Weniger Lob, mehr Solidarität

Gut besucht war die Bürgerversammlung in Wiesau. Und die Zuhörer waren scheinbar mit den Ausführungen von Bürgermeister Toni Dutz zufrieden. In den Anfragen ging es weitgehend um kleinere Probleme. Bild: wro
Lokales
Wiesau
02.12.2015
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Das Thema "Zukunft Bahnhof" ist offenbar auf dem Abstellgleis gelandet. Zumindest in der Bürgerversammlung spielte das einst heiß diskutierte Problem keine Rolle. Dafür mehr die kleineren Sorgen der Besucher.

Mit Kritikpunkten hielten sich die Zuhörer weitestgehend zurück, sieht man einmal vom Winterdienst und der Fichtenschachter Ampelschaltung ab. Dass die Holzlaster sehr viel Dreck mitbringen, ärgerte die Anwohner. Ändern - so Bürgermeister Toni Dutz - könnten das aber nur die zuständigen Behörden und vor allem die Verursacher selber.

Nahezu stabil stellt sich derzeit die Zahl der Einwohner dar. Zählte man zum Jahresende 2014 noch 4122 Mitbürger, so seien derzeit 4144 gemeldet. Eingependelt habe sich die Zahl der Geburten. Waren es im gesamten Vorjahr noch 27, so konnte man im heuer bereits 23 neue Mitbürger begrüßen.

Detailliert erläuterte Dutz die verschiedensten Ausgaben, etwa für den Feuerschutz. "Da schlagen vor allem die Neubeschaffung unseres TLF 4000 mit rund 97 000 Euro und die Ausgaben für den Digitalfunk mit rund 24 500 Euro zu Buche." Hochgerechnet aufs Jahresende dürften die Übernachtungszahlen nahezu stabil bleiben, trotz der abnehmenden Bettenkapazität.

Geschäftsleiter Thomas Weiß bezifferte das Haushaltsvolumen auf knapp 8,5 Millionen Euro. Die Steuerkraft je Einwohner weise mit derzeit rund 486 Euro ein deutliches Plus zum Vorjahr auf, die Pro-Kopf-Verschuldung sei von 1277 auf 1185 Euro gesunken. Der Kämmerer darf sich auch über Mehreinnahmen sowohl bei der Gewerbesteuer, als auch bei den Schlüsselzuweisungen freuen. Für ein wenig Heiterkeit sorgten kleine Probleme am Wiesauer Friedhof, die Dutz mit den Regeln für die Abfallentsorgung und dem Umgang mit den Geräten zu lösen versuchte. Im Bereich der Priestergräber sei ein Urnenfeld geplant.

"So schizophren es klingt: Wasser wird nur dann billiger, wenn mehr verbraucht wird", verwies der Bürgermeister auf die Gebührenkalkulation. Nennenswerte Probleme mit der Trinkwasserversorgung gebe es aber nicht. Abgeschlossen seien auch die Neuvermessungen im Bereich des Kreuzberges, dem "alten Dorf", wie es Dutz nannte. Dutz informierte: "Da haben wir halt alte Dinge bereinigt." Die Eintragungen im Grundbuchamt seien jetzt auf einem aktuellen Stand.

"Wir schlafen nicht!" wies der Bürgermeister jegliche Kritik zum Breitbandausbau von sich: "Wir schreiten zügig voran und freuen uns auf hohe Fördermittel." Die Angebote seien geprüft und bewertet worden. "Damit steht einem Baubeginn im kommenden Jahr nichts mehr im Wege."

Sanierungen im Ortsbereich seien auch Sache der Anwohner, in Triebendorf - so war auf Anfrage zu erfahren - habe man noch nichts verpasst. Die Meinung der Dorfbewohner zu Fragen der Ortsgestaltung werde noch rechtzeitig eingeholt, versprach Dutz.

Als nach wie vor sehr unbefriedigend bezeichnete der Bürgermeister die Situation in der Dreifachturnhalle an der Berufsschule. "Das Problem liegt einfach im System", so Dutz. "Nicht registrierte Flüchtlinge kommen in Wiesau an, steigen aus dem Bus und eilen gleich wieder zum Bahnhof. Sie verteilen sich gewissermaßen selber weiter." Dutz sparte aber nicht mit Lob an die Helfer. "Dank ihres Einsatzes haben wir das hingekriegt."

Dass Wiesau keine Dauerlösung bleiben dürfe, das müsse auch der Landrat verstehen: "Ich möchte nicht, dass hier der Eindruck entsteht, ich sei in der Sache schläfrig. Da ist auch schon ein gewisser Druck da." Es mache freilich stolz, von allen Seiten gelobt zu werden. Aber weniger Lob, dafür aber mehr Solidarität wäre schon wünschenswert. "Die Flüchtlinge brauchen unsere Hilfe. Das bleibt nach wie vor außer Zweifel." Aber vor allem seien die Gemeinde und die Vereine für die Wiesauer Bürger da. "Das darf man ungeachtet der Solidarität nicht außer Acht lassen."
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