70 Jahre CSU-Bezirksverband Oberpfalz
Politik über den Tag hinaus

Frohgemut in Zukunft: Festredner Theo Waigel, Bundestagsabgeordneter Reiner Meier, Wiesaus Bürgermeister Toni Dutz, CSU-Bezirksvorsitzender Albert Füracker, Sozialministerin Emilia Müller, Mitterteichs Bürgermeister Roland Grillmeier, Hans Spitzner und Landtagsabgeordneter Tobias Reiß (von links). Bilder: Robl/Fütterer
Politik
Wiesau
03.07.2016
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Ins christsoziale Stammbuch schreibt Theo Waigel ein paar bemerkenswerte Sätze. Beim 70. Geburtstag der Oberpfälzer CSU rückt der ehemalige Bundesfinanzminister die Grundwerte in den Mittelpunkt: "Die Würde des Menschen ist unantastbar." Waigel wünscht sich, dies heute in der CSU "wieder stärker herauszuarbeiten".

Auf den Tag genau vor 25 Jahren sprach Waigel als Bundesfinanzminister vor 300 Zuhörern in Wiesau. Mit breiter Brust zeigte sich denn auch Bürgermeister Toni Dutz, dass es ihm gelang, die zentrale Festveranstaltung der CSU Oberpfalz in die nördlichste Ecke zu holen. Darüber waren nicht alle CSU-Kreisverbände aus dem Süden begeistert, wie man so hört. Trotzdem fanden sich am Freitag rund 200 Gäste im herausgeputzten Pfarrzentrum ein, darunter alte politische Haudegen wie Hans Spitzner, Hermann Fellner und Franz Kustner. Die Falkenberger Zoiglmusik spielte schmissig auf; beim vorausgehenden Gottesdienst priesen der Wiesauer Pfarrer Max Früchtl und Dekan Georg Flierl die Meriten der CSU und Europas.

Derart spirituell beflügelt, versprühte Albert Füracker gute Laune. Der CSU-Bezirkschef erinnerte an Gründungsvater Otto Schedl sowie an seine Vorgänger Franz Sackmann (17 Jahre im Amt), Gustl Lang und Hans Spitzner (je 12 Jahre) und Emilia Müller (7 Jahre Bezirksvorsitzende). Die CSU Oberpfalz startete 1945 mit 31 Mitgliedern, 362 waren es 1950, 1980 rund 14 000 und schließlich mehr als 20 000 im Jahre 1990. Heute zählt die CSU im Regierungsbezirk "weniger als 20 000 Mitglieder". "Damit ist die CSU Oberpfalz der zweitgrößte Bezirksverband in Bayern." Wie einstmals Gustl Lang forderte Füracker zum "Zusammenstehen und Zusammenhalten" auf. Er betonte eine "CSU-Politik auf Basis des christlichen Menschenbilds".

Mit stehendem Applaus würdigten die Gäste die Festrede von Theo Waigel. Der CSU-Ehrenvorsitzende rückte - intellektuell und philosophisch unterlegt - fern der Tagespolitik das christliche Menschenbild, das christliche Sittengesetz und die "Verantwortung vor Gott" in den Fokus. "Konservativ bedeutet eine dauerhafte Verpflichtung gegenüber diesen Werten." Seinen Streifzug durch die jüngste Weltgeschichte würzte er mit zahlreichen Anekdoten ("Gottvertrauen in die Flugkünste von Franz Josef Strauß in Moskau" oder wie es ihm gelang, Henry Kissinger mit ins Boot zu holen). "Alle wichtigen Entscheidungen in Deutschland tragen die Handschrift der CSU."

"Grundwert Heimat"


Ausführlich ging Waigel auf die Wiedervereinigung ein: Das damals sehr enge Zeitfenster - nur ein Jahr später folgte die Entmachtung von Gorbatschow - oder die Unumkehrbarkeit der staatlichen Wiedervereinigung durch die Währungsunion. Er sei "dem Herrgott dankbar", dass es gelang, für 12 Milliarden D-Mark 500 000 russische Soldaten mit Zehntausenden Panzern und Tausenden Atomwaffen innerhalb von drei Jahren aus Deutschland abzuziehen. Der ehemalige Bundesfinanzminister rechnete vor, dass die Deutschen von 1990 bis 2015 rund 2,1 Billionen Euro für die Wiedervereinigung aufbrachten und gleichzeitig 150 Milliarden Euro Garantien für die Nachfolgestaaten der Sowjetunion und die osteuropäischen Nachbarländer leisteten. "Deutschland ist heute das Land mit der höchsten Stabilität und der niedrigsten Arbeitslosigkeit in Europa." Trotzdem fühlten sich viele Menschen wie "zwischen den Zeiten" - mit einer dumpfen Angst in diffuser Stimmung. Dagegen setzt Waigel die Neuordnung Europas und den "Grundwert Heimat". Angesichts der horrenden Staatsschulden führe aber kein Weg an einer Verlängerung der Lebensarbeitzeit vorbei.

Zu den ältesten Gründungsmitgliedern der CSU zählt unter anderem Ursula Faulhaber aus Tirschenreuth. Die Hotel- und Tourismusschule sorgte ambitioniert für die Verköstigung.

Deutschland ist heute homogener als alle europäischen Länder.Dr. Theo Waigel
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