Toni Dutz beim Fischessen: "Zugpferd" Deutschland nicht schwächen
Irgendwann über die Böschung

Zahlreiche Zuhörer informierten sich in der "Alten Bahnmeisterei" über das Gemeindegeschehen. Toni Dutz (stehend) sparte in seine Rede aber nicht mit Kritik. Bild: wro
Politik
Wiesau
15.02.2016
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Die Schweigeminute zum Gedenken an die Opfer des Zugunglücks bei Bad Aibling gehörte noch zum moderaten Teil des "Politischen Abends mit Fischessen". Ruhig übernahm der Bürgermeister das Wort.

"Fisch und Politik passen gut zusammen", freute sich Toni Dutz über das große Interesse an der Veranstaltung der CSU in der "Alten Bahnmeisterei" am Donnerstag. Dass dem Bürgermeister in den vergangenen Monaten so einiges "über die Leber gelaufen" war, wurde den vielen Zuhörern rasch bewusst. Dutz knöpfte sich sein Dauerthema "Flüchtlingsunterkunft" vor.

"Freilich, schon einmal - nach dem Zweiten Weltkrieg - bot der Ort Flüchtlingen eine Unterkunft", erinnerte Dutz und verwies auf die Gedenkveranstaltung in wenigen Tagen. Man könne die damalige Situation im Wiesauer Grenzdurchgangslager aber nicht mit der heute vergleichen. Freilich werde immer behauptet: "Wir schaffen das". Wiesau stehe auch dazu. Aber man müsse auch "offen seine Sorgen aussprechen dürfen ..." Der Ton in der Diskussion werde immer schriller. "Da müssen wir aufpassen."

Dutz erklärte: "Irgendwann wird uns das Thema überfordern. Wir können doch nicht alle Probleme der Welt lösen". Der Rathauschef zog einen Vergleich mit einem schnell fahrenden Europa-Zug: "Deutschland ist die Lokomotive, die dieses Gefährt zieht", sagte er und warnte davor das "Zugpferd" Deutschland, die Lokomotive am vorderen Ende zu schwächen: "Irgendwann kippt das Gespann die Böschung hinunter, und was ist dann?"

"Meistern Situation"


Einmal mehr lobte Dutz die Ehrenamtlichen, die sich in der Flüchtlingsunterkunft einbringen. "Wir meistern die Situation bravourös. Wir brauchen uns nicht verstecken." Doch Integration beginne bereits bei der Sprache, sagte Dutz. Er betrachte mit Sorge die Entwicklung in den Städten, wo sich in manchen Teilen Deutsch zur Fremdsprache entwickelt habe. Das "System Notunterkünfte in Turnhallen" nannte Dutz "Schwachsinn"; dazu kämen noch die enormen Kosten. "Beschämend" sei die Haltung mancher Nachbarkommunen: Widerstände und Unterschriftenaktionen trügen kaum zu einer Lösung bei. Dutz zeigte keinerlei Verständnis für Forderungen nach Quotenregelungen statt Solidarität: "Wir haben den Königssteiner Schlüssel deutlich überfüllt!" Jetzt seien auch mal die anderen dran. Dutz hegte Zweifel an der versprochenen zeitnahen Schließung der Wiesauer Notunterkunft.

Berufschule wieder zu klein


Die Erweiterung der Berufsschule gehe zügig voran, informierte der Redner weiter. Mit einem Investitionsvolumen von rund 7,5 Millionen Euro werde das Gebäude erweitert. "Leider sind wir aber wieder einmal zu kurz gesprungen." Denn schon heute sei abzusehen, dass die Berufsschule auch nach der Erweiterung zu klein sei. Beim Thema "Ostbayernring" und der sogenannten Monstertrasse trat Dutz Hoffnungen der Bürger entgegen; Bürgermeister oder Gemeinderat hätten auf Entscheidungen keinen Einfluss. Nahezu erledigt seien die Arbeiten in Sachen Dorferneuerung Schönhaid. Gut voran komme die Triebendorfer Ortsgestaltung. Bei den Anliegerkosten für die Sanierung der Hauptstraße sei eine vertretbare Lösungen gefunden.

Mit Hilfe der erhaltenen Fördergelder konnte die Gemeindeschulden deutlich gesenkt werden, informierte der Bürgermeister: "Aber was nützt uns eine schuldenfreie Gemeinde, wenn die Bürger immer weniger werden", bedauerte er. Günstige Baugrundstücke und das künftige, kommunale Gewerbegebiet seien wichtige Schritte in die Zukunft. Dutz bedauerte: "Leider haben wir in den letzten Jahren versäumt, attraktive Gewerbeflächen zu günstigen Preisen anzubieten."
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