"Zug für die DB abgefahren"

Die Ziegler Logistik fährt voll auf die Schiene ab. Der Streik der GDL trifft sie besonders hart. Durch immense Verspätungen könnten auf die Firma Kosten von etwa 30 000 Euro zukommen, vermutet Stefan Ziegler. Der "Alex" im Hintergrund auf dem Wiesauer Bahnhof fährt planmäßig. Seine Zugführer gehören nicht zur GDL. Bild: Grüner
Lokales
Wiesau
06.05.2015
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Wer auf die Bahn angewiesen ist, hat derzeit schlechte Papiere. Der Lokführerstreik trifft neben dem Personenverkehr besonders hart Unternehmen, die auf die Schiene setzen, wie es die Politik seit Jahrzehnten propagiert. Eines ist die Ziegler Logistik in Wiesau.

Stefan Ziegler nimmt am Telefon kein Blatt vor den Mund. Er ist stinksauer auf den Streik der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL). "Ich glaube, die wissen überhaupt nicht, was sie für einen immensen wirtschaftlichen Schaden anrichten. Das Maß ist voll." Dem Chef der Ziegler Logistik in Wiesau kostet der einwöchige Streik der Eisenbahner mindestens 30 000 Euro, schätzt er. 40 Schiffscontainer voll Ladung gehen täglich in Wiesau rein und raus, 160 pro Woche in den Im- und genauso viele in den Export.

Die Hauptschuld an der Misere sieht er ganz klar beim Bundesvorsitzenden der GDL, Claus Weselsky. "Im Jahr 2015 kann es nicht mehr angehen, dass ein Einzelner so viel Macht hat, ein ganzes Wirtschaftssystem zum Wanken zu bringen. Ich glaube, die Forderungen von Herrn Weselsky sind maßlos übertrieben. Hier muss jetzt die Politik ansetzen. Und da sind schnelle Entscheidungen erforderlich."

Ausgeklügeltes System

Weil die Deutsche Bahn (DB) mit Lokführern fährt, die der GDL angehören, will der Unternehmer künftig noch stärker auf andere Dienstleister setzen. "Nur aus diesem Grund ist bei uns der Zug für die DB abgefahren", sagt der Chef des Hauses. Ziegler Logistik hat vier Züge mit täglicher Anbindung Hamburg - Wiesau. Ein ausgeklügeltes System, das minuziös durchgeplant ist und keine Störungen verträgt, ohne dass es gleich furchtbar teuer wird. Ein fünfter Zug ist für nächstes Jahr geplant.

Mit dem Streik ist der Zug ausgefallen, der am Montag Schiffscontainer in den Hafen der Hansestadt bringen sollte. Zwölf Stunden stand er allein in Chemnitz. "Das hat alles durcheinandergebracht", schimpft Ziegler. Jetzt werden immense Strafgebühren fällig, weil die Container Platz blockieren und die Lieferzeiten zu den Endkunden nicht eingehalten werden können.

Und wenn der Streik am Wochenende zu Ende geht, trifft es den Unternehmer gleich noch einmal. Nach seiner Aussage gehen die Züge so aus den Bahnhöfen, wie sie der Reihe nach drangewesen wären. "Und da müssen wir uns wieder ganz hinten anstellen." Die Planung für seine Züge hat Stefan Ziegler in die Hände eines privaten Dienstleisters gelegt, der die komplette Organisation übernimmt. Die Firma Necoss in Bremen managt die Transporte für Ziegler von Süd nach Nord und umgekehrt. Einer der vier Züge, die jeden zweiten Tag Hamburg - Wiesau fahren, war einer der DB. Und der wurde bestreikt.

Freilich übernimmt die Versicherung des Dienstleisters die anfallenden Kosten. "Vorerst. Aber das fällt sicher auf uns zurück, durch Prämienerhöhungen, die der Dienstleister dann ebenfalls wieder umlegt", vermutet Ziegler.
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