Landsmannschaft gedenkt der Vertriebenentransporte vor 70 Jahren
Sudetendeutsche als Brückenbauer

Politik
Wiesau
24.10.2016
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Mit einer Kranzniederlegung am Vertriebenenmahnmal und einer Gedenkveranstaltung im Saal des Pfarrzentrums gedachte die Sudetendeutsche Landsmannschaft gemeinsam mit dem Bund der Vertriebenen und der Gemeinde der 70. Wiederkehr der Vertriebenentransporte nach Bayern. Das Grenzdurchgangslager am Ostrand der heutigen Marktgemeinde Wiesau (Kreis Tirschenreuth) war lange Jahre ein Zufluchtsort vieler Menschen. Ihre Zahl wird auf rund 850 000 geschätzt.

Der geschichtsträchtige Ort sei für eine große Zahl Sudetendeutscher Landsleute ein Begriff. Mit der Wahl des Veranstaltungsortes wolle man sich gleichzeitig auch bei Wiesau bedanken, sagte der Landesobmann der Sudetendeutschen Landsmannschaft, Steffen Hörtler.

Vorangegangen am Tag zuvor war ein Empfang und der Eintrag ins "Goldene Buch" der Marktgemeinde im Rathaus. Bürgermeister Toni Dutz (CSU) bedauerte, dass man viele Sudetendeutsche habe fort ziehen lassen. "Man hätte versuchen müssen sie hier zu behalten", bedauerte Dutz. Mit der Porzellanmanufaktur seines Großvaters, der auch aus dem Sudetenland stammte, sei er groß geworden. Er kenne und teile das Leid. In der Erinnerung fest eingebrannt habe sich auch das Meer weißer Armbinden, weggeworfen nach der Ankunft in Wiesau. Das ungeliebte Zeichen für die Sudetendeutsche Zugehörigkeit, wurde so unfreiwillig zum Symbol wiedergewonnener Freiheit und Geborgenheit.

Ausstellung im Pfarrheim


"Vertrieben - Angekommen - Aufgebaut. Der Zukunft verpflichtet" war der Festakt im katholischen Pfarrzentrum "St. Michael" überschrieben. Eine umfangreiche Fotoausstellung erinnerte an das Leben im Grenzdurchgangslager, Zeitungsausschnitte an Zeitzeugen. Bestaunt wurde auch das Lagermodell im Foyer. Die Gedanken an die "Heimat" sowie Worte wie "Danke", "Aussöhnung" und "Freundschaft" wurden beim Festakt mit Staatsministerin Emilia Müller und Landtagsabgeordneten Josef Zellmeier zu Leitmotiven. Weitere Ehrengäste waren Teilnehmer aus Ungarn und Kroatien.

In ihrer Festansprache bezeichnete Müller die Sudetendeutschen als "Brückenbauer" und wichtige Leistungsträger der Völkerverständigung. "Ihre Geschichte ist auch ein Teil unserer Geschichte. Gestaltet aber wird sie jetzt und heute!" Das Mahnmal sei ein steinernes Symbol der Hoffnung. "Wiesau als leuchtendes Beispiel einer großartigen Integrationsleistung hat sich in die Herzen der Flüchtlinge eingeprägt." Was damals gelang dürfe mit Recht als Integrationswunder bezeichnet werden. "Integration ist aber nur dann möglich, wenn auch der Wille dafür vorhanden ist. Die Flüchtlinge haben ihr Wissen, ihr Können und ihre Talente mit- und eingebracht. Daher ist Bayern auch ein gutes Stück vorangekommen", so Müller abschließend.

Vertreibung ein Verbrechen


In seiner Eigenschaft als stellvertretender Landesvorsitzender des Bundes der Vertriebenen wertete Zellmeier die Güterzüge als exemplarisch und verurteilte die Vertreibung als Nachkriegsverbrechen an den Sudetendeutschen Landsleuten. "Wiesau hat in den Nachkriegsjahren so viele Menschen aufgenommen, wie die Oberpfalz damals Einwohner hatte.
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Stefan Kreuzeck aus Pfreimd | 24.10.2016 | 15:04  
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