Streit um geschützte Wiesen

So wie auf diesem Beispielbild hätten die Baumhäuser auch auf der Silberhütte ausschauen sollen. Nur ist hier eben nach Ansicht der Unteren Naturschutzbehörde ein wertvolles Biotop, das durch die Gäste zerstört würde. Archivbild: Baumpalast
Politik
Wiesau
24.10.2014
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Müssen naturschützerische Belange hintan stehen, nur weil mögliche Investoren sonst abspringen könnten? Auf die Frage fand auch der Kreisausschuss keine hinreichende Antwort.

Die Firma, die ein Baumhaus-Hotel im Gebiet Silberhütte errichten wollte, ist zwar im Frühjahr abgesprungen. Doch die Stadt Bärnau will einer späteren Verwirklichung durch diesen oder einen anderen Investor auf jeden Fall den Weg ebnen. Ein Hindernis bleibt die Lage im Landschaftsschutzgebiet. Bei der Sitzung im Wiesauer Rathaus befasste sich der Kreisausschuss erneut mit dem Thema. Konkret hatte die Stadt beantragt, mehrere zusammenhängende Grundstücke östlich der Staatsstraße an der Silberhütte aus dem Naturpark Nördlicher Oberpfälzer Wald herauszunehmen. Weil davon auch zwei Wiesen mit seltenen Pflanzenarten wie Orchideen betroffen wären, legte die Untere Naturschutzbehörde ihr Veto ein und eine Alternative vor.

Diesen Kompromiss stellte Landrat Wolfgang Lippert dem Ausschuss vor. Demnach würden nur die beiden Wiesenflächen im Schutzgebiet bleiben, eine Bebauung etwa mit Baumhotels wäre außerhalb dieser Zone möglich. Auch zur dann erschwerten Erschließung machte sich die Behörde Gedanken und schlug vor, die Entsorgungsleitungen außerhalb der Biotope am Waldrand zu verlegen. "Die Stadt Bärnau sollte mit diesem Kompromiss leben können", fasste der Landrat zusammen.

Doch Oberregierungsrätin Regina Kestel berichtete, dass Bärnau nicht einverstanden sei mit einem Verbleib der Wiesen im Landschaftsschutzgebiet. Das enttäuschte den Landrat: "Es wäre doch auch für die Baumhotel-Bewohner von Vorteil, einen Ausblick auf die erhaltenen Biotope zu haben." Auch Bund Naturschutz und der Naturschutzbeirat des Landkreises hatten sich im Vorfeld gegen eine Herausnahme der Wiesen aus der Schutzzone ausgesprochen.

Eine Entscheidung vertagte der Kreisausschuss. "Wir brauchen eine klare Aussage, ob ein neu aufgelegtes Projekt Baumhaus-Hotel durch die Ablehnung der Naturschutzbehörde gefährdet wäre", meinte CSU-Fraktionssprecher Toni Dutz. Mit einer Zurückstellung war auch SPD-Kollege Rainer Fischer einverstanden. Allerdings war er dagegen, "vorauseilend" den Investoren alle Hürden zu beseitigen.

Nicht alle Freiheiten

Damit bezog er sich auf eine Aussage von Gregor Zölch im Naturschutzbeirat: Der hatte angekündigt, in seiner Eigenschaft als Kreisrat bei einer Abstimmung für die Herausnahme auch der Wiesenflächen zu stimmen, wenn ein mögliches Projekt sonst gefährdet wäre. "Ich bin dagegen, den Investoren so viele Freiheiten einzuräumen", sagte Fischer.
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