau
30.04.2015
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Gedenkkreuze an den Straßenrändern erinnern an Unfälle, bei denen Menschen starben. Mit diesen modernen Denkmälern befasst sich jetzt eine Wanderausstellung im Berufsschulzentrum Wiesau.

Das Risiko, im Straßenverkehr tödlich zu verunglücken, ist bei jungen Fahrern fast doppelt so hoch wie bei anderen Verkehrsteilnehmern. 2013 ereigneten sich in Bayern über 13 000 Verkehrsunfälle mit jungen Erwachsenen. 109 kamen dabei ums Leben.

Mit "Schatten - Ich wollte doch leben!", hat der ADAC eine außergewöhnliche Ausstellung initiiert, um vor allem junge Menschen wachzurütteln. "Wir wollen bewusst Grenzen überschreiten und so junge Leute für einen sicheren und verantwortungsvollen Umgang mit individueller Mobilität gewinnen", sagte Herbert Behlert, Vorsitzender des ADAC Nordbayern bei der Vorstellung.

Im Mittelpunkt stehen sechs lebensgroße, geschwärzte Figuren. Jede Silhouette steht für einen jungen Menschen, der bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen ist. Die bewegenden Texte dazu erzählen die tragischen Schicksale der Toten. Neben Schilderungen zum Unfallhergang sind auch persönliche Angaben vermerkt. Zwei Wochen lang sind die Figuren aufgestellt. Bei der Eröffnung bezeichnete Behlert die Kreuze am Straßenrand auch als sichtbaren Ausdruck menschlicher Tragödien, unendlichen Leids und viel zu früh verloren gegangener Hoffnungen.

Verkaufsargument PS

Schulleiter Dr. Wolfgang Eckstein erinnerte sich daran, wie er vor über zehn Jahren Autofachverkäufer bei Verkaufsgesprächen schulte. Bei den Rollenspielen sei aufgefallen, dass die erste Frage grundsätzlich der PS-Zahl galt. In den 12 Jahren, in denen er die Schule leitet, sind 8 Schüler tödlich verunglückt, 20 schwerverletzt worden. Der Autoindustrie kreidete er an, dass sie bei ihren Verkaufsstrategien die Vorliebe gerade junger Menschen für Geschwindigkeit ausnutze. Landrat Wolfgang Lippert erinnerte sich daran, wie er gerade mal 18 Jahre alt mit Freunden mit einem alkoholisierten Bekannten mitgefahren war. Auf der B 15 bretterte der Fahrer mit 140 Sachen dahin. Plötzlich habe er die Idee gehabt, ungebremst in den Parkplatz vor der Maria-Weiher-Kurve einzufahren. Nur das beherzte Eingreifen des Beifahrers vermied Schlimmeres. "Als wir ausstiegen, zitterten uns die Beine. Wir gingen in eine Kneipe und tranken ein Bier auf das Leben."

Bürgermeister Toni Dutz meinte, dass uns die Schatten der Verunglückten verfolgten, seit es die Automobilität gäbe. Jeder könne sich an Szenen erinnern, bei denen er sich selber überschätzt habe. Die Autos seien immer sicherer, aber auch schneller geworden. Rücksicht und vorausschauendes Fahren seien deshalb das Gebot der Stunde.

Zu schnell und Alkohol

Polizeioberrat Michael Danninger vom Polizeipräsidium Oberpfalz sagte, dass sich in seinem Zuständigkeitsbereich im Vorjahr 32 000 Verkehrsunfälle ereignet haben. Dabei wurden 1100 Menschen schwerverletzt, 61 starben. An den Unfällen waren 3300 Fahranfänger beteiligt. Ein Drittel der Verkehrstoten waren junge Menschen. Überhöhte Geschwindigkeit und Alkohol waren die Hauptursachen.
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