Stahl heute nicht mehr zulässig

Kreisbaumeister Klaus Weig mit Bildern aus dem Gutachter-Vorbericht: In der Vergrößerung unten im rechten Bereich ist deutlich ein Längsriss im Stahlträger zu erkennen. Bild: as
Lokales
Wiesau
17.10.2015
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Die geschädigten Stahlträger ersetzen und das Hallenbad wieder aufsperren - das wäre die einfachste Lösung. Aber daraus wird wohl nichts. "Auf uns kommt etwas Größeres zu", schwant nicht nur dem Landrat. Im Raum steht sogar ein Neubau.

Das 1986 eröffnete Schwimmbad ist ein Sicherheitsrisiko. Mit drastischen Worten schilderte Wolfgang Lippert bei der Sitzung des Kreisausschusses im Wiesauer Rathaus die Gefahr, die vom korrodierten Stahl der Deckenkonstruktion ausgeht: "Wenn so ein Stab reißt, kann die Halle mit einem Schlag zusammenbrechen."

Deshalb habe er sofort nach dem Eintreffen des Gutachter-Vorberichts die Konsequenz gezogen, das Bad nach der Sommerpause gar nicht erst wieder aufzusperren. Der in der Schwimmhalle verbaute Stahl sei damals für Dachkonstruktionen noch zulässig gewesen, betonte der Landrat. Heute sei er das nicht mehr, müsste also durch ein anderes Material ersetzt werden. Die wahrscheinliche Folge: Das Hallenbad hat keinen Bestandschutz, eine Sanierung wird baugenehmigungspflichtig, das Dachtragwerk ist auf die aktuellsten Statik- und Schneelastwerte auszurichten.

Kreisbaumeister Klaus Weig verwies auf etliche Untersuchungen seit 1990. Darin war zwar schon lange von Korrosionsschäden die Rede, die jedoch die Tragfähigkeit noch nicht erkennbar einschränkten. Doch jetzt sei der Befund eindeutig: "Es gibt Spannungsrisskorrosion. Das heißt, die Konstruktion kann auf einen Schlag nachgeben." Das Dach könne noch fünf bis zehn Jahre halten, aber auch sofort einstürzen.

Nach dem Unglück in der Schweiz (Kasten) habe man in Tirschenreuth keinen V2A-Edelstahl mehr verbaut, sondern korrosionsbeständigeren V4A-Stahl. Aber das reichte nicht. Inzwischen sei dieser Stahl für Dachtragwerke sogar verboten, schilderte der Kreisbaumeister. Zur Zersetzung trugen hauptsächlich das Chlor und die hohe Luftfeuchtigkeit in der Schwimmhalle bei. Außerdem trat schon bald nach der Eröffnung Kondenswasser im Dach auf.

Wie geht es weiter? Derzeit werden die Leimholzbinder des Hallendaches auf Zustand und Tragfähigkeit überprüft. "Wenn das alles passt, können wir konkrete Angebote für die Auswechslung der Stahlstäbe einholen", sagte Weig. Über Zeit- und Kostenaufwand gebe es noch keine Aussagen. Der Kreisbaumeister machte deutlich, dass eine Reparatur den Betrieb des Hallenbads nur für drei oder vier Jahre überbrücken könne: "An einer Generalsanierung kommen wir in absehbarer Zeit nicht vorbei." Und dann seien Experten gefragt, die abwägen, ob nicht ein Neubau günstiger wäre.

Hier hakte Tirschenreuths Bürgermeister Franz Stahl ein und brachte einen Neubau neben dem Freibad an der Mähringer Straße ins Spiel. "Wir müssen entscheiden, was für den Landkreis wirtschaftlich am sinnvollsten ist", antwortete der Landrat. Zu klären sei, ob der Badbetrieb mit finanziell überschaubarem Aufwand für eine gewisse Zeit aufrechterhalten werden könne und ob eine Generalsanierung Sinn habe. Die Alternative sei, die Halle aufzugeben und gemeinsam mit der Stadt völlig neu zu planen.
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